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Clubbing ohne Bass und laute Beats

Erfolgreiche erste Silent Party in Backnang – Musik kommt individuell über Kopfhörer – Besucher wünschen sich Wiederholung

Party machen ohne laute Musik und wummernde Bässe – für viele nicht vorstellbar. Dass das aber nicht nur geht sondern auch richtig Spaß macht, konnten die Partygänger am Samstagabend auf dem Willy-Brandt-Platz in Backnang erleben. Dort fand nämlich die erste Silent Party statt.

Blau, rot und grün leuchten die Kopfhörer. Getanzt werden kann alleine, zu zweit oder in der Gruppe – alles ist erlaubt. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Blau, rot und grün leuchten die Kopfhörer. Getanzt werden kann alleine, zu zweit oder in der Gruppe – alles ist erlaubt. Foto: A. Becher

Von Silke Latzel

BACKNANG. Der Willy-Brandt-Platz ist gut gefüllt, Menschen tanzen – zu zweit, alleine oder in der Gruppe – unterhalten sich und haben Spaß. Für eine Party im Freien ist es auffällig leise. Auch kein Anwohner schaut böse aus dem Fenster und schreit seinen verständlichen Wunsch nach Ruhe in die Nacht hinaus.

Die erste Silent Party in Backnang hält was sie verspricht – sie ist silent, also still. Die Musik bekommen die Tänzer direkt über Kopfhörer auf die Ohren. Wer welche Musik hört, lässt sich an den Farben erkennen, in denen die Kopfhörer leuchten: Grün steht für Standard-Tanzmusik wie Walzer und Tango sowie Lateinamerikanische Tänze. Wer umschaltet auf rot hört Partymusik direkt vom DJ und wer lieber zu Elektro abtanzen möchte, dessen Kopf wird in blaues Licht getaucht.

Die Tanzenden lassen sich auch
vom Regen nicht abschrecken

Musikalische Präferenzen lassen sich beim Zusehen nicht erkennen. Und auch Claudia Fischer von der Musikbar „Wohnzimmer“, die sich nicht nur direkt am Willy-Brandt-Platz befindet sondern auch Mitveranstalter der Party ist, sagt: „Es ist wirklich eine bunte Mischung. Man kann nicht sagen, welcher der drei Kanäle der beliebteste ist. Oft wechseln die Leute einfach per Knopfdruck, wenn ihnen das eine Lied nicht gefällt. Oder sie sehen, wie der Nachbar gerade total abgeht und dann wechseln sie schnell auf dessen Farbe um zu hören, welche Musik da gerade läuft.“

Das Konzept der Silent Party kommt bei den Besuchern gut an. Und das, obwohl das Wetter den Veranstaltern ein bisschen Bauchgrummeln beschert hat. „Regen hat bei einem solchen Event im Freien dieselbe Wirkung wie auch beim Straßenfest: Wenn es etwa in Oppenweiler schüttet, muss das nicht heißen, dass es in Backnang auch regnet. Aber die Leute lassen sich davon dann halt schon abhalten und haben die Wettervorhersage immer genau im Blick“, so Fischer. „Und als es dann plötzlich wirklich geregnet hat, dachten wir, dass wir jetzt einpacken können. Aber das Gegenteil war der Fall“ sagt sie lachend und ergänzt: „Es hat niemanden gestört. Die Leute, die bis dahin noch in der Lounge gesessen und sich unterhalten haben sind plötzlich alle aufgestanden und haben angefangen zu tanzen, manche mit, andere ohne Regenschirm. Das war großartig.“

Einer der Tanzenden ist Jannik Mende aus Auenwald. Er und sein Kumpel Kristian Taner sind gemeinsam mit ihren Freundinnen zum stillen Tanzen gekommen. Die beiden jungen Damen sind in der Tanzschule Bayerle-Auchter aktiv, die, gemeinsam mit meinbacknang.de, ebenfalls zu den Veranstaltern gehört. „Ich bin niemand, der oft in Clubs zum Tanzen geht, aber das hier ist mal was ganz anderes und ich finde es richtig klasse“ so Mende. Besonders gefällt ihm die gelöste und lockere Stimmung. „Es ist witzig, wenn die Leute manchmal vergessen, dass sie Kopfhörer tragen und dann laut mitsingen.“ Mende und Taner sind beide Anfang 20 – und anders als viele älter Menschen das vielleicht empfinden, durchaus nicht nur am Partymachen interessiert. Denn ihr Gedanke gilt auch den Anwohnern im Biegel. „Ich finde das wirklich wichtig, denn in der Innenstadt gibt es genug Lärm. Und dass eine solche Veranstaltungen stattfinden kann ohne dass die Leute, die rund um den Platz wohnen unter dem Krach leiden müssen, ist echt gut. Die müssen oft schon genug aushalten“ sagt Taner und bekommt ein zustimmendes Nicken von seinem Kumpel.

Die beiden vermissen auch nicht die Bässe, die sonst in einem Club wummern und die Musik im ganzen Körper spüren lassen. „Es ist einfach etwas ganz anderes mit einem eigenen Flair. Man kann hier auch mit einer Gruppe herkommen, die musikalisch sonst nicht zusammenpasst, weil für jeden etwas dabei ist. Vorher wurde auf dem roten Kanal auch ACDC und Slipknot gespielt, das war dann auch was für mich.“ Jannik und Kristian haben nur eine kleine Kritik: „Wenn man die Kopfhörer eine Weile trägt beginnen sie zu drücken und dann muss man sie abnehmen.“ Trotzdem wünschen sich beide, dass die Silent Party nicht einmalig bleibt – „einmal im Quartal wäre gut“.

Dass die Tanzveranstaltung nicht nur etwas für Menschen Anfang 20 ist beweisen Barbara und Dirk Jerusalem. Die beiden haben ihre Kopfhörer auf grün gestellt und tanzen Standard. Nicht ganz einig sind sie sich, ob das Tanzen mit Kopfhörern besser klappt als sonst, sie sagt ja, er sagt nein. „Nur die Kommunikation, also das reden, ist eben nicht wirklich möglich“, so Dirk Jerusalem. Wieder an einem solchen Tanzabend teilnehmen würden aber beide. Und Barbara Jerusalem findet es „besonders gut, dass man die Lautstärke der Musik selbst regeln kann“.

Dass die erste Backnanger Silent Party die letzte bleiben wird, ist nicht zu befürchten. „Schon allein deshalb haben wir sie ja auch bewusst ,die erste‘ genannt“, erklärt Claudia Fischer. „Wir würden sie schon gerne einmal im Jahr veranstalten, sind uns nur wegen des Termin noch nicht ganz einig. Es ist ja eben nicht nur eine ganz besondere Tanzveranstaltung, sondern auch eine Möglichkeit diesen schönen Platz, der sonst eher grau in grau liegt, mit Leben zu füllen. Und das sogar im nachbarschaftlichen Einklang und ohne, dass sich jemand gestört fühlt. Das finden wir sehr wichtig.“

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Erstellt:
24. September 2018, 06:00 Uhr

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