Baustoffmangel trifft Unternehmen wenig

Materialmangel und steigende Rohstoffpreise belasten bundesweit die Bauwirtschaft. Hiesige Unternehmen sind relativ gut über die Runden gekommen. Sie profitieren bislang von gefüllten Lagerräumen. Zum Glück fallen die Holzpreise wieder. Aber es gibt teilweise Lieferengpässe.

Fensterbauer Herbert Hofmaier hatte ein gut gefülltes Lager und ist deshalb seither sehr gut über die Runden gekommen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Fensterbauer Herbert Hofmaier hatte ein gut gefülltes Lager und ist deshalb seither sehr gut über die Runden gekommen. Foto: A. Becher

Von Florian Muhl

Rems-Murr. „Materialknappheit und weiter steigende Rohstoffpreise belasten weiterhin die Bauwirtschaft“, klagte dieser Tage Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands „Das Deutsche Baugewerbe“. Demnach würden vorhandene Lieferschwierigkeiten bei anhaltend hoher Nachfrage quer durch die Branchen die Preise weiter in die Höhe treiben. So lagen die Preise für Schnittholz im Sommer um mehr als 110 Prozent über dem Vorjahreswert. Bei Betonstahl hätten sich die Preise um mehr als 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert erhöht. Auch Kunststoffe hätten im Preis ordentlich zugelegt.

Und wie sieht es aktuell bei Unternehmen im Raum Backnang aus? „Wir sind mit der Rohstoffknappheit bisher sehr, sehr gut über die Runden gekommen“, zeigt sich Herbert Hofmaier zufrieden. Sein Betrieb in Sachsenweiler stellt hochwertige Holzfenster und Türen für den Alt- und Neubau her. Der ehemalige stellvertretende Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr schränkt seine Aussage ein wenig ein: „Das Einzige, wo wir ein sehr großes Problem haben, sind Rollladenmotoren. Die gibt’s schon seit langer Zeit nicht mehr, seit Februar, März nicht mehr.“ Der Grund: Die Motoren werden immer moderner, sind als Bestandteil des Smarthomes mit einem Chip ausgestattet. Aber diese Chips sind derzeit längst nicht in ausreichender Stückzahl verfügbar. Das hat auch Folgen für Hofmaier: „Wir können nicht mehr alles gleich fertig machen wie gewünscht.“

Bislang habe er diese Schwierigkeit ganz gut überbrücken und ein Stück weit kompensieren können, weil er das Lager voll gehabt habe, wie der Obermeister der Glaserinnung Rems-Murr sagt. Was er damit meint, ist: „Man hat halt immer irgendwie improvisieren müssen. Beispielsweise haben wir mal einen etwas größeren und stärkeren Motor als gebraucht verbaut oder wir haben die Sender für die Funkmotoren, die nicht geliefert werden, übers Internet oder über einen Mehrkanalsender provisorisch in Gang gebracht, oder haben alle Rollläden auf einen Schalter gesetzt, anstatt dass man sie, wie gewohnt, getrennt steuern kann.“ Ganz zufriedenstellend sei das natürlich nicht, weil er einen doppelten Aufwand habe. Er müsse erneut zum Kunden fahren, den Sender wieder herausnehmen und alles neu programmieren.

Mit Sorgen blickt Hofmaier in die Zukunft: „Die nächsten Wochen werden sehr, sehr hart, bis die Teile hoffentlich wieder geliefert werden.“ Denn sein einst gut gefülltes Lager leert sich zusehends. Zwar sei er von der Holzknappheit, die viele Zimmerer und Dachdecker getroffen hat, bei Weitem nicht so getroffen gewesen, weil er ausschließlich hochwertiges Holz verarbeite, und das sei im ersten Halbjahr in der Regel lieferbar gewesen. „Aber kurz vor dem Urlaub ists dann auch bei dem höherwertigen Holz ausgeartet und es war nur sehr schwer zu bekommen. Und was damit zusammenhängt: Der Preis steigt dann an. Es gab Steigerungen von 25 bis 30 Prozent.“ Der Fensterbauer will sich aber nicht beschweren, denn bei den anderen Holzgewerken habe er Preissteigerungen von bis zu 150 Prozent wahrgenommen. Mittlerweile sei die Lieferfähigkeit wieder da.

„Unser Betrieb hat’s ziemlich gut

im Griff gehabt“

Zum Thema Baustoffknappheit befragt, sagt Bauunternehmer Reinhard Pfeil aus Althütte: „Es war natürlich ziemlich holprig, aber unser Betrieb hat’s ziemlich gut im Griff gehabt, weil wir immer schon eine große Lagerhaltung hatten, war’s gar nicht so schlimm. Die Betriebe, die direkt von der Hand in den Mund leben, die heute bestellen und morgen verarbeiten, die haben Probleme gehabt. Wir haben keine Ausfälle gehabt.“ Um die Preissteigerungen sei er natürlich nicht herumgekommen, sagt Pfeil. Bei Holz, Stahl und Kunststoffen sei das ganz extrem gewesen. Umgerechnet beziffert der Bauunternehmer die Preissteigerung seit dem Jahresbeginn bis jetzt, wenn man diese aufs ganze schlüsselfertige Haus verteilt, auf 15 Prozent. Auf die einzelnen Gewerke verteilt waren es mal 100 und mal 30 Prozent und mal gar nichts.

Dachlatten, die seither 50 Cent gekostet hätten, seien im Sommer bei 1,80 Euro gewesen. Jetzt geht der Preis aber wieder runter. Die Lage habe sich normalisiert, weil der Export wohl gestoppt worden sei und die ersten Sägewerke hätten bereits Kurzarbeit. „Es läuft grad andersherum, total verrückt.“ Hersteller von Fertighäusern hätten dagegen richtig große Einbußen gehabt, weiß Pfeil, weil die mit viel Holz und auch Dämmung schaffen. „Die haben manchmal den Bauherren sogar Angebote gemacht mit 30000, 40000 Euro vom Haus, wenn sie zurücktreten würden. Einige haben’s gemacht, die meisten natürlich nicht, weil nachher kostet’s noch mehr.“

„Wir haben gar keine Probleme mit der Materialversorgung“

„Der Markt hat sich aus meiner Sicht, auch beim Holz, beruhigt“, sagt Firmenchef Peter Stelly. „Wir haben gar keine Probleme mit der Materialversorgung“, so der Weissacher Spezialist für Hausrenovierungen weiter. Es brauche vielleicht etwas länger als sonst. „Aber wenn man vorausschauend unterwegs ist, sich der Situation anpasst und in der Betriebsorganisation so plant, dass man sein Material rechtzeitig bestellt, hat man da wenig Probleme“, sagt der Zimmerermeister und Betriebswirt des Handwerks. „Wir hatten im Unternehmen mit mittlerweile 30 Mitarbeitern keinen Tag gehabt, oder keine Stunde, muss man schon sagen, wo wir aufgrund Materialdefiziten nicht arbeiten konnten oder einen Auftrag verschieben mussten.“

Dass sich der Holzmarkt stabilisiert habe und die Preise wieder am fallen sind, hat laut Peter Stelly mehrere Gründe. Zum einen bekomme Amerika wieder Holz aus Kanada und zum anderen schlage der Forst in Deutschland wieder mehr Holz ein und zudem seien die Lager bei den Betrieben in Deutschland mittlerweile wieder voll.

„Man hat halt immer irgendwie improvisieren müssen.“ Herbert Hofmaier,
Fensterbauer aus Backnang-Sachsenweiler

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Erstellt:
16. September 2021, 06:00 Uhr

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