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Basarteam Hohnweiler macht Schluss

Aus für eine der größten Kinderbedarfsbörsen in der Gegend – Auflagen der Versammlungsstättenverordnung nicht umsetzbar

„Wir hatten nicht das Gefühl, das gestemmt zu kriegen“, sagt Sandra Kronmüller stellvertretend fürs Basarteam Hohnweiler. Über 30 Jahre lang organisierte die engagierte Gruppe einen großen Kinderkleider- und Spielzeugbasar. Die Erlöse sind stets der Jugend in Auenwald zugutegekommen. Damit ist es jetzt vorbei: Zu streng sind die Bestimmungen, zu groß die Haftungsrisiken.

Der Platz in der Auenwaldhalle ist ausgereizt, sogar die Bühne wird genutzt: Bei den Basaren herrschte stets großer Andrang. Fotos: privat

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Der Platz in der Auenwaldhalle ist ausgereizt, sogar die Bühne wird genutzt: Bei den Basaren herrschte stets großer Andrang. Fotos: privat

Von Armin Fechter

AUENWALD. Der Basar in der Auenwaldhalle in Unterbrüden war einer der größten in der Gegend. „Es gab jedes Mal einen Riesen-Run auf die Verkaufsnummern“, blicken Sandra Kronmüller und Sandra Gutermuth zurück. Da waren alle Nummern, für die sich die interessierten Verkäuferinnen über die Homepage bewerben mussten, binnen Minuten vergeben. Es kam vor, dass bis zu 200 Bewerberinnen leer ausgingen. Zweimal im Jahr bot der Basar Familien die Gelegenheit, sich günstig mit Kleidung und anderen Kinderbedarfsgütern einzudecken. Gleichzeitig konnten die Verkäuferinnen dort mit Stücken, die zu schade zum Wegwerfen sind, noch einen kleinen Zuschuss zur Familienkasse erwirtschaften. Ganz abgesehen vom Gedanken der Müllvermeidung: So ein Second-Hand-Verkauf stelle „gelebtes Recycling“ dar, sagt Stefanie Baudy, die in Sachsenweiler selbst im Organisationsteam für einen Erwachsenenkleiderbasar mitarbeitet und auch schon in Auenwald mitgeholfen hat.

Die Anfänge des Hallenevents liegen in Hohnweiler. Ein Strick-und-Still-Treff hatte dort in der Grundschule eine Kinderkleiderbörse angestoßen, in relativ bescheidenem Umfang. Als der Basar dann immer größer wurde, wechselten die Verantwortlichen vor etwa 20 Jahren in die Auenwaldhalle und hatten von da an das Glück, den örtlichen Vereinen gleichgestellt zu werden, was die Hallennutzung anging. Und mit der Zeit haben auch immer wieder die Personen gewechselt, die die Veranstaltung organisieren. Zuletzt waren nur noch zwei aus der sechsköpfigen Mannschaft aus Auenwald selbst, die anderen kommen aus Weissach und Aspach. Geblieben ist aber der Name: Basarteam Hohnweiler. Und: Das Küchenteam, das die Basarangebote abrundet, bestand bis zuletzt aus Müttern vom Kindergarten Hohnweiler und von der Grundschule Lippoldsweiler.

Scharen von Mitstreitern waren nötig, um die Basare abzuwickeln. Eine Großfamilie vom Opa bis zum Enkel stand dem Basarteam zur Seite, weitere 70 Helfer waren jedes Mal im Einsatz, ferner die Jugendfeuerwehr Auenwald für das Parkplatzmanagement und Studenten der Missionsschule Unterweissach beim Aufbau am Freitagnachmittag.

Vom jeweiligen Verkaufserlös wurden zehn Prozent einbehalten. Davon kam der allergrößte Teil Kindern und Jugendlichen aus der Gemeinde Auenwald zugute. In den vergangenen zehn Jahren waren dies gemeinsam mit den Spenden des Kuchenteams immerhin insgesamt 40260 Euro. Unterstützt wurden insbesondere Schulen und Kindergärten, die Feuerwehr und die örtliche Jugendarbeit.

„Die gute Sache stand immer im Vordergrund“, sagen Gutermuth und Kronmüller sowohl mit Blick auf die Spenden, die immer offengelegt wurden, als auch wegen der Familien, die von den Basaren beim Ein- und Verkauf profitiert haben. Doch die Auflagen einerseits und die Kosten andererseits sind gewachsen. So musste das Team auf Anraten der Gemeinde eine Haftpflichtversicherung abschließen. Es musste die Homepage nicht nur finanzieren, sondern auch in puncto Datenschutz up to date bringen. Und zuletzt kamen jetzt noch die Bestimmungen der Versammlungsstättenverordnung, auf die die örtlichen Vereine bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde aufmerksam gemacht wurden. Auf Flucht- und Rettungswege habe man immer geachtet. Aber nun sei genau festgelegt, wo frei sein muss und wie viele Besucher maximal in der Halle sein dürfen, dass Brandwachen und Ersthelfer da sein sollen und alles von einer Einzelperson verantwortet werden soll: „Das bricht einem das Genick.“ Im August hatte das Team drei Treffen, Pro und Kontra wurden abgewogen, Tränen flossen; letztlich fiel die Entscheidung aufzuhören. Kritik an der Gemeinde wollen die Beteiligten damit nicht verbinden: Im Rathaus sei man dem Team immer wohlgesonnen gewesen. Aber, so Kronmüller: „Mit gutem Gewissen kann ich nicht weitermachen.“

Haben sich schweren Herzens entschieden, keinen weiteren Basar mehr zu organisieren (hinten, von links): Sandra Kronmüller, Sandra Aufrecht und Sandra Gutermuth sowie (vorne, von links) Christine Heller, Inge Krissun und Lenka Braun.

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Haben sich schweren Herzens entschieden, keinen weiteren Basar mehr zu organisieren (hinten, von links): Sandra Kronmüller, Sandra Aufrecht und Sandra Gutermuth sowie (vorne, von links) Christine Heller, Inge Krissun und Lenka Braun.

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Pragmatische Lösungen

Basare gibt es viele. Die Verhältnisse sind aber nicht unbedingt vergleichbar. In Weissach im Tal macht jeder Kindergarten seine Kinderbedarfsbörse, meist in der Gemeindehalle, teils auch in der Seeguthalle. „Wir versuchen, pragmatische Lösungen hinzukriegen“, sagt Bürgermeister Ian Schölzel. Wichtig sei, im Vorfeld die Brandlast abzuklären und den jeweiligen Raumbedarf auf die Bestuhlungspläne abzustimmen. Er räumt aber ein: „Es ist eine Gratwanderung.“ Bei den Kindergärten sei jedoch nicht das Basarteam verantwortlich, sondern der Träger.

In Althütte hatten Vertreter der Vereine die Möglichkeit, eine Schulung zu absolvieren, in der vermittelt wurde, was zu beachten ist. „Jeder Verein kennt die Richtlinien“, sagt Vanessa Schäfer vom Basarteam Althütte, das seine Aktivitäten ebenso ohne Institution im Hintergrund organisiert wie das Basarteam Hohnweiler. Ihr ist bewusst: „Ich habe die Verantwortung.“ Die Vorgaben würden nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt. Aber: „Wir bewegen uns immer in einer Grauzone.“ Die Kontrolle etwa der Besucherzahl sei in der Praxis kaum machbar.

Der Erwachsenenkleiderbasar des evangelischen Kindergartens Sachsenweiler ist mit dem in der Auenwaldhalle gar nicht vergleichbar, sagt Stefanie Baudy vom Organisationsteam. Zum einen sei er viel kleiner, zum anderen habe er die letzten beiden Male in Räumen der Kirche stattgefunden, wo es genug Ausgänge gebe.

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Erstellt:
26. September 2019, 06:00 Uhr

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