Bayreuther Jubiläumsfestspiele
Jetzt also doch – Wirbel um Bayreuther Gedenken
Das große Jubiläum der Bayreuther Festspiele scheint unter keinem guten Stern zu stehen: zu wenig Geld für ein großes Programm – und jetzt eine Debatte um den Umgang mit der Vergangenheit.
© Armin Weigel/dpa
Nach der zwischenzeitlichen Absage ruderte Festspielleiterin Katharina Wagner zurück. (Archivbild)
Von Von Kathrin Zeilmann und Britta Schultejans, dpa
Bayreuth - Die Bayreuther Festspiele rudern zurück: Nach scharfer Kritik an der Absage einer Gedenkveranstaltung für in der NS-Zeit verfolgte jüdische Musikerinnen und Musiker, soll die Veranstaltung nun doch stattfinden, wie Festspielleiterin Katharina Wagner der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet.
Wie ursprünglich geplant, soll das Gedenkkonzert mit dem Titel "Verstummte Stimmen" im Bayreuther Friedrichsforum stattfinden – am Vormittag des 26. Juli vor der Premiere der Oper "Rienzi", sagte Wagner der dpa. Ob die "Sicherheitsbedenken", mit denen das Konzert zuvor abgesagt und Festredner Michel Friedman wieder ausgeladen worden war, nun plötzlich nicht mehr bestehen oder gelöst werden konnten, war zunächst unklar.
Absage hatte breite Kritik ausgelöst
Die Absage der Gedenkveranstaltung hatte seit Tagen Schlagzeilen gemacht. Friedman, der den Vorgang nach seiner Ausladung öffentlich gemacht hatte, übte scharfe Kritik, in die weitere, wie Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, einstimmten.
"Ich erwarte von der Festspielleitung, dass sie eine Lösung für die Veranstaltung findet und zeigt: Im Kampf gegen Antisemitismus stehen wir zusammen", sagte Blume am Donnerstag. Der Umgang der Festspiele mit diesem Thema "war leider mehr als unglücklich in den letzten Tagen".
Entsprechend erleichtert zeigt er sich nach dem Umschwenken der Festspielleitung: "Ich bin froh, dass sich die Irritationen der letzten Tage mit einem wirklich starken Signal aufgelöst haben", sagt Blume der dpa. "Ich danke der Festspielleitung, dass sie Klarheit geschaffen und einen Weg für die Umsetzung ihrer ursprünglichen, sehr guten Idee gefunden hat. Und ich habe größten Respekt vor Michel Friedman." Dass er nach Bayreuth komme, sende ein starkes Zeichen.
Friedman nimmt Entschuldigung an
Wie die "SZ" berichtete, entschuldigte Katharina Wagner sich bei Friedman für die Ausladung. Der Autor und Moderator hatte zuvor von einem "Offenbarungseid" und "Tod durch Selbstmord" gesprochen, Knobloch von einer "Bankrotterklärung". Die Entschuldigung nannte Friedman nun in der Zeitung "ernsthaft und glaubwürdig". Er sagte: "Wenn sich jemand bewegt, sollte man sich mitbewegen."
Der Komponist Richard Wagner (1813-1883), Gründer der Bayreuther Festspiele, verfasste antisemitische Schriften und äußerte sich auch immer wieder klar antisemitisch. Später galten die Festspiele als eng verflochten mit nationalistisch-völkischem Gedankengut und schließlich mit dem Nationalsozialismus. Adolf Hitler war immer wieder Gast in Bayreuth.
Knobloch: Dialog bleibt "dringend nötig"
Dass diese Aspekte nach der Gedenkabsage in dem bisher veröffentlichten Jubiläumsprogramm fehlten, hatte bei Charlotte Knobloch "Wut und Entsetzen" ausgelöst. Nach der 180-Grad-Wende der Festspiele zeigt auch sie sich erleichtert: Sie hoffe nun sehr, dass Friedmans "Vortrag und dem damit verbundenen Dialog in diesem bedeutenden Forum nun nichts mehr im Wege steht. Dieser bleibt – davon bin ich weiterhin überzeugt – gerade in der aufgeheizten politischen und gesellschaftlichen Lage unserer Tage dringend nötig", sagte sie der dpa.
Das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der Richard-Wagner-Festspiele scheint unter keinem guten Stern zustehen. Erst wurde bekannt, dass das vorgesehene Bühnenprogramm drastisch eingedampft werden muss, dann wurde auch noch die geplante Feiermeile der Kommune aus Kostengründen gestrichen – und nun diese Debatte, die möglicherweise mehr Schaden für den Grünen Hügel in Bayreuth angerichtet hat als die schwindenden Finanzen.
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Publizist Michel Friedman war erst ein- und dann wieder ausgeladen worden. (Archivbild)
