Kommt jetzt das Donnerwetter?

Blitze statt Hitze: Deutschland kühlt runter

Die Gluthitze weicht, die Abkühlung wird aber von Gewittern begleitet. Welche Regionen besonders betroffen sind und wie sich das Wetter weiter entwickelt.

Ein Blitz geht am 28. Juni über dem Rheintal nieder während im Vordergrund der Kaiserstuhl zu sehen ist. Nach einer Woche mit Rekordhitze entladen sich zahlreiche Gewitter über dem Süden Baden-Württembergs und dem Dreiländereck.

© Philipp von Ditfurth/dpa

Ein Blitz geht am 28. Juni über dem Rheintal nieder während im Vordergrund der Kaiserstuhl zu sehen ist. Nach einer Woche mit Rekordhitze entladen sich zahlreiche Gewitter über dem Süden Baden-Württembergs und dem Dreiländereck.

Von Markus Brauer/dpa

Nach einem glühend heißen Wochenende und einem vorläufigen Temperaturrekord in Deutschland von 41,7 Grad im Osten Brandenburgs ist Abkühlung in Sicht – allerdings begleitet von teils schweren Gewittern mit Starkregen und Sturmböen. Die Übersicht:

Montag, 29. Juni

Vom Westen und Südwesten verlagern sich Gewitter oder schauerartig verstärkter und teils gewittriger Regen allmählich nordostwärts. Auch im Osten ziehen gebietsweise nordostwärts Gewitter auf. Dabei fällt gebietsweise Starkregen.Im Süden sind meist nur vereinzelt kräftige Schauer und Gewitter zu erwarten.

In der Nacht zum Dienstag ziehen im Osten die Gewitter ab. Im Süden treten anfangs noch lokal kräftige Gewitter auf. Im Laufe der Nacht lässt die Unwettergefahr aber nach und das Wetter beruhigt sich allmählich. Die Höchstwerte liegen bei 25 bis 29 Grad, lokal im Osten und Südosten bis 32 Grad.

Dienstag 30. Juni

Es ist wechselnd bewölkt. Im Tagesverlauf kommen vom Süden bis in die mittleren Landesteile Entwicklung teils starker Gewitter mit lokal erhöhtem Unwetterpotential durch Starkregen und Hagel auf.

In der Nordhälfte gibt es nur noch nur vereinzelt Schauer. Im äußersten Norden herrschen Temperaturen von 21 bis 25 Grad, sonst 25 bis 30 Grad, im Südwesten lokal bis 32 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch herrscht abgesehen vom äußersten Westen und Nordwesten gebietsweise teils starke Gewitter mit erhöhter Unwettergefahr. Es kühlt auf 19 bis 11 Grad ab.

Mittwoch, 1. Juli

Im Osten und Südosten ist es stark bewölkt bis bedeckt und es fällt schauerartiger, teils gewittriger Regen, sonst bei wechselnder Bewölkung örtlich Schauer oder kurze Gewitter. Im Westen ist es überwiegend trocken. Maximal 21 bis 28 Grad, am wärmsten ist es am Oberrhein.

In der Nacht zum Donnerstag klingt der Regen an den Alpen ab. Sonst ist es meist trocken und oftmals gering bewölkt. Tiefstwerte 17 bis 10 Grad.

Donnerstag, 2. Juli

Es wolkig bis stark bewölkt mit einzelnen Schauern oder etwas Regen, sonst locker bewölkt und trocken. Die Höchstwerte betragen zwischen 20 und 29 Grad.In der Nacht zum Freitag ist es wolkig bis stark bewölkt und gebietsweise etwas Regen oder einzelne Schauer. Tiefstwerte zwischen 16 und 11 Grad.

Immer neue Temperaturrekorde

Der vorläufige Temperaturrekord von 41,7 Grad wurde am Sonntagnachmittag (28. Juni) in Neißemünde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree direkt an der Grenze zu Polen gemessen. Es war die dritte Bestmarke im Bundesgebiet binnen weniger Tage.

Erst am Freitag (26. Juni) hatte der Wetterdienst in Saarbrücken-Burbach nach vorläufigen Angaben 41,3 Grad gemessen, und am Samstag (27. Juni) dann an derselben Station 41,4 Grad. Den nächsten vorläufigen Rekord registrierte der DWD ebenfalls am Samstagnachmittag mit 41,5 Grad in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt.

Wärmste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen

Die folgende Nacht war dann nach vorläufigen DWD-Angaben die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Im ostsächsischen Kubschütz sank die Nachttemperatur nicht unter 29,4 Grad: Damit wurde der alte Rekord für die wärmste Nacht – 27,2 Grad am 13. August 2003 am Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz – um mehr als zwei Grad übertroffen.

Der vorherige Hitzerekord für Deutschland hatte sieben Jahre gehalten und bei 41,2 Grad Celsius gelegen, gemessen am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen.

Nach Angaben des DWD ist der Juni 2026 deutlich wärmer gewesen als andere Juni-Monate. Er dürfte „bei der Monatsmitteltemperatur unter den Top 3 der wärmsten seit Messbeginn landen“, heißt es beim DWD. Der Juni sei zudem vergleichsweise niederschlagsarm gewesen. Außerdem habe es vergleichsweise viele Sonnenstunden gegeben.

Extreme vor 50 Jahren „praktisch unmöglich“

Die aktuelle Hitzewelle wäre in diesem Ausmaß ohne den Effekt des Klimawandels nahezu ausgeschlossen. Die Tagestemperaturen und auch die in der Nacht wären zu dieser Jahreszeit vor 50 Jahren in West- und Mitteleuropa „praktisch unmöglich“ gewesen, betonen die Wissenschaftler der Organisation World Weather Attribution.

WHO-Chef: Hitzestress ist „stiller Killer“

Nach Einschätzung des Chefs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die beispiellose Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Europa mitverantwortlich für Hunderte zusätzliche Todesfälle.

„Seit dem 21. Juni wurden in Europa mehr als 1300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen“, schreibt Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Plattform X.

Europe is the fastest-warming continent on Earth, heating at twice the global average. Right now 150 million people are living under extreme heat, hundreds have died, schools are shut, grids are buckling. Driven by climate change and global warming, the phenomenon of the… — Tedros Adhanom Ghebreyesus (@DrTedros) June 28, 2026

„Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde. Die Erwärmung verläuft doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.“Laut Tedros leiden derzeit 150 Millionen Menschen in Europa unter extremer Hitze, Schulen seien geschlossen, die Stromnetze würden zusammenbrechen.

Hitzestress werde oft als „stiller Killer“ bezeichnet. Europäische Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für solche Temperaturen nicht ausgelegt, schreibt Tedros.

Deutschland um 2,5 Grad wärmer

Deutschland hat sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um 2,5 Grad erwärmt. Das ist deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt. Die Erwärmung führt laut DWD unter anderem zu häufigeren Hitzewellen und Dürrephasen, was Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung gefährdet und die Waldbrandgefahr steigen lässt.

In den vergangenen Jahren gab es viele viele Tausend Hitzetote, auch wegen der vergleichsweise alten Bevölkerung. Schäden durch stärkere Unwetter mit heftigen Stürmen, Starkregen und Überschwemmungen kommen hinzu.

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Erstellt:
29. Juni 2026, 12:00 Uhr

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