Dachdecker wirft Dachfenster auf Polizisten

36-Jähriger sitzt wegen versuchten Totschlags, versuchter schwerer Brandstiftung und Körperverletzung auf der Anklagebank.

Symbolfoto: Erwin Wodicka

© BilderBox - Erwin Wodicka

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Von Bernd S. Winckler

WAIBLINGEN. Am 8. September vergangenen Jahres soll ein 36-jähriger Dachdecker im Waiblinger Reihenhaus seiner getrennt von ihm lebenden Frau an mehreren Stellen Feuer gelegt und sich dann mit der Polizei vom Dach des Hauses aus gestritten haben, wobei er ein komplettes Dachfenster und Ziegel auf die Beamten unten warf. Jetzt sitzt der Mann wegen versuchten Totschlags, versuchter schwerer Brandstiftung und Körperverletzung auf der Anklagebank.

Die Große Schwurgerichtskammer am Stuttgarter Landgericht wird in den kommenden vier Verhandlungstagen zu prüfen haben, ob der 36-Jährige an jenem 8. September infolge reichlicher Alkohol- und Rauschgiftmengen strafrechtlich in der Lage war, das Unrechte der Tat einzusehen, oder nicht.

Dazu haben die Richter am gestrigen ersten Verhandlungstag einen psychiatrischen Sachverständigen hinzugezogen. Allerdings soll diese Entscheidung erst zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden.

Nach der Anklage, die gestern verlesen wurde, soll der Beschuldigte am frühen Abend des 8. September sich illegal Zutritt in das Reihenhaus, in dem seine Frau mit den beiden Kindern lebte, verschafft haben. An mehreren Stellen soll er im Haus Feuer gelegt haben, ehe er sich nach der Brandmeldung beim Eintreffen der Polizei in das obere Stockwerk zurückzog und sich dort verbarrikadierte. Durch das Feuer im Haus habe er durch Verrußung einen Schaden in Höhe von 7000 Euro verursacht, sagt der Staatsanwalt.

Dort soll der Angeklagte lautstark randaliert und der mehrfachen Aufforderung der Polizei, sich zu ergeben, keine Folge geleistet haben. Stattdessen sei er nunmehr durch ein Dachfenster auf das Dach der Gebäudes gestiegen und habe von dort aus zunächst das 21 Kilogramm schwere Fenster mitsamt dem Rahmen herausgerissen und gezielt auf die am Straßenrand stehenden Polizeibeamten geworfen. Dabei habe der Angeklagte laut dem Vorwurf, den möglichen Tod der Polizisten in Kauf genommen. Das schwere Fenster hätte die Beamten tödlich treffen können. Zum Glück jedoch trugen die Polizisten ihre Schutzausrüstung und Helme – und wichen dem heruntergeworfenen Fenster aus.

Doch damit nicht genug. Der Angeklagte soll jetzt begonnen haben, auch eine ganze Reihe der schweren Dachziegel auf die Beamten zu werfen. Auch dabei, so die Anklage, habe der Angeklagte in Kauf genommen, dass die unten stehenden Polizisten durch Splitter und Scherben getroffen und erheblich verletzt werden konnten. Zudem habe er die Dachziegel gezielt gegen die Beamten geworfen. Erst danach konnte die Polizei den tobenden Mann zur Aufgabe überreden. Er wurde noch am Tatort festgenommen.

Vor der Stuttgarter Schwurgerichtskammer will der Angeklagte zum Vorwurf des vierfachen versuchten Totschlags, sechsfacher gefährlicher Körperverletzung, versuchter schwerer Brandstiftung und Widerstand, auf Anraten seiner beiden Verteidiger, zunächst keine Angaben machen. Was seine Person betrifft, gibt er an, in Waiblingen geboren und nach der Trennung seiner Eltern mit dem Vater nach Spanien ausgewandert zu sein, um dort als Innenausstatter zu arbeiten. Einen deutschen Schulabschluss habe er nicht. In frühen Jugendjahren habe er bereits zum Alkohol gegriffen. Von zwei Ehen und daraus vier Kindern in den Jahren 2005 bis 2015 berichtet der 36-Jährige. Zuletzt habe er sich das Handwerk eines Dachdeckers selbst beigebracht und in diesem Beruf dann wechselseitig in Spanien und auch in Deutschland gearbeitet. Sein Vater, mit dem der bis zuletzt zusammenlebte, sei erst vor drei Monaten verstorben.

Am nächsten Verhandlungstag, dem 22. März, will einer seiner beiden Verteidiger zu den Tatvorwürfen eine Erklärung abgeben. Danach sollen die ersten Zeugen vernommen werden. Bis dahin hat das Gericht den Prozess vertagt.

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Erstellt:
2. März 2021, 16:00 Uhr

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