Corona: Schüler aus 172 Klassen müssen zu Hause bleiben

dpa/lsw Stuttgart. Dass der Schulbetrieb nach dem Sommer nicht reibungslos anläuft, war abzusehen. Einige Schüler werden wegen Corona schon kurz nach dem Schulstart wieder nach Hause geschickt. Ein Problem ist auch dicke Luft in den Klassenzimmern.

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Knapp zwei Wochen nach dem Start des neuen Schuljahres sind 172 Schulklassen im Südwesten aus dem Präsenzunterricht genommen worden. An 128 Standorten werden die Klassen wegen einer Infektion mit dem Coronavirus oder dem Verdacht einer Infektion vorübergehend nur im Fernunterricht unterrichtet, wie das Kultusministerium am Donnerstag mitteilte. Drei Schulen in Ulm, Friedrichshafen und Schorndorf seien vorerst vollständig geschlossen. Zuvor hatte die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet. In Baden-Württemberg gibt es rund 67 500 Klassen an 4500 Schulen.

Die Landtagsgrünen fordern einen wissenschaftlich begleiteten Modellversuch für Luftfilter, um die Ansteckungsgefahr in Schulen und Kitas zu verringern. „Die Kultusministerin muss jetzt schnelle Vorarbeit leisten, bevor in den Wintermonaten noch mehr Schulklassen zu Hause bleiben müssen“, sagte der technologiepolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Poreski, am Donnerstag. Man müsse herausfinden, inwieweit Luftreiniger geeignet sind, in Klassenzimmern und Kitaräumen für eine effektive Verbesserung der Luft zu sorgen. Es müsse etwa geklärt werden, ob die Geräte eine Strömung erzeugen, die Aerosole schneller zu Boden bringen und eine Ausbreitung der Viren mindern. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) müsse Vorbereitungen für technische Nachbesserungen an Schulen und Kitas treffen.

Bei der CDU-Fraktion zeigte man sich verwundert über die Forderung des Koalitionspartners. Man habe so einen Modellversuch schon vor Wochen gefordert, zuständig sei dafür das Sozialministerium, teilte ein Sprecher mit. „Das grün geführte Sozialministerium hat damals eher abwiegelnd reagiert und auf Empfehlungen des Umweltbundesamtes verwiesen, das Geräte zur Säuberung der Raumluft in Klassenzimmern eher nicht für angezeigt hält.“

Aerosole sind flüssige Partikel, die stundenlang in einem Raum schweben können und bei Einatmung tief in die Lunge vordringen. Sie gelten als ein Haupttreiber der Corona-Pandemie. Wenn sich im Herbst und Winter das private und öffentliche Leben vermehrt in geschlossene Räume verlagert, sei es von erheblicher Bedeutung, die Ausbreitung der Aerosole einzudämmen, hieß es am Donnerstag aus dem Staatsministerium. Die Raum- und Luftverhältnisse beeinflussten das Infektionsrisiko entscheidend. Wissenschaftsministerium und Sozialministerium sollen deshalb nach einem Beschluss der Lenkungsgruppe einen multidisziplinären Expertenkreis einberufen, um neue Erkenntnisse über Aerosole zu gewinnen und damit das Risiko einer zweiten Corona-Welle einzudämmen.

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Erstellt:
24. September 2020, 14:33 Uhr

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