Begeistertes Publikum bei der Prunksitzung des BKC

Ein ausverkauftes Backnanger Bürgerhaus ist für den Backnanger Karnevals-Club bei seinen Prunksitzungen normal. Doch in diesem Jahr kam das Publikum aus dem Jubeln gar nicht heraus. Lautstark wurden immer wieder Zugaben gefordert.

Anlässlich des 66-jährigen Bestehens des BKC war viel Faschingsprominenz bei der Prunksitzung dabei. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Anlässlich des 66-jährigen Bestehens des BKC war viel Faschingsprominenz bei der Prunksitzung dabei. Fotos: Alexander Becher

Von Klaus J. Loderer

Backnang. Zahlreiche Delegationen waren zur Prunksitzung des Backnanger Karnevals-Clubs (BKC) nach Backnang gekommen. Eine ganze Reihe von Tollitäten gab sich die Ehre: Eindrucksvoll war die Liste der Prinzessinnen, darunter Melanie I. aus Stuttgart, Kim I. aus Bad Cannstatt, Deborah I. aus Ditzingen und Seline I. aus Annweiler. Die Delegation aus der Pfalz war sicherlich die Gruppe mit der weitesten Anreise.

Aus Ditzingen war auch Prinz Robin I. von den goldenen Platten mit dabei. Der heizte dem Saal mit seinem Auftritt so richtig ein. Bekannt ist Robin Leutner als DJ Robin, seit er mit dem Lied „Layla“ für Aufregung sorgte. In Backnang musste er dieses Lied noch nicht einmal selbst singen, das Publikum schmetterte es lautstark. Man merkte der Stimme des Schlagersängers an, dass er einige Auftritte hinter sich hatte. Aber er ließ es sich nicht nehmen, den stürmischen Applaus mit einer Zugabe zu belohnen.

Der Großaufmarsch der Faschingsprominenz hing natürlich mit dem Jubiläum zusammen. Im Karneval sind die Ziffernverdoppelungen die interessanten Zahlen und so war das 66-jährige Bestehen des BKC der närrisch-passende Anlass zum Feiern. Das honorierten Waltraud und Dieter Kölbl aus Altusried mit einem eigens für das Jubiläum geschriebenen BKC-Lied. Nicht unerwähnt blieb darin, dass es auch ein 33-Jahr-Jubiläum zu feiern gab – seit so vielen Jahren ist Gabi Kallfaß BKC-Präsidentin.

Redner äußern Kritik an Lokal- und Bundespolitik

Seine Büttenredner zwingt der BKC nicht in die Bütt. Die Backnanger Prunksitzung konnte wieder mit einigen Talenten aufwarten. Birgit Pfeiffer ist als Toilettenfrau Elsbeth Gscheidle inzwischen eine Berühmtheit. Wie immer zog sie heftig vom Leder. Da bekam auch Frank Nopper sein Fett ab. Denn die Krawatte, die sich der Stuttgarter Oberbürgermeister am „schmutzigen“ Donnerstag zerschneiden ließ, war eine mit dem Motiv des Backnanger Straßenfests. Das bemerkte die resolute Klofrau mit Entsetzen. Auch an der Bundesregierung ließ sie kein gutes Haar. „Das Geld ist weg“, fasste sie die Bundespolitik zusammen. „Die verteilen Geld, das sie nicht haben.“

Da war sich Nachtwächter Horst Klöpfer mit ihr einig: „Die Ampel hat uns gelotst in die Sackgasse und einen Kostenkreisverkehr.“ Zur Kosteneinsparung schlug er eine Reduzierung des Bundestags vor: „Wer würde schon das Fehlen des halben Bundestags bemerken?“ Was die Zukunft des Landes Baden-Württemberg angeht, erteilte er dem Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir eine scharfe Abfuhr: „Der soll bloß in Berlin bleiben.“ Da lobte sich Klöpfer den Blick in die Region und schaute milde von der Bühne herunter auf den als Pariser Garçon kostümierten Landrat Richard Sigel: „Der hat sich einiges abgekupfert von seiner charmanten Frau.“ Diese war im Stil der 1920er-Jahre gekleidet. Überhaupt waren Kostüme der Charlestonzeit ein gewisser Trend bei der diesjährigen Prunksitzung.

Showeinlagen der verschiedenen Tanzgarden lockern das Programm auf.

© Alexander Becher

Showeinlagen der verschiedenen Tanzgarden lockern das Programm auf.

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Auch Carina Häußermann war wieder zu erleben. Sie trat als Nachwuchstalent kürzlich bei der schwäbischen Fasnet in Donzdorf auf und hatte damit einen Fernsehauftritt. Für dieses Jahr sinnierte sie als Generation Z über ihre Karriere. Witzig sponn sie sich zusammen, wie sie ganz nach oben kommen könnte. Landrat war ihr jedenfalls viel zu sehr Kreisliga. Bei Berlin war sie sich nicht so sicher: „Kommt man da mit Schulabschluss überhaupt hin?“

Als vier Heilige Drei Könige lieferten Birgit Pfeiffer, Markus Neuweiler, Carina Häußermann und Horst Klöpfer einen kuriosen Sketch, in dem geballte Pointen in alle Richtungen gingen – auch an den Elferrat auf dem Podium, einen „Frauenverein mit Alibimännern“.

Musik und Showeinlagen ergänzen die Reden

Dazu gab es viel Musik und Show. Standing Ovations erhielten Celine Müller und Fabian Stollsteimer, das deutsche Meisterpaar der Filderer im Paartanz, die mit eleganter Leichtigkeit über die Bühne wirbelten. Von den Filderern kam am Samstag die weibliche Garde nach Backnang. Die Delegation der Stuttgarter Faschingsgesellschaft Möbelwagen brachte Nadine Maikler mit, die von 1000 Träumen und griechischem Uso sang. Heike Wanner stimmte ihren Hit „Wir lieben Fasnet“ an und animierte die Gäste zu einer Polonaise.

Für den BKC war die Prunksitzung auch die Gelegenheit, die zahlreichen eigenen Gruppen vorzustellen. Nur die Kleinsten, die Tanzmäusle, hatten ihren Auftritt erst am Sonntagnachmittag beim Seniorenfasching. Die Minigarde durfte die Prunksitzung eröffnen und zeigte noch den Tanz „Feierabend bei den Bauarbeitern“. Sara Bay und Gabi Kallfaß moderierten wie immer charmant. Sie konnten von mehreren guten Platzierungen der Backnanger Gruppen bei Wettbewerben berichten. So wurde das Geschwisterpaar Leni und Finn Grünig württembergischer Vizemeister. Als Tanzmariechen erfreuten Leni Grünig und Estiane Urbansky. Blaue Garde und Rote Garde stellten sich mit Klassikpotpourris vor. Auch die mit ihren Masken urigen Träppler-Buaba waren zu erleben. Nach der Pause hatte die Musikformation Lohkästrampler ihren großen Auftritt. Rocklegenden stellte das Männerballett vor. Dann gab es noch zwei Ausflüge in die weite Welt: Die Blaue Garde entführte mit einem Tanz auf eine Südseeinsel und die Dance Generation hatte eine neue Bollywoodtanzformation einstudiert.

Den krönenden Abschluss lieferte der schwäbische Comedian Markus Zipperle, bei dem das Publikum aus dem Lachen nicht mehr herauskam. Die schon im Vorjahr gehörte Geschichte vom Polizisten und Betrunkenen ließ sich das Publikum schon wegen Zipperles köstlicher Mimik gerne noch einmal erzählen. Trotz angeschlagener Stimme sang er nach lautstarken Zugaberufen nicht nur sein Maultaschenlied, sondern trug zur Begeisterung des Publikums sogar noch den Bananenblues vor, schließlich leiht er Äffle und Pferdle seine Stimme. Damit war der Saal endgültig nicht mehr auf den Stühlen zu halten.

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Erstellt:
12. Februar 2024, 06:00 Uhr

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