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Brücke erst aus Holz, dann aus Stein und aus Beton

Blick in das Archiv von Peter Wolf: Bei der Sprengung der Aspacher Brücke 1945 wurde auch das Gasthaus Krone stark beschädigt.

Die Aspacher Brücke und das Gasthaus Krone um 1915. Repros: P. Wolf

Die Aspacher Brücke und das Gasthaus Krone um 1915. Repros: P. Wolf

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Wer um das Jahr 1915 aus Richtung Großaspach nach Backnang kam, dem bot sich ein stattlicher Anblick. Die Aspacher Brücke war ein für damalige Zeiten moderner, fortschrittlicher Bau. Von 1911 bis 1912 wurde die Betonkonstruktion erbaut, die die schmalere Steinbrücke ersetzte. Auf der nun breiteren Fahrbahn konnten zwei Gefährte problemlos aneinander vorbeifahren, und es waren sogar Fußgängerwege auf beiden Seiten eingerichtet. Diese wurden allerdings noch nicht so häufig genutzt, denn es herrschte wenig Verkehr, und so flanierten die Passanten auch auf der Straße. Bei den Bauarbeiten 1912 stieß man übrigens auf Überreste einer alten, gepflasterten Furt an dieser Stelle der Murr, hat Peter Wolf recherchiert. Eine Brücke, wohl als Holzkonstruktion, wurde bereits 1393 erwähnt.

Interessant ist, dass der Straßenverlauf der neuen Aspacher Brücke noch in die Schillerstraße und nicht wie heute in die Eduard-Breuninger-Straße mündet. Auf der Postkarte von 1915 sind spielende Kinder auf der Straße in diesem Bereich zu sehen. Die Schillerstraße, die von hier aus bis zum Rathaus führt, war zu jener Zeit noch Hauptverkehrsader. Eine Verbindung zur Eduard-Breuninger-Straße (früher Kronenstraße) gab es allerdings auch hinter dem Gasthaus Krone.

Das Brückenhäuschen wurde 1912 aus ästhetischen Gründen angefügt. Zunächst gab es Bedenken aufgrund der geplanten Größe des Bauwerks, weiß Stadtarchivar Bernhard Trefz. Viele sahen es als Verkehrshindernis, außerdem würde es die umliegenden Gebäude in ihrer Ansicht verdecken. Letztlich einigte sich der Gemeinderat am 26. März 1912 auf einen Bau in reduzierter Größe. Es wurde beschlossen, dass im unteren Teil eine „Bedürfnisanstalt“, also eine öffentliche Toilette, eingerichtet wird. Der obere Teil sollte dem Verschönerungsverein, dem Vorgänger des Heimat- und Kunstvereins, für Ausstellungszwecke überlassen werden. Zum größten Teil finanziert wurde die Anlage durch eine Stiftung von Ehrenbürger Eduard Breuninger.

Das markante Gasthaus Krone hatte eine lange Geschichte. Mitte des 17. Jahrhunderts wird der Küfermeister Hans Leonhard Binder in den Quellen als „Kronenwirt“ bezeichnet, heißt es im Backnang-Lexikon. Das Gasthaus wurde beim Stadtbrand von 1693 zerstört und danach wieder aufgebaut. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam die „Krone“ in den Besitz der Familie Breuninger, die sie 1808 neu erbauen und mit dem charakteristischen abgerundeten Dach versehen ließ. 1911/12 wurden an der Westseite des Gebäudes Arkaden angebaut. Das Ende des Wirtschaftsbetriebs kam im Jahr 1912, als das Gebäude in der Kronenstraße 2 an den Kreditverein Backnang veräußert wurde. Er war 1902 von 85 Bürgern gegründet worden und hatte zunächst seinen Sitz in der Marktstraße 44. Der Kreditverein sollte als Genossenschaftsbank seinen Mitgliedern, zumeist Gewerbetreibende aus dem kleinen und mittleren Handwerk, sowie anderen Kunden Geld „zu erträglichen Zinsen“ ausleihen, informiert das Backnang-Lexikon. In den Räumlichkeiten des Gasthauses befand sich die Kreditgenossenschaft bis 1936 und zog dann in das neu erworbene Haus in der Schillerstraße 18 um. 1941 erfolgte die Umbenennung in Volksbank Backnang eG.

Brückenhäuschen wird noch vor dem Zweiten Weltkrieg abgetragen.

Das Brückenhäuschen, in dem zuletzt das Rote Kreuz untergebracht war, wurde 1937 abgetragen, sodass nur noch Toiletten im unteren Teil an der Murr vorhanden waren, zu denen eine Treppe führte. Deutsche Soldaten sprengten am 20. April 1945 die Aspacher Brücke. Dabei wurde das Gebäude der ehemaligen Krone stark beschädigt. Wenig später wurde das Fachwerkhaus zudem durch einen Autokran der US-Streitkräfte so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass es abgerissen werden musste. Die schweren Beschädigungen sind auf einem Foto von 1945 zu sehen. Zur Zeit der Aufnahme überspannt eine Behelfsbrücke aus Holz die Murr. Erst 1953 wich sie einem Brückenneubau, wobei der Straßenverlauf zur Eduard-Breuninger-Straße hin verlegt wurde, um die Innenstadt zu entlasten. Das Haus auf der anderen Seite der Aspacher Brücke war ebenfalls stark beschädigt, konnte jedoch repariert werden. Heute befindet sich in dem Gebäude Schillerstraße 46 ein Restaurant. Die Aspacher Brücke wurde nun zur Verbesserung des Hochwasserschutzes erneuert.

1945 sprengten deutsche Soldaten die Aspacher Brücke. Dabei wurde die Krone stark beschädigt. Eine Behelfsbrücke überspannte die Murr.

1945 sprengten deutsche Soldaten die Aspacher Brücke. Dabei wurde die Krone stark beschädigt. Eine Behelfsbrücke überspannte die Murr.

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Erstellt:
14. Juli 2020, 16:00 Uhr

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