Bürgermeisterkandidat Christian Ehnis möchte Sulzbach voranbringen

Bürgermeisterwahl Sulzbach Christian Ehnis, Enkel des ehemaligen Sulzbacher Bürgermeisters Willy Ehnis, möchte es seinem Großvater beruflich gleichtun. Er will seine Erfahrung und Fähigkeiten in die Gemeinde einbringen und „aus etwas Gutem etwas noch Besseres machen“.

Im Café Silke kommt Christian Ehnis derzeit einmal pro Woche bei Kaffee und Kuchen mit Interessierten ins Gespräch. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Im Café Silke kommt Christian Ehnis derzeit einmal pro Woche bei Kaffee und Kuchen mit Interessierten ins Gespräch. Foto: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Sulzbach an der Murr. Wahlkampf, das ist für Christian Ehnis „mehr als ein Vollzeitjob“: zeitintensiv und teils anstrengend. Seine Flyer und Broschüren etwa, sie sind nicht mithilfe einer Agentur entstanden. Es ist viel Eigenarbeit (und sind ein paar Tausend Euro), die der 37-Jährige aufwendet, um die Sulzbacherinnen und Sulzbacher davon zu überzeugen, ihn am 3. Dezember zu ihrem neuen Bürgermeister zu wählen.

Manche der Termine, die er zurzeit auf seiner Agenda stehen hat, sind dafür sehr angenehm. Gute Laune herrscht etwa an diesem Nachmittag im Café Silke in der Ortsmitte von Sulzbach. Einmal pro Woche kommt der Bürgermeisterkandidat derzeit dorthin, um Fragen der Bürgerinnen und Bürger zu beantworten und Anregungen aufzunehmen. „Wenn jemand da ist, bin ich immer für ein Gespräch offen. Ansonsten trinke ich einfach Kaffee“, erklärt Christian Ehnis. „Bisher war aber immer jemand da.“

Auch jetzt sind einige Sulzbacher vor Ort. Irene Kerler (69) und Ursula Erkert (80) etwa möchten sich einen Eindruck von dem Bewerber verschaffen. Bei Kaffee und Kuchen, versteht sich – respektive bei Cappuccino und Florentiner im Fall von Christian Ehnis. Aufmerksam hört er den zwei Frauen zu. Was die Sulzbacher arg störe, das seien die vielen Motorradfahrer, sagt Ursula Erkert: „An jedem schönen Tag sind die unterwegs.“ Das Problem ist Christian Ehnis wohlbekannt. „Man muss mit den anderen Gemeinden zusammenarbeiten und Lobbyarbeit betreiben“, sagt er. „Mit Belehrungen kommt man da nicht weiter – die Leute wissen ja ganz genau, was sie tun.“

Wenig später bringt Gisela Mauser aus Siebersbach ein weiteres Anliegen vor. Die 66-Jährige würde sich eine Überdachung für die Sitzbank am Siebersbach wünschen. „Da brennt im Sommer voll die Sonne hin“, sagt sie. Christian Ehnis schreibt den Wunsch in sein Notizheft.

Der barrierefreie Umbau des Rathauses ist ein Thema

Es sind kleinere Angelegenheiten wie diese, aber auch die großen Themen, mit denen die Sulzbacherinnen und Sulzbacher auf ihn zukommen, sagt Christian Ehnis. Dazu gehören zum Beispiel der barrierefreie Umbau des Rathauses, die Ortsentwicklung, der Ausbau der Schulen und die Verwaltung selbst, die aus seiner Sicht relativ träge ist. „Da müssen modernere, technologieunterstützte Prozesse rein. Das ist einer der wichtigsten Punkte – das Grundgerüst, um den Rest ermöglichen zu können“, findet er. „In den letzten eineinhalb Jahren sind verständlicherweise viele Dinge liegen geblieben“, fügt er an. „Das bewegt natürlich viele. Sie wünschen sich, dass ein frischer Wind im Rathaus weht.“

Diesen frischen Wind, da ist er sich sicher, würde er mitbringen. Da er von außen komme – er hat zwölf Jahre in Australien gelebt, ist erst seit Mai wieder in Europa –, bringe er einen neutralen Blick mit. Einer Partei gehört er nicht an, steht auch keiner nahe. „Das finde ich auch wichtig im kommunalen Bereich“, sagt Christian Ehnis. Verwaltungserfahrung habe er zwar nicht, doch während seiner Tätigkeit als Hochschuldozent für die Universität Sydney (siehe Infotext) habe er oft mit Gremien zusammengearbeitet und viele Anträge gestellt – von der lokalen bis zur internationalen Ebene. Auch im Personalbereich und beim Thema digitale Transformation bringe er viel Erfahrung mit.

Das Bürgermeisteramt würde für ihn eine Gehaltskürzung bedeuten

Dass er sich zur Wahl aufstellen lassen hat, das hat er sich gut überlegt. Schließlich bedeutet die Stelle des Bürgermeisters für ihn eine Gehaltskürzung, wie er in einer Wahlkampfbroschüre mitteilt. Vor einigen Monaten arbeitete er noch bei der bekannten Unternehmensberatung McKinsey. Da er nie in einer Gemeindeverwaltung tätig war, habe er sich Rat eingeholt bei verschiedenen Bürgermeistern aus der Region und anderen Teilen Deutschlands. Um sich das Wissen anzueignen, das ihm für seinen Wunschberuf noch fehlt, möchte er ab Januar darüber hinaus eine Zeit lang dem Bürgermeister einer Backnanger Umlandgemeinde bei der Arbeit zusehen.

Auch mit seiner Partnerin Lizette Lee hat er ausgiebig gesprochen, bevor er seinen Hut in den Ring warf. „Da müssen natürlich beide mit an Bord sein“, betont Christian Ehnis. Mit Lizette Lee ist er nun seit zwölf Jahren zusammen, die beiden lernten sich in Australien kennen. Sie sei momentan so etwas wie seine Wahlkampfmanagerin, sagt er. „Sie nimmt mir viel ab, alleine könnte man das gar nicht schaffen.“ Lizette Lee hat vor Kurzem ihr Studium in Frankreich beendet – neben der Pandemie, die Australien weitgehend vom Rest der Welt abschottete, ein weiterer Grund, weshalb Christian Ehnis beschloss, nach Europa zurückzukehren.

Seit Juli sind die beiden nun in Sulzbach. Ihr ursprünglicher Plan sah vor, sich von September an um Stellen zu bewerben. „Wie man sieht, ist es anders gekommen“, sagt Christian Ehnis. Dass die Stelle des Bürgermeisters im Heimatort seiner Großeltern zeitnah frei werden würde, sei schon länger relativ klar geworden, sagt er. Vor Ort habe er dann gesehen, was alles zu tun wäre. „Ich möchte aus etwas Gutem etwas Besseres machen“, erklärt er.

Das Amt sieht er nicht als Sprungbrett an

Sein Großvater sei natürlich ein großes Vorbild für ihn, sagt Christian Ehnis, „auch von seiner Art her. Er hatte ein sehr hohes Pflichtbewusstsein. Es war ihm wichtig, sich dafür einzusetzen, dass die Welt zu einem besseren Ort wird.“ Das sei auch für ihn ein Antrieb. „Ich möchte für Sulzbach etwas bewegen und ich bringe die Qualitäten und Fähigkeiten mit, das zu tun.“ Falls es nicht klappen sollte? „Das sehen wir dann“, sagt er. In anderen Gemeinden werde er sich nicht um das Bürgermeisteramt bewerben. Er sehe das Amt auch nicht als Sprungbrett an, habe vor, volle Amtsperioden abzuleisten – „altersbedingt werden es aber wohl keine 32 Jahre wie bei Dieter Zahn werden“.

Auch privat könnte sich etwas bei Christian Ehnis verändern. „Familiennachwuchs kann in den nächsten acht Jahren Thema sein“, sagt er. Wie sich das Bürgermeisteramt mit der Vaterschaft vereinbaren lassen würde? „Es ist ein Amt, das sehr viel Raum einnimmt“, räumt Christian Ehnis ein. Dennoch hat er sich vorgenommen, eine aktive Rolle im Leben seiner Kinder spielen zu wollen. Einen gewissen Zeitraum Elternzeit zu nehmen, sieht er als wichtig an. „Wenn man das gut vorbereitet und die nötige Unterstützung im Rathaus hat, denke ich, dass das auch gut vereinbar ist“, sagt er.

Doch nun gilt es für ihn erst einmal, den Fokus auf die Zukunft beziehungsweise auf die Gegenwart, den Wahlkampf, zu richten. Die Kandidatensprechstunde im Café Silke ist noch nicht vorbei. „Haben Sie jetzt schon viele Aufgaben gekriegt?“, fragt etwa Pasquale Lavorato (82) mit einem Blick auf Christian Ehnis’ Notizbuch. Die Liste sei in der Tat sehr lang, erwidert er. „Am Ende ist es ein Abwägen und Priorisieren. Mit Versprechungen bin ich immer vorsichtig – die Finanzen sind natürlich nicht unbegrenzt.“

Für die Wahl am 3. Dezember rechnet sich Christian Ehnis „sehr, sehr gute“ Chancen aus. „Ich will das Ganze auf jeden Fall umsetzen“, unterstreicht er.

Lebenslauf

Ausbildung Christian Ehnis wuchs in Karlsruhe auf. Seinen Wehrdienst absolvierte er von 2007 bis 2008. Anschließend studierte er Wirtschaftsinformatik in Münster (2008 bis 2012) und in Sydney (2013 bis 2018). Das Studium schloss er mit einer Promotion ab.

Beruf Von 2016 bis 2021 war Christian Ehnis als Hochschuldozent und Wissenschaftler an der Universität Sydney. Parallel dazu war er von 2018 bis 2021 als Wissenschaftler an einem australischen Forschungsinstitut
aktiv. Von 2021 bis 2023 arbeitete er als
Unternehmensberater für McKinsey.

Ehrenamt Als freiwilliger Feuerwehrmann war Christian Ehnis mehrere Jahre sowohl in Karlsruhe als auch in Münster aktiv.

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Erstellt:
28. November 2023, 06:00 Uhr

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