Bürgerstimme Backnang: Neue Liste will nicht Altgedienten das Feld überlassen

Kommunalwahl 2024 Oberste Ziele der Bürgerstimme Backnang sind der Erhalt der Naherholungsgebiete und die Belebung der Innenstadt.

Die Kommunalwahl findet am 9. Juni statt. Symbolbild: Jörg Fiedler

© Jörg Fiedler

Die Kommunalwahl findet am 9. Juni statt. Symbolbild: Jörg Fiedler

Von Matthias Nothstein

Backnang. Eine neue Liste will frischen Wind in den Backnanger Gemeinderat bringen – die Bürgerstimme Backnang. Bei den Protagonisten handelt es sich jedoch nicht um Menschen, die bislang noch keine Rolle in der Stadt gespielt haben. Im Gegenteil. Die Initiatoren Björn Michl und Lutz Bensinger sind im Norden der Stadt wohlbekannt, sie engagieren sich seit Jahren im Bürgerverein Backnanger Plattenwald. Speziell in den jüngsten Jahren haben sie sich mit viel Herzblut dafür eingesetzt, dass im Plattenwald weniger Bäume gefällt werden. Mehrfach haben sie sich mit den Verantwortlichen der Forstbehörde und der Stadt angelegt, weil – so ihr Eindruck – „mehr Bäume als angekündigt gefällt wurden, nur um reichlich Profit mit dem Holz machen zu können“. Auch die Aktivitäten der Holzmacher im Schneckenbühl in Sachsenweiler stoßen den Akteuren der Bürgerstimme ständig sauer auf. Den Ausschlag zur Listengründung habe gegeben, dass sich niemand gegen diese Machenschaften auflehnt. Vielmehr hätten die bisherigen Stadträte und selbst die Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Grünen den Förstern applaudiert. Doch Bensinger weiß es besser: „Im Stadtwald wird zu viel gefällt.“ Eigenen Angaben zufolge ist er täglich drei bis vier Stunden im Plattenwald unterwegs und sieht die verheerenden Auswirkungen der Fällarbeiten. Der Wald sei viel lichter als noch vor einigen Jahren.

Der Schutz des Naherholungsgebiets ist die Hauptmotivation, anzutreten, aber nicht die einzige. Ein weiteres wichtiges Thema für die Bürgerstimme ist die Belebung der Innenstadt. Björn Michl erinnert daran, dass die Stadt über 950 Jahre alt ist, „da könnte man viel tun“. Er listet neun Geschäfte auf, die derzeit leer stehen, und verweist auf etliche eigene Ideen, mit denen er versuchen würde, die City zu beleben. Etwa indem Start-ups die Möglichkeit geboten wird, Leerstände für eine begrenzte Zeit für eine geringe Miete zu nutzen. Auch stört es Bensinger und Michl, dass der Wochenmarkt zu schwach bestückt ist. Früher seien deutlich mehr Beschicker vor Ort gewesen, heute würden zwischen den Ständen 20 Meter breite Lücken klaffen. Michl räumt zwar ein, dass die aktuellen Stadträte engagiert sind, aber er fragt sich auch: „Wenn alle es besser machen wollen, warum geschieht dann seit Jahren nichts? Machen ist besser als reden.“

Brunold und Keil führen die Liste an

Die Kandidaten auf Platz eins und zwei der Liste, Andreas Brunold und Michael Keil, müssten diesen Einblick eigentlich schon haben. Brunold auch deshalb, weil er schon fünf Jahre lang Stadtrat war, und Keil, weil er gefühlt keine Sitzung des Gemeinderats verpasst. Michl und Bensinger würden es den beiden wünschen, dass sie den Einzug schaffen. Bensinger verweist darauf, dass er beim Kampf um den Erhalt des Plattenwalds schon sehr viel mit Brunold zusammengearbeitet habe: „Was Brunold sagt, hat Hand und Fuß. Er hat enge Kontakte zum Regierungspräsidium und gute Netzwerke. Deshalb steht er als Ur-Backnanger bei uns auf Platz eins.“ Für Keil spreche nicht nur das große Engagement, sondern auch seine Kompetenz etwa bei Fragen zum Thema Windkraft. In der Vergangenheit hat Keil zuverlässig Listen geführt, welcher Gemeinderat wie oft gefehlt hat. Für Michl steht fest: Würde Keil gewählt werden, stünde sein Name nie auf dieser Liste.

Das Thema Transparenz steht ebenso weit oben auf der Agenda der Bürgerstimme. Künftig sollen alle Sitzungen des Gemeinderats gestreamt werden. Michl dazu: „Die Kosten übernehmen wir. Und rechtliche Probleme sehe ich keine. Die Stadträte sind doch alle Personen des öffentlichen Rechts, die damit leben müssen. Oppenweiler macht uns das schon seit Jahren vor.“

Weitere Themen

Laut Michl war es nicht schwierig, die Liste voll zu bekommen, „wir sind sehr bekannt durch den Bürgerverein“. Viele der Angesprochenen sind „normale Bürger, keine Ärzte oder Rechtsanwälte“. Die Angesprochenen seien sofort Feuer und Flamme gewesen. Bensinger unterstreicht dies: „Wir hätten die Liste dreimal vollgekriegt.“ Laut Bensinger habe es immer wieder auch gute Leute im Gemeinderat gegeben, „aber wenn es drauf ankommt, dann wird immer parteipolitisch entschieden“. Das soll sich ändern. Michl: „Die Wähler wollen keine Kandidaten von den altgedienten Parteien. Deshalb glauben wir, dass zwei Sitze ein realistisches Ziel sind. Brunold und Keil hätten es verdient, in den Gemeinderat einzuziehen. Beide wären eine Bereicherung für das Gremium, sie machen den Mund auf.“

Kandidatinnen und Kandidaten

Für die Bürgerstimme Backnang kandidieren neun Frauen und 17 Männer:

Andreas Otto Brunold, Universitätsprofessor (68); Michael Keil, Maler und Lackierer (55); Renate Grunert-Paul, selbstständige Kauffrau (69); Jutta Plajer, Heilpraktikerin für Psychotherapie (61); Christina Zerva, Selbstständige (59); Rainer Wannenmacher, Wirtschaftsingenieur (61); Ernst Norbert Doetsch, Rentner (66); Lydia Koppold, Bankkauffrau (68); Thomas Grünke, Selbstständiger (58); Hans Jürgen Wolf, Selbstständiger (61); Sylvia Grünke, Rentnerin (64); Alexander Paul, Schreiner (60); Barbara Kurzer, Angestellte (57); Holger Kurzer, Angestellter (57); Siegfried Koppold, Kaufman (67); Rosa Müller, Rentnerin (84); Günter Bartsch, Informatiker 848); Norbert Manfred Böck, Rentner (74); Roland Lothar Klenk, Kaufmann (62); Friedrich Bödeker, Ingenieur (84); Tanja Michl, Assistentin der Geschäftsleitung (49); Kaya Li Merstorf, Schülerin (18); Leon Blechschmidt, Elektroniker für Automatisierungstechniker (23); Niclas Michl, IT-Systeminformatiker (23); Björn Michl, Digitalisierungsbeauftragter 49); Lutz Bensinger, Berufssoldat (64).

Backnanger Listen Vor der Kommunalwahl stellen wir in der Backnanger Kreiszeitung alle Listen, die in den Backnanger Gemeinderat einziehen wollen, einzeln vor. Fotos und Infos zu den Kandidatinnen und Kandidaten aller Backnanger Listen und aus allen Gemeinden im BKZ-Verbreitungsgebiet sind auch in unserem Wahlportal zu finden.

Zum Artikel

Erstellt:
29. Mai 2024, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Good Neighborhood gewinnt den Nachwuchswettbewerb

Der Musikwettbewerb war in diesem Jahr wieder ein gutes Beispiel, dass es nicht auf Quantität, sondern auf Qualität ankommt. Elf Bands und Einzelkünstler aus dem süddeutschen Raum begeistern das Publikum. Der Wolle-Kriwanek-Preis geht an die Backnanger Band Common Market.

Stadt & Kreis

Schauen die Backnanger Fußball trotz Straßenfest?

An mehreren Ständen auf dem Backnanger Straßenfest werden die Spiele der Fußball-Europameisterschaft gezeigt, doch der Wirbel darum hält sich in Grenzen. Die Begegnung zwischen der Türkei und Portugal am Samstagabend sowie das Spiel der DFB-Elf werden aber natürlich geschaut.

Stadt & Kreis

Die Straßenfest-Frau erwacht erstmals zum Leben

Von den Plakaten aus beobachtet sie das bunte Treiben bereits seit dem ersten Straßenfest, nun wird sie erstmals lebendig. Gleich vier Frauen werden sie abwechselnd verkörpern. Ihre Mission: Die Besucher sollen sich noch mehr mit dem Event und den Akteuren identifizieren können.