Boden wird getestet und abgefahren

Auf der Oberen Walke in Backnang haben die Erdarbeiten begonnen. Das Material wird auf Altlasten getestet und auf Deponien entsorgt. Gutachter überwachen die Arbeiten. Der Gemeinderat entscheidet in den nächsten Wochen über den Bebauungsplan für das Mammutprojekt.

Entlang der Gartenstraße wird die oberste Schicht des künftigen Baugebiets Obere Walke auf Altlasten untersucht. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Entlang der Gartenstraße wird die oberste Schicht des künftigen Baugebiets Obere Walke auf Altlasten untersucht. Foto: J. Fiedler

Von Matthias Nothstein

Backnang. Auf der Oberen Walke tut sich was. Nach Jahren des vermeintlichen Stillstands hat die Dibag jetzt mit den vorbereitenden Maßnahmen für die künftige Bebauung des Areals begonnen. Zwar haben die Stadträte den Bebauungsplan bislang noch nicht abgesegnet, aber die Dibag hat unabhängig davon in dieser Woche mit der sogenannten Bodenseparation begonnen. Das bedeutet: Vor Ort wird entschieden, welcher Boden aufgrund von Altlasten entsorgt werden muss und welches Material so unbelastet ist, dass es für die Weiterverwendung innerhalb des Baugebiets taugt. Sinn und Zweck dieser Trennung ist laut Dibag unter anderem, dass mit der Weiterverwendung des Materials der Verbrauch der Ressource Boden reduziert werden kann.

Entlang der Grundstücksgrenze zum Discounter Edeka und entlang der Gartenstraße hat ein Bagger die Erde bereits zur Seite geschoben und zu Hügeln aufgehäuft. Auch die Amphibienschutzzäune wurden in diesem Bereich entfernt. Mit ihnen sollte sichergestellt werden, dass sich keine schützenswerten Tiere auf dem Areal ansiedeln.

Die Frage, welche Altlasten möglicherweise gefunden werden können, kann die Dibag noch nicht beantworten, auch nicht die Frage, in welcher Menge sie gegebenenfalls beseitigt werden müssen oder was dies kostet. So erklärt Sebastian Kuhlen von der Dibag Industriebau AG: „Wir stehen am Beginn der Maßnahmen, die uns zu eben diesen Fragen Aufschluss geben werden.“ Sicher ist nur, dass es sich bei den Belastungen „überwiegend um Rückstände aus der ehemaligen Gerbereinutzung“ handelt.

Renommierte Unternehmen

der Umwelttechnik sind im Einsatz

Vertreter des Landratsamtes Rems-Murr sind vor Ort und begleiten die Arbeiten, die von renommierten Unternehmen der Umwelttechnik erledigt werden. So sind zum Beispiel die Experten der Stuttgarter Niederlassung der Mull und Partner Umwelttechnik GmbH aus Hannover ebenfalls mit im Boot wie auch die Fachgutachter der HPC AG aus Stuttgart oder – für die Erdarbeiten und die Abfuhr des Bodens – die Bauer Resources GmbH aus dem bayerischen Schrobenhausen.

Tobias Großmann, der Leiter des Backnanger Stadtplanungsamtes, legt Wert auf die Tatsache, dass es sich nicht um den Beginn der eigentlichen Bauarbeiten handelt. Vielmehr werde nur auf einem sehr begrenzten Bereich des gesamten Areals gearbeitet, nämlich dort, wo künftig das Pflegeheim entstehen wird. Von dem Gelände werden auch nur die obersten ein bis eineinhalb Meter abgeschoben. Dabei handelt es sich zum Teil sogar um Material, das in den vergangenen Jahren erst aufgefüllt wurde. Tiefer in den Untergrund geht es derzeit noch nicht. Der meiste Boden wird laut Großmann vermutlich weggefahren werden, da nur völlig unbelasteter Boden weiterverwertet werden darf. „Dieses Kriterium erfüllt nur reiner Mutterboden. Sobald Steine oder andere Ablagerungen in dem Boden enthalten sind, kommt das Material auf die Deponie.“

Den erwarteten Satzungsbeschluss am Ende des Monats nennt Großmann einen Meilenstein für das Projekt. Trotzdem ist für die einzelnen Gebäude sowie für die Retentions- und Grünflächen immer noch eine eigene Baugenehmigung beziehungsweise eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich. Im größten Teil des Baugebiets müssen nicht alle Altlasten im Untergrund beseitigt werden, sondern zwischen dem Baugrund und dem Untergrund soll eine Folie für eine Trennung sorgen. Das anfallende Oberflächenwasser wird gefasst und entweder für die Bewässerung der geplanten Grünanlagen genutzt oder in die Murr abgeleitet.

Schwieriger ist es im Bereich der Retentionsfläche, die sich künftig parallel zum Rad- und Fußweg entlang der Murr erstrecken wird. In dieser Auenzone, in der das Wasser versickern soll, muss der Aushub so tief erfolgen, bis der gesamte Untergrund „altlastenfrei“ ist.

Die Dibag möchte mit dem Bau des Pflegeheims das Projekt einläuten, zumal dieses Baufeld auch nicht im Überschwemmungsbereich liegt. Das Baugesuch befindet sich laut Großmann in der „finalen Phase“. Eine Baugenehmigung kann es jedoch erst geben, wenn der Bebauungsplan abgesegnet ist. Die Dibag kann also frühestens im Herbst mit einem Roten Punkt rechnen. Mit den Baugesuchen zu den anderen Gebäuden rechnet Großmann frühestens im Jahr 2022.

Stadträte beschließen diesen Monat den Bebauungsplan

Mammutprojekt Auf dem einstigen Industriegelände Obere Walke sollen unter anderem 450 Wohnungen, ein neues Pflegeheim mit 75 Plätzen und entlang der Gartenstraße gewerblich genutzte Gebäude für Arztpraxen und Dienstleister entstehen.

Bebauungsplan Der Bebauungsplan muss Ende dieses Monats noch vom Ausschuss für Technik und Umwelt sowie danach vom Backnanger Gemeinderat beschlossen werden. Die Auslegung des Planungswerks erfolgte bereits im März dieses Jahres, nun werden die Anregungen, die seither von verschiedenster Seite vorgebracht werden konnten, gegeneinander abgewogen.

Bodenseparation Bis zum Ende der Arbeiten werden etwa 8000 Kubikmeter Boden bewegt. Wie hoch der Anteil des Materials ist, das entsorgt werden muss, ist noch nicht bestimmbar, sondern Ergebnis der Bodenseparation. Die Auswahl geeigneter Annahmestellen erfolgt durch die ausführenden Firmen in Abstimmung mit den Fachgutachtern und den Fachbehörden im Landratsamt.

Kosten Eine belastbare Bezifferung der Kosten ist erst nach Bodenseparation möglich. Die Kosten trägt der Grundstückseigentümer.

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Erstellt:
2. September 2021, 06:00 Uhr

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