Begleiter auf dem letzten Weg

Im Rems-Murr-Kreis haben sich 17 Männer und Frauen zu Hospizbegleitern ausbilden lassen. Als Motivation hierfür nennen sie neben Nächstenliebe und Zuwendung auch den Wunsch, sich bewusst Zeit für jemanden zu nehmen.

Die neuen Hospizbegleiter: Adelheid Frank, Silvia Negele, Sabine Janzki, Elsbeth Sigle, Katja Krieger, Renate März, Margret Reinacher-Bellomo, Brigitte Helders, Wolfgang Kirsch, Andrea Brosi, Bernhard Weber, Erika Elbert, Dorthe Clauss, Irne Zanzow-Barreis. Foto: Fischer

Die neuen Hospizbegleiter: Adelheid Frank, Silvia Negele, Sabine Janzki, Elsbeth Sigle, Katja Krieger, Renate März, Margret Reinacher-Bellomo, Brigitte Helders, Wolfgang Kirsch, Andrea Brosi, Bernhard Weber, Erika Elbert, Dorthe Clauss, Irne Zanzow-Barreis. Foto: Fischer

Von Heidrun Gehrke

WINNENDEN/BACKNANG. „Es ist Ihr Wunsch, schwer kranke und sterbende Menschen zu begleiten und in der letzten Lebenszeit für sie da zu sein. Danke, dass Sie sich mit ganzem Herzen auf diese Menschen einlassen und ihnen zur Seite stehen wollen.“ Susanne Stolp-Schmidt, Hospizreferentin der Hospizstiftung Rems-Murr, richtet diesen Satz an 15 Frauen und zwei Männer, die in den Hospizdienst eingetreten sind. Für die neuen ehrenamtlichen Mitarbeiter endet nach mehr als 70 Kursstunden, zwei Wochenendseminaren und einer Woche Hospitanz die Vorbereitungszeit, die keine „triste und traurige Angelegenheit“ war, wie Stolp-Schmidt sagt. „Die Kursabende waren oft erfüllt mit herzhaftem Lachen. Ganz gemäß dem Hospizmotto, dass Leben und Sterben zusammengehören.“ Dekan Timmo Hertneck war es eine Freude, die neuen Hospizbegleiter „an der Schwelle von der Ausbildung zur ehrenamtlichen Mitarbeit“ zu begrüßen, sagt er. Freude und Dank prägen auch den ökumenischen Aussendungsgottesdienst, bei dem mit Maske gesungen werden darf und an dem aufgrund der Personenbeschränkung im Kirchenraum nur der allerengste Familienkreis teilnimmt.

Die nun eingesetzten Hospizmitarbeiter sind mit Jesus auf dem Weg – das drückt die Predigt zu Lukas 24, gehalten von Diakon Eugen Haag, aus. Er leitet die Gedanken zum Herzen als „dem zentralen Lebensorgan für uns Menschen“. Der Herzschlag mit seinem Rhythmus ist bis zum Lebensende dabei. An der „Schwelle von Leben und Sterben“ engagieren sich die Hospizmitarbeiter für Menschen, deren Herz bald aufhören wird, zu schlagen. Das Herz sei nicht nur „Zeichen des biologischen Lebens“, sondern des „wahren lebenswerten Lebens“. Andere Themen, „Herzensthemen“, eine weitere Tiefe des Lebens, rücken laut Diakon Haag in der letzten Lebenszeit in den Vordergrund. Vielleicht laste dem Sterbenden noch etwas Ungelöstes auf dem Herzen– oder auch dem der Angehörigen. Bei Hilflosigkeit, Angst und Einsamkeit tue es gut, wenn einem jemand zur Seite steht, einfach nur da ist, um liebevoll zu unterstützen und zu trösten, so Diakon Haag. „Die Berührung, die Nähe ist es, was wir uns am Ende des biologischen Lebens wünschen.“

Was treibt ehrenamtliche Hospizbegleiter an, sich selbst auf den Weg zu machen, um Menschen am Ende ihres Lebenswegs zu begleiten? Der Kurs hat sich für die Einsetzung das Symbol des Herzens ausgesucht. Treffender könne man die Hospizarbeit nicht darstellen, sagt Susanne Stolp-Schmidt. Das Herz bedeute neben der Liebe auch Wärme, Kraft, Zuwendung und Güte. „Der Volksmund spricht nicht umsonst von Herzensgüte.“ Formulierungen rund ums Herz wie auch „Emoticons“ und „Smileys“ im digitalen Redefluss hätten immer etwas mit dem Verhalten anderen gegenüber zu tun: jemanden in sein Herz schließen, von Herzen danken, Entscheidungen mit dem Herzen treffen.

Was für die frisch eingesetzten Hospizmitarbeiter das Herz ihrer Tätigkeit ist, sagen sie selbst. Ein Herz wird herumgereicht und jeder bringt mit inneren Bildern und Gefühlen zum Ausdruck, was der Hospizdienst bedeutet: Er ist demnach „Mitgefühl“, „eine Zeit gemeinsam in eine Richtung gehen“, „für Angehörige da sein“, „meine Sinne weit öffnen, um die Nöte tief in mein Herz einzulassen“, „mir bewusst Zeit nehmen“, „Menschen beistehen“, „tragen und getragen werden“, „Hilfe und Verständnis anbieten“, „menschliche Zuwendung“, „Nächstenliebe lernen und leben“, „das Dunkle aushalten“, „wahrhaftig gelebte Menschlichkeit“ und „liebevolle Begleitung von der physischen in die spirituelle Welt“. Diakon Eugen Haag beschließt seine Predigt mit den Worten: „Auf Sie kommen Erfahrungen zu, die sich tief in Ihr Herz eingraben und Ihr Leben bereichern werden.“

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Erstellt:
26. September 2020, 11:30 Uhr

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