Benzin im Blut

Der Backnanger Thomas Lex hat nicht nur im Backnanger Industriegebiet Lerchenäcker eine Tankstelle gebaut, sondern betreibt seit fünf Jahren auch eine Filiale im 560 Kilometer entfernten Bramsche. Seitdem hat er seinen Lebensmittelpunkt nach Niedersachsen verlagert.

2,6 Millionen Euro hat Thomas Lex in die Tankstelle bei Hesepe investiert. Der Betrieb wurde schon zweimal als Tankstelle des Jahres ausgezeichnet. Fotos: Terramagika Media Services

2,6 Millionen Euro hat Thomas Lex in die Tankstelle bei Hesepe investiert. Der Betrieb wurde schon zweimal als Tankstelle des Jahres ausgezeichnet. Fotos: Terramagika Media Services

Von Simone Schneider-Seebeck

Backnang/Bramsche. Viel Geld in die Hand zu nehmen, auf volles Risiko zu gehen und auf der grünen Wiese ein eigenes Konzept auf die Beine zu stellen, das liegt nicht jedem. Thomas Lex hat es vor über 14 Jahren gewagt und im Industriegebiet Lerchenäcker eine freie Tankstelle gegründet. Und als wäre dies nicht genug, hat er vor einigen Jahren auch noch eine „Zweigstelle“ in Bramsche eröffnet, immerhin 560 Kilometer von Backnang entfernt.

Der 43-Jährige stammt aus einer Tankstellenfamilie. „Das war schon immer mein Ding“, sagt er. Nach einer Lehre als Bankkaufmann wurde ihm von der Mineralölgesellschaft Total eine Stelle als Stationsleiter einer großen Tankstelle in Mannheim angeboten. Ein Traumjob für den jungen Backnanger. „Ich bin da angekommen, wo ich hinwollte“, erinnert er sich.

Nach einigen Lehrjahren folgte die Rückkehr an die heimatliche Tankstelle

Doch irgendwann hatte er sieben Stationen zu betreuen – zwischen Saarlouis und Glottertal. 18-Stunden-Tage und das mehr oder weniger sieben Tage die Woche, so hatte sich Thomas Lex das nicht vorgestellt und kehrte zurück an die heimatliche Tankstelle in der Sulzbacher Straße in Backnang.

„Und dann ging das Projekt Lerchenäcker los.“ Eine bestehende Tankstelle zu übernehmen ist selbstverständlich etwas ganz anderes, als eine neue Station zu bauen. Finanzierung und konzeptionelle Ausrichtung mussten bedacht werden. Mit einem Facharchitekten wurde geplant. „Wenn man als Privatmann auftritt und sagt: Ich möchte eine Tankstelle bauen, dann guckt dich so ein Architekt erst einmal an und sagt: Jaja, alles gut...“, lacht der Backnanger. Am 20. Dezember 2007 wurde die freie Tankstelle Lex in den Lerchenäckern eröffnet: „Das war mein persönliches Weihnachtsgeschenk.“

Und sie kam sehr gut an. Lex lobt auch die gute Unterstützung der Stadt. Bald stand jedoch fest, dass man gern einen zweiten Standort eröffnen würde. Die Frage war nur – wo? Rund um Backnang fand sich keine geeignete Stelle, entweder war das Bauland zu teuer, der Bebauungsplan spielte nicht mit oder sonstige Hindernisse stellten sich in den Weg. Der Plan der Erweiterung wurde zunächst auf Eis gelegt.

Doch wie kommt man als Backnanger schließlich an eine Zweigstelle in Niedersachsen? Seit fast 20 Jahren sind Lex und seine Lebensgefährtin ein eingespieltes Team. Sie stammt aus der Nähe von Osnabrück. Einmal im Monat haben sich die beiden einen Besuch bei ihrer Familie gegönnt. Als unermüdlicher Schaffer fällt es dem 43-Jährigen schwer abzuschalten, wenn er die Arbeit in der Nähe weiß. Eines Tages stach den beiden bei der Rückfahrt nach Backnang an der B68 ein interessanter möglicher Standort für eine Tankstelle ins Auge. Sofort nahm Lex Kontakt mit dem Wirtschaftsförderer der Stadt auf. Doch zunächst gab es eine Absage, das Grundstück war für einen örtlichen Unternehmer reserviert.

Fünf Wochen später jedoch änderte sich Thomas Lex’ Leben. Der Unternehmer war abgesprungen, das Grundstück stand zur Verfügung. Schnell war man sich einig. Doch Bramsche-Hesepe liegt etwa 560 Kilometer von Backnang entfernt. Wie sollte man zwei Standorte in dieser Entfernung unter einen Hut bekommen?

„Mir hat es im Norden immer gefallen“, sagt Thomas Lex. „Hier in Niedersachsen hat man alles: Berge und Meer.“ Er und seine Lebensgefährtin hätten sich „tief in die Augen geblickt“ und die Entscheidung war gefallen: auf nach Bramsche. Für die Leitung der Backnanger Tankstelle fand sich eine engagierte Mitarbeiterin, die sofort begeistert war. Ende 2014 ging es los mit den Planungen, am 28. November 2016 konnte eröffnet werden.

2,6 Millionen Euro hat Thomas Lex investiert und keinen Cent bereut. Dabei hat der Wahlniedersachse sehr vorausschauend geplant. Es geht nicht nur um den Kraftstoff, der von Aral geliefert wird, seit 2014 besteht eine entsprechende Kooperation. Frisch zubereitete Fast-Food- und Convenience-Angebote sind ein großes Thema. Schon von Beginn an wurde eine E-Ladesäule aufgestellt, AdBlue steht ebenfalls seit der Eröffnung für Pkw und nicht nur Lkw zur Verfügung.

Lex macht zwar einen großen Teil des Umsatzes mit Shop und Fast-Food-Angeboten, doch: „Wir verkaufen, weil die Leute zu uns zum Tanken kommen.“ Die Zukunft liegt seiner Ansicht nach aber im Convenience Shopping mit frischen Produkten. Regionalität und Nachhaltigkeit sind ihm sehr wichtig. So gibt es Kaffee im Mehrwegsystem, bald möchte er das auch für seine Mitnahmespeisen anbieten. Seine Konzeption scheint aufzugehen, denn bereits zweimal wurde der Standort Hesepe von der Fachzeitschrift „Tankstelle“ als Tankstelle des Jahres ausgezeichnet: 2019 für den Shop, 2021 im Bereich Innovationen.

Etwa alle drei Wochen macht er einen Abstecher in die alte Heimat. Hat er den Umzug je bereut? Er lacht: „Das war die richtige Entscheidung.“ Die Zukunft sieht Thomas Lex optimistisch, die Umgebung ist sehr ländlich, man ist auf das Auto angewiesen. Allerdings ist ihm aufgefallen, dass die Kunden aktuell seltener volltanken. Innovationen gegenüber ist er aufgeschlossen, da bleibt er am Ball. Und ihm gefällt die Arbeit im Shop: „Ich sehe meine Profession noch vorne am Laden.“ Sein Fazit: „Ich bin schon ein bisschen stolz darauf.“

Die Arbeit im Shop gefällt Thomas Lex. Den Umzug nach Norddeutschland hat er nie bereut.

Die Arbeit im Shop gefällt Thomas Lex. Den Umzug nach Norddeutschland hat er nie bereut.

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Erstellt:
19. November 2021, 06:00 Uhr

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