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Bedarf an Wohnraum ist nicht gedeckt

Im Rems-Murr-Kreis gibt es 202000 Wohnungen, aber es entstehen nicht genug neue

Symbolfoto: MEV

Symbolfoto: MEV

Von Teja Banzhaf

BACKNANG/WAIBLINGEN. Wohnen ist derzeit Experimentierfeld für politische Patentrezepte: Hunderttausende Wohnungen fehlen, gleichzeitig stehen Millionen leer. Alleinstehende Menschen bewohnen große und mehrköpfige Familien kleine Wohnungen. Und „bezahlbar“ müssen sie alle sein. Wobei „bezahlbar“ ja eine sehr variable Variable ist.

Es gibt aber auch feste Größen: Im Rems-Murr-Kreis registrierte die amtliche Statistik zum Jahreswechsel 2018/19 einen Bestand von insgesamt 202006 Wohnungen aller Art und Größe. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent. Was allerdings nichts darüber aussagt, ob die bestehenden Wohnungen auch zu haben sind. Dafür lässt sich auf der Basis des IW-Wohnungsbedarfsmodells des Instituts der deutschen Wirtschaft sagen, dass das im Rems-Murr-Kreis zwischen 2016 und Ende 2018 erreichte Verhältnis von Fertigstellungen und Bedarf bei 65,5 Prozent liegt: Der Bedarf ist also durch nachwachsende Wohnungen derzeit nicht gedeckt.

Gut geschnitten, hell, in toller Lage, mit Balkon oder Garten – so wünschen sich viele ihre Traumwohnung. Welche der 202006 vorhandenen Wohnungen an Rems und Murr diesem Ideal nahekommen, wird statistisch freilich nicht erfasst. Der größte Traum der Menschen ist und bleibt das eigene Haus für die Familie: 52115 Einfamilienhäuser gibt es mittlerweile im Kreis. Aber nicht für jeden ist der Traum bezahlbar. Bleibt die Eigentumswohnung oder das Wohnen zur Miete in einem der 18924 Mehrfamilienhäuser als einkommensbasierte Alternative. Als Mehrfamilienhäuser gelten alle Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen. Sozusagen ein Zwischending sind Häuser mit zwei Wohnungen. Von denen gibt’s im Kreis 20859.

Begehrt sind große Wohnungen mit fünf Räumen, einschließlich Küche, und mehr. Davon waren im Rems-Murr-Kreis zum Jahreswechsel 2018/19 inklusive der Einfamilienhäuser insgesamt 88483 vorhanden. Das sind rund 43,8 Prozent an allen vorhandenen Wohnungen. Weitere 56794 Wohnungen (28,1 Prozent) verfügten über vier Räume, 37447 Wohnungen (18,5 Prozent) waren Dreizimmerwohnungen, 14961 (7,4 Prozent) verfügten über zwei Räume und 4321 über einen Raum (2,1 Prozent).

Wo Wohnungen fehlen, steigen die Preise

Ein Problem sind leer stehende Wohnungen: Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung standen 2017 (Zahlen aus 2018/19 liegen noch nicht vor) deutschlandweit 2,14 Millionen Wohnungen oder 5,2 Prozent leer. Im Jahr zuvor waren es noch 4,8 Prozent beziehungsweise 1,98 Millionen Wohnungen. Lokal lässt sich dazu nichts sagen. Aber in Baden-Württemberg kletterte der gesamte Wohnungsbestand in Wohn- und Nichtwohngebäuden gegenüber dem Vorjahr um rund 35679 Wohnungen (plus 0,7 Prozent) und sorgte für den neuen Spitzenwert von 5,30 Millionen Wohnungen. Auf den Rems-Murr-Kreis entfielen 202006 Wohneinheiten, von der Einzimmerbude bis zur großen Villa. Damit erhöhte sich der hiesige Bestand um 1212 Wohnungen oder 0,6 Prozent. Vier Jahre zuvor (2014) hatte die Zahl noch bei insgesamt 197426 Wohnungen gelegen.

91,8 Quadratmeter groß ist derzeit die bundesweite Durchschnittswohnung (einschließlich Wohnungen in Wohnheimen), pro Kopf ergeben sich 46,5 Quadratmeter. Das geht aus der Fortschreibung des Wohngebäude- und Wohnungsbestands des Statistischen Bundesamts weiter hervor. Im Jahr 2000 lag die Pro-Kopf-Wohnfläche bundesweit noch bei 39,5 Quadratmeter. Da wird sich mancher wundern, wenn er sich in seinen vier oder vier plus x Wänden umschaut. Vor allem in der Stadt sind die Wohnungen eher kleiner – weil sie teurer sind und dennoch bezahlbar bleiben müssen.

Den Zusammenhang zwischen Menschen, Wohnungen und Baugrund mag aber nicht jeder sehen. Denn wenn das IW beispielsweise im Rems-Murr-Kreis für 2016 bis 2020 einen Wohnungsbedarf von 1841 Wohnungen ermittelt, die aber (noch) nicht gebaut sind, hat das Folgen: Zu wenig Wohnungen treiben die Preise hoch, ein reichliches Angebot wirkt dagegen automatisch als Mietpreisbremse und hilft auch Kaufenden. Das geht aber nur, wenn genug Bauland für die Menschen bereitgestellt wird. Denn unserer Oma ihr klein Häusle zu beschlagnahmen, weil sie allein oder vielleicht noch mit Opa auf weiter Flur wohnt, ist keine Alternative. Zumindest nicht für alle.

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Erstellt:
8. Februar 2020, 16:00 Uhr

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