Beamte schildern grausamen Leichenfund

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders war zunächst unklar, wo sich das Opfer befindet.

Zunächst schien es so, als ginge es nur um einen Unfall, später war klar: Es geht um Mord. Symbolfoto: BilderBox/Erwin Wodicka

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Zunächst schien es so, als ginge es nur um einen Unfall, später war klar: Es geht um Mord. Symbolfoto: BilderBox/Erwin Wodicka

Von Heike Rommel

Backnang. Im Backnanger Mordprozess hat die Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts gestern zahlreiche Polizeibeamte als Zeugen gehört. Die jungen Polizisten, welche als Erstes am Tatort waren, mussten ihren grausamen Leichenfund schildern. Nach der Aussage eines 26-jährigen Beamten vom Revier Backnang war es die Feuerwehr, die den 29-jährigen mutmaßlichen Täter am 4. Mai dieses Jahres im Hardtwald zwischen Kleinaspach und Großbottwar im Zuge einer groß angelegten Fahndung inklusive Hubschrauber gefunden hat.

Erst beim dritten Versuch waren die Beamten bei der aktuellen Adresse

Der Angeklagte galt zunächst nur als Unfallflüchtiger, weil er sich zuvor auf der dortigen schnurgeraden Strecke mit seinem Auto überschlagen hatte. Bei seiner Festnahme, so der Zeuge, habe der türkische Staatsangehörige, welcher unter falscher Identität als Syrer in Deutschland gelebt hatte und nun eine Abschiebung befürchten musste, gesagt, dass seine 25-jährige Frau tot in der Wohnung liege.

Die Frage war zunächst allerdings, in welcher Wohnung. Im Auto, fuhr der junge Polizeibeamte fort, habe eine Bankkarte der Getöteten gelegen, über die die Polizei versucht habe, die Wohnanschrift herauszufinden. An der ersten Adresse sei kein Name auf dem Klingelschild gewesen und der Vermieter habe mitgeteilt, dass er dem Angeklagten gekündigt habe, weil keine Miete mehr kam. An einer zweiten Backnanger Adresse sei nur ein ehemaliger Mitbewohner gewesen, der auch keine Ahnung gehabt habe, wo der Angeklagte inzwischen wohnt. Inzwischen sei aber ein Hinweis von einer Schwester der Getöteten aus Murrhardt gekommen, dass Bilder von der Toten über das Handy des Beschuldigten verschickt wurden. Über die Nummer habe der Tatort dann eingegrenzt werden können.

Ganz oben wohne ein Pärchen, erklärte dort eine Nachbarin an der Tür. Die Tür der Dachwohnung, wo das Paar zuletzt gelebt hat, musste dann aufgebrochen werden. „Das Opfer lag auf dem Bett“, berichtete der Polizeibeamte weiter, wie er den Tod feststellte. Er habe bei der Frau keinen Puls mehr gespürt und am rechten Arm sei schon die Leichenstarre eingetreten gewesen. Eine Stichwunde am Bauch – die Tatwaffe war ein Ausbeinmesser – sei deutlich zu sehen gewesen. Die Bilder vom Tatort hat der Vorsitzende Richter Norbert Winkelmann vorliegen. Der Anklage zufolge soll der Beschuldigte fünfmal wuchtig auf seine Ehefrau eingestochen haben.

Beim derzeitigen Stand der Beweisaufnahme bestätigt sich die Anklage so weit, dass das Tatmotiv in einer Strafanzeige des Opfers gegen den Mann zu suchen ist. Die Frau hatte die falsche Identität ihres Mannes auffliegen lassen, und ein Onkel hat noch eins draufgesetzt, indem er dessen türkischen Führerschein bei der Polizei abgab. Zur erkennungsdienstlichen Behandlung konnte der Backnanger nach den Informationen einer 26-jährigen Polizistin allerdings erst auf den 6. Mai geladen werden, weil das Paar bis zum 5. Mai unter Coronaquarantäne stand.

Als es um die Hochzeit ging, bemerkte die Frau die Lüge über die Herkunft

Der Angeklagte habe nicht kommen wollen, sondern über einen Rechtsanwalt mitteilen lassen, er mache keine Angaben und erscheine am 6. Mai nicht, sagte die Polizistin. Seine Frau, die am selben Tag zur Polizei hätte kommen sollen, lag zu diesem Zeitpunkt schon tot in der Backnanger Wohnung. Unterlagen darüber, dass ihr Mann in Wirklichkeit Türke und nicht Syrer ist, hat das Opfer nach Polizeiangaben gefunden, als es um die Hochzeit ging. Der Wagen, mit dem sich der Angeklagte noch am Tattag überschlagen hat, war auf den Vater der Getöteten zugelassen, der vor Gericht als Nebenkläger auftritt.

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Erstellt:
7. Dezember 2021, 11:30 Uhr

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