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Böllerboykott? Nur ganz vereinzelt

Nahkauf in Großaspach sowie Werkers Welt in Murrhardt verkaufen kein Silvesterfeuerwerk mehr

Immer lauter, immer höher, immer bunter: Die Werbeprospekte der Bau- und Supermärkte überschlagen sich aktuell wieder im Anpreisen von Raketen, Böllern und Co. Doch nicht alle machen mit. Im Großaspacher Nahkauf und in Werkers Welt in Murrhardt gibt es keine Feuerwerkskörper mehr zu kaufen. Die Gründe sind allerdings unterschiedlich.

Des einen Freud, des anderen Leid: Nicht jeder mag Feuerwerk und alle Jahre wieder gibt es Diskussionen darüber, ob die Böllerei eigentlich noch zeitgemäß ist und sein muss oder nicht. Symbolfoto: Adobe Stock/M. Reiter

© Malte Reiter - stock.adobe.com

Des einen Freud, des anderen Leid: Nicht jeder mag Feuerwerk und alle Jahre wieder gibt es Diskussionen darüber, ob die Böllerei eigentlich noch zeitgemäß ist und sein muss oder nicht. Symbolfoto: Adobe Stock/M. Reiter

Von Silke Latzel

ASPACH/MURRHARDT. Alle Jahre wieder spaltet das Thema Silvesterfeuerwerk die Gesellschaft. Böllern – ja oder nein? Was für die einen unbedingt dazugehört, lehnen die anderen aus vielerlei Gründen wie etwa Lärm, Müll und Gestank ab. Familie Layher betreibt den Nahkauf in Großaspach und hat sich entschlossen: Raketen, Böller und Co. gibt es bei ihnen nicht mehr zu kaufen. „Mich hat es schon immer geärgert, dass mit dieser Knallerei so viel Missbrauch betrieben wird, nicht nur zu Silvester. Da werden zum Beispiel Altglascontainer und Briefkästen in die Luft gesprengt. Und die Hunde sind selbst beim Spazierengehen auf den Feldern nicht mehr sicher und haben Angst, wenn dort die Böller gezündet werden.“ Für Bettina Layher ein No-Go. Und tatsächlich auch ein Schlüsselerlebnis, als sie im vergangenen Jahr mitbekommt, wie ein Hund vor lauter Panik dem Besitzer entwischt und davonjagt, weil in der Nähe ein Feuerwerkskörper gezündet wurde. „Wir haben schon im vergangenen Jahr weniger Feuerwerkskörper angeboten als in den Jahren davor“, sagt ihr Mann Markus Layher. Und in diesem Jahr trafen die beiden dann den Entschluss, dass es im Nahkauf gar kein Feuerwerk mehr gibt.

„Wir stehen zu unserer Meinung und unserer Entscheidung“

Die Kunden, die in den Laden kommen, reagieren positiv, sie werden über ein Schild informiert. „Manche haben sich sogar bei uns dafür bedankt“, so Markus Layher. Seine Ankündigung in einer Facebook-Gruppe sorgte allerdings für einigen Wirbel, es wurde teilweise heftig diskutiert, die Kommentare gingen sogar unter die Gürtellinie, es gab Boykottaufrufe. Doch die Layhers lassen sich davon nicht beeindrucken. „Zehn Leute haben zehn verschiedene Meinungen. Und wir stehen zu unserer Meinung und unserer Entscheidung.“ Auch seine Mitarbeiter finden, es sei „eine super Sache. Die, die schlecht über uns in den sozialen Netzwerken geschrieben haben, kennen wir gar nicht, sie kaufen nicht bei uns ein und sind teilweise noch nicht einmal hier aus der Gegend.“

Auch wenn die Layhers durch ihren Boykott von Feuerwerkskörpern Umsatzeinbußen haben – „die nehmen wir aber in Kauf“ –, soll die Aktion nicht einmalig bleiben, sondern „immer so sein“, so Markus Layher. Und seine Frau ergänzt: „Wir haben eine Spendenbox für das Tierheim aufgestellt und weisen unsere Kunden darauf hin, dass sie stattdessen doch lieber etwas für die Tiere spenden können.“

Mit ihrer Entscheidung, keine Feuerwerkskörper mehr zu verkaufen, stehen die Layhers fast alleine da. Aldi, Lidl, Netto und Co. werben bundesweit mit mehrseitigen Prospekten. Auch bei der direkten Konkurrenz, dem „E aktiv markt Hoffmann&Sieber“ im Großaspacher Gewerbegebiet, gibt es noch Feuerwerk. „Ich persönlich und privat mag das eigentlich gar nicht, ich habe immer Angst, verletzt zu werden. Kleine Feuerwerke hier auf dem Land sind in Ordnung, aber in großen Städten sollte private Böllerei eigentlich ganz verboten werden“, sagt Marktleiterin Olga Koscheika. „Aber als Geschäftsfrau richte ich mich nach dem, was die Kunden wollen. Und die möchten eben Feuerwerk kaufen.“ Deshalb sei es für sie noch nie ein Thema gewesen: „Wir haben nie überlegt, ob wir keine Feuerwerkskörper mehr verkaufen sollen.“

Auch die großen Baumarktketten wie Toom und BayWa lassen es krachen und bieten neben einzelnen Raketen und Chinaböllern auch große Feuerwerksbatterien an. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Werkers Welt in Murrhardt. „Wir bieten schon ein paar Jahre kein Feuerwerk mehr an“, erzählt Mitarbeiter Wolfgang Klein. Das läge allerdings vor allem an der Wettbewerbssituation, man könne mit den Discountern nicht mithalten. „Und dann ist da noch die Lagerung. Was viele nicht wissen, ist ja, dass Feuerwerkskörper speziell gelagert und gesichert werden müssen. Das ist gar nicht so einfach. Und die Restbestände, die man nicht verkauft, muss man dann wieder an den Lieferanten zurückschicken. Das war uns zu kompliziert.“

Stehen zu ihrer Entscheidung, kein Feuerwerk mehr zu verkaufen: Bettina und Markus Layher vom Nahkauf in Großaspach. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Stehen zu ihrer Entscheidung, kein Feuerwerk mehr zu verkaufen: Bettina und Markus Layher vom Nahkauf in Großaspach. Foto: A. Becher

Info
Vogelgezwitscher statt Raketen: Nabu zeigt Alternativen zum Silvesterfeuerwerk

Das neue Jahr wird traditionell mit lautem Silvesterfeuerwerk begrüßt. Dabei wird oft vergessen, was das für die Natur bedeutet: Die lauten Geräusche verschrecken Tiere und die Reste von Raketen, Böllern und Knallfröschen bleiben häufig auf Straßen und Grünflächen liegen. Auch manche Haustiere leiden unter dem Lärm. Vor allem in den Städten setzt das Böllern und Raketenabschießen an Silvester außerdem viel Feinstaub frei, der die Gesundheit gefährdet. Der Naturschutzbund (Nabu) rät daher dazu, der Natur zuliebe auf das große Silvesterfeuerwerk zu verzichten.

Vögel werden von lautem Feuerwerk aufgeschreckt: Gefiederte Höhlenbewohner wie die Meise erwachen und geraten in Stress, Wasservögel fliegen teilweise auf. Anschließend brauchen sie lange, bis sie wieder zur Ruhe kommen. „Das nächtliche Umherfliegen kostet Vögel unnötig Energie, auf die sie gerade in langen, kalten Winternächten angewiesen sind“, erläutert Nabu-Ornithologe Stefan Bosch. Das gleiche Problem haben Wildtiere im Wald, von denen gerade im Winter viele ihren Stoffwechsel auf ein Minimum reduzieren. Sie schrecken durch Silvesterfeuerwerk in der Nähe auf und werden in Stress versetzt, wodurch sie wertvolle Energiereserven verbrauchen. Daher sollte Feuerwerk nie in der Nähe von Wäldern gezündet werden. Auch in öffentlichen Grünanlagen sammeln sich viele Vögel und andere Tiere zur Nachtruhe, genauso wie in Gärten oder auf Bäumen und im Gebüsch.

Den Tieren und der Natur zuliebe ist ein bewusster Umgang mit dem Silvesterfeuerwerk ratsam. Raketen oder Knallfrösche sollten möglichst nur kurze Zeit gezündet werden und nicht in der Nähe von Feld, Wald und Flur, öffentlichen Grünanlagen sowie Fluss- und Seeufern. Noch besser ist es, ganz auf geräuschvolles Feuerwerk zu verzichten.

Statt mit lautem Böllern können die ersten Morgenstunden in 2020 mit Vogelgezwitscher an Futterplätzen beginnen. Im Winter sammeln sich dort Rotkehlchen, Kohlmeisen, Blaumeisen und Grünfinken und zaubern ein zwitscherndes Farbfeuerwerk. „In speziellen Futtersilos, die es zum Aufhängen gibt, bleibt das Futter vor Feuchtigkeit und Keimen geschützt“, so Bosch. Als Basisfutter eignen sich Sonnenblumenkerne, die von fast allen Vögeln gerne gefressen werden. Weichfutterfresser wie Rotkehlchen erfreuen sich an Rosinen und Haferflocken.

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Erstellt:
28. Dezember 2019, 11:30 Uhr

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