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Biolandwirtschaft im Aufwind

Rems-Murr-Kreis liegt hier leicht über dem Landesdurchschnitt – Ökomonitoring ermöglicht besondere Qualitätskontrolle

Der Anteil der Biobetriebe im Rems-Murr-Kreis liegt bei zehn Prozent und damit „leicht über dem Landesdurchschnitt“, wie Michael Stuber, Leiter des Landwirtschaftsamts Backnang, sagt. Verbraucher können darauf vertrauen, gut erzeugte Lebensmittel zu bekommen. Denn wo Bio draufsteht, ist laut jüngstem Ökomonitoring auch Bio drin.

„Für uns ist es das Wichtigste, vertrauenswürdige und ökologisch gut erzeugte Lebensmittel zu verkaufen“, sagt Helmut Voltz. Foto: G. Schneider

© Gaby Schneider

„Für uns ist es das Wichtigste, vertrauenswürdige und ökologisch gut erzeugte Lebensmittel zu verkaufen“, sagt Helmut Voltz. Foto: G. Schneider

Von Heidrun Gehrke

BACKNANG. Gesund, nachhaltig, klimaschonend – zwei Drittel der Verbraucher entscheiden sich laut Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz regelmäßig für Produkte aus ökologischem Anbau. Gute Stimmung aus Verbrauchersicht verbreitet der Ökomonitoring-Bericht 2018: „Biolebensmittel haben zu Recht einen guten Ruf“, hielt Landesagrarminister Peter Hauk bei der Vorstellung des Ökomonitoring-Berichts 2018 fest.

Bei dem Untersuchungsprogramm des Landes untersuchen die chemischen und Veterinäruntersuchungsämter stichpunktartig mit wechselnden Schwerpunkten die Schadstofffreiheit von Lebensmitteln aus ökologischem Landbau. Dabei habe sich gezeigt: Die untersuchten Bioprodukte entsprechen den Vorschriften zum Verbraucherschutz, Rückstände seien im Biosegment selten. Zeigten sich Mängel, reagiere die Branche schnell und stelle sie ab.

Helmut Voltz aus Burgstetten ist seit 1996 einer von rund 25 Bioland-Landwirten im Kreis, zudem Mitglied im Landesvorstand des Bioland-Anbauverbands. Für Voltz ist das gute Abschneiden beim Ökomonitoring des Landes Bestätigung und Motivation. „Die lückenlose Kontrolle im Biosektor funktioniert“, meint er.

„Seit Beginn des Ökomonitorings im Jahr 2001 verfolgen wir als Bioland-Verband interessiert die Ergebnisse und es zeigt sich, dass heimisch produzierte Biolebensmittel so gut wie keine Rückstände aufweisen.“ Anbauverfahren und Kontrollvorschriften für Biobetriebe seien durch die EU-Öko-Verordnung und durch zusätzliche Auflagen des Bioland-Verbands festgelegt: Wer in Bio-qualität produziert, verpflichtet sich zu einem Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel. Um langfristig am Markt mit Ökoprodukten bestehen zu können, sei Glaubwürdigkeit das größte Pfund. „Für uns ist es das Wichtigste, vertrauenswürdige und ökologisch gut erzeugte Lebensmittel zu verkaufen“, so Voltz.

Eine gute „Kontrolle“ ist die Direktvermarktung

„Der Verbraucher verbindet mit Bio, dass die Kuh auf der Weide steht. Und dies gilt es, nicht nur auf dem Papier zu erfüllen, sondern konkret vor Ort im eigenen Betrieb.“ Eine gute Kontrolle, parallel zum Ökomonitoring, sei die Direktvermarktung mit vielseitigen Kontakten zum Endverbraucher. „Viele Biolandwirte betreiben einen Hofladen. Dort kann man einkaufen und gerne auch einmal auf die Weide, den Acker oder in den Stall schauen“, so Voltz.

Über mangelnde Nachfrage brauchen sich Biobetriebe offenbar keinen Kopf zu machen. Der Bedarf nach heimischen Bioprodukten ist da, der Ökolandbau wächst: Laut Peter Hauk nahm die ökologisch bewirtschaftete Fläche im Jahr 2018 in Baden-Württemberg im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zu. 14 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Land werden demnach ökologisch bewirtschaftet, rund 12000 Betriebe produzieren in Bioqualität. Der Aufwärtstrend ist auch im Rems-Murr-Kreis sichtbar.

Nach Auskunft von Michael Stuber, dem Leiter des Landwirtschaftsamts, ist die Zahl der Betriebe zwischen 2016 und 2018 von acht auf zehn Prozent gestiegen. Den Anstieg in der Fläche schätzt er in gleicher Höhe wie in Baden-Württemberg ein. Rund 100 Landwirtschaftsbetriebe im Rems-Murr-Kreis produzieren derzeit entweder nach der EG-Öko-Verordnung, tragen das Biozeichen Baden-Württemberg oder produzieren gemäß der strengeren Kriterien der Anbauverbände Demeter und Bioland. Mit eingerechnet seien jene Betriebe, die aktuell ihren Betrieb von konventionell auf bio umstellen.

Laut Stuber werden es mehr Betriebe, die sich mit dem Gedanken einer Umstellung tragen. „Sie müssen ein Tal durchqueren, in dem sie schon ökologisch produzieren, aber noch konventionell vermarkten, sprich einen geringeren Preis für ihre Erzeugnisse verlangen können.“ Das Volksbegehren „Pro Biene“ für Artenschutz in Baden-Württemberg fordert eine Steigerung des Ökolandbaus auf 50 Prozent bis ins Jahr 2035.

Ob die Forderung umsetzbar ist, hänge vom Verbraucher ab. „Viele sagen, sie wollen Biolebensmittel, an der Kasse entscheiden sie sich allerdings anders, weil doch der Preis zählt“, sagt Michael Stuber. Steigt die Menge der ökologisch erzeugten Lebensmittel, ohne dass der Verbraucher sie kauft, werde es schwierig. „Molkereien könnten zum Beispiel keine neuen Biolieferanten mehr aufnehmen, wenn sie ihre Ware nicht absetzen“, so Stuber. Fraglich auch, inwieweit Bioprodukte im Fall eines Überhangs noch zu einem für die Erzeuger wirtschaftlichen Preis absetzbar wären. Stuber ist überzeugt: „Der Anteil wird weiter steigen, aber ob die 50 Prozent erreicht werden, ist momentan fraglich.“

Info
Landkreiskantinen

Der Landkreis setzt sich für eine Erhöhung des Anteils an biologischen und regionalen Lebensmitteln in Landkreiskantinen ein, sagt Michael Stuber, Leiter des Landwirtschaftsamts. Hierzu würden kreiseigene Kantinen bei der Bereitstellung von Essen mit biologischen und regionalen Produkten unterstützt. Es werden runde Tische mit den Kantinenverantwortlichen durchgeführt, Umsetzungskonzeptionen und Umsetzungszeitpläne erarbeitet, die Kantinen bei der Biozertifizierung begleitet und landwirtschaftliche Betriebe als Lieferanten von biologisch regionalen Lebensmitteln vermittelt.

Ziel der Bemühungen ist es, bis Ende 2020 mit allen kreiseigenen Kantinen ein Konzept zur Bereitstellung von Essen aus biologischen und regionalen Produkten zu entwickeln, die von Landwirten aus dem Rems-Murr-Kreis erzeugt werden.

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Erstellt:
22. August 2019, 11:30 Uhr

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