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Das Besondere im Blick

Beginn der Restaurierungsarbeiten an der alten Brucher Kelter steht bevor – Das Dach muss dringend saniert werden

Nach Ostern, so hoffen Bernd Knödler und Monika Kaiser, kann es mit den Arbeiten an der alten Brucher Kelter losgehen. Am dringlichsten: Das undicht gewordene Dach des denkmalgeschützten Baus. Das historische Gebäude erinnert an die alte Weinbautradition im Weissacher Tal und markiert das Tor zum Täle.

Bernd Knödler und Monika Kaiser wünschen sich, dass die alte Kelter in Bruch nach der Restaurierung ein Platz für Begegnung und besondere Events wird. Foto: J. Fiedler

© Joerg Fiedler

Bernd Knödler und Monika Kaiser wünschen sich, dass die alte Kelter in Bruch nach der Restaurierung ein Platz für Begegnung und besondere Events wird. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Vor einem Jahr hat Bernd Knödler das alte Gebäude erworben, zusammen mit seiner Frau Monika Kaiser will er es denkmalgerecht erneuern und einer inspirierten, gemeinschaftsorientierten Nutzung zuführen. Das Projekt stellt für das Paar eine Herzensangelegenheit dar – unter dem Dach der restaurierten Kelter soll, nachdem der Raum viele Jahre als Holzlager diente, neues Leben aufblühen. Engagierte Bürger und Vereine sollen dort Platz finden, um Treffen, Feiern und Events unterschiedlicher Art abzuhalten. Auch Knödler und Kaiser haben sich vorgenommen, Aktionen zu kreieren.

An einen dauerhaften Gastronomiebetrieb ist allerdings nicht gedacht. Vielmehr sei man „offen für das Besondere“. Vorstellen kann sich das Paar eine Vermietung der Kelter für familiäre Feierlichkeiten wie Geburtstage, Konfirmationen oder Hochzeiten, für Vereine und zur Bürgerbegegnung. Auch die Brucherei, die Gruppe, die für die Brucher seit einigen Jahren immer wieder Treffen und originelle Aktionen wie ein Christbaumverbrennen organisiert, soll dort Möglichkeiten bekommen. Kelterweihnacht, Keltercafé – unterschiedliche einzelne Events erscheinen möglich. Monika Kaiser, die ein Faible für die besondere Gastronomie hat und die bereits in den Backnanger Stuben und im Café Rilke/ Kerzenstube, aber auch im An Sibin Irish Pub gearbeitet hat, „brennt dafür“, sagt Bernd Knödler – und seine Frau ergänzt mit Blick auf das Gesamtprojekt: „Es war eine Herzens- und Bauchentscheidung, keine Kopfentscheidung.“

Doch die künftige Nutzung ist im Moment noch Zukunftsmusik, zuerst müssen die Rahmenbedingungen geschaffen und der Bau restauriert und eventtauglich eingerichtet werden. Das fängt beim undicht gewordenen Dach an, das dringend saniert werden muss. Die alten Platten sind locker, mit jedem stürmischen Wind drohen sich Ziegel zu lösen. Damit niemand von herabstürzenden Teilen verletzt wird, aber auch um akute Reparaturen vorzunehmen, steht bereits ein Gerüst am Gebäude. Nach Ostern, so hoffen Knödler und Kaiser, können die Arbeiten am Dach beginnen. Das sei elementar, damit die Kelter überleben kann – denn schon jetzt schädigt eindringende Nässe die hölzernen Bauteile.

Vonseiten des Denkmalschutzes haben die Besitzer grünes Licht für ihr Vorhaben, wobei es allerdings auch einige Auflagen zu beachten gilt. Denn das historische Tragwerk aus Holz soll erhalten bleiben. Es stellt, da der Bau seit seiner Errichtung im Jahr 1762 nahezu unverändert geblieben ist, eine absolute bauliche Rarität dar, kaum irgendwo sonst steht noch etwas Vergleichbares. „Alte Zimmermannskunst“ sei dort zu erkennen, erklärt Knödler.

Eine weitere wichtige Etappe war vor Kurzem die Zusage des Regierungspräsidiums, dass das Projekt alte Kelter mit Zuschüssen aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) gefördert wird. Die frohe Botschaft überbrachte unlängst der politische Staatssekretär im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg, Wilfried Klenk: Der Backnanger CDU-Abgeordnete kam zur förmlichen Übergabe vor Ort und informierte sich bei dieser Gelegenheit über die Besonderheiten der Kelter und über die Pläne für die Neubelebung. Insgesamt rund 90000 Euro fließen aus den ELR-Töpfen in das Vorhaben.

„Der Denkmalschutz fordert und fördert“

Weitere Fördergelder kommen wohl auch aus Mitteln des Denkmalschutzes. Damit soll ein gewisser Ausgleich für den erhöhten Aufwand geleistet werden, den eine denkmalgerechte Ausführung erfordert. Denn schon für Planung und Dokumentation sind enorme Leistungen zu erbringen. So musste im Vorfeld ein Laserscanvideo mit Aufnahmen innen und außen erstellt werden. „Das Denkmalamt fördert und fordert“, beschreibt Knödler die Situation.

Darüber hinaus ist der Investor auch auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen. Bürgermeister Ian Schölzel, der die alte Kelter gern als das Tor zum Täle bezeichnet, hat bereits entsprechende Weichenstellungen in Aussicht gestellt, ebenso hat der Gemeinderat schon vor Jahresfrist sein Wohlwollen bekundet. Da wurde die Kelter als ein Juwel und ein Kleinod gerühmt.

Formal geht es zunächst einmal darum, einen Bebauungsplan aufzustellen. Konkret zu beantworten ist dabei aber beispielsweise die Frage nach dem Zugang. Das Gebäude steht zwar direkt an der Straße Richtung Lutzenberg, aber es gibt keinen Fußweg, der vom Ort aus dorthin führen würde. Auch Parkplätze gibt es vor Ort eigentlich nicht – nur einige wenige Fahrzeuge finden direkt am Gebäude beziehungsweise an einem gegenüber abzweigenden Feldweg Platz. Überdies gibt es an der Straße eine Bushaltestelle, die für Fußgänger gleichfalls nicht über einen Weg erreichbar ist. Denkbar wäre vielleicht, den Friedhofsparkplatz am Ortsrand zu ertüchtigen, sodass Besucher der Kelter ihr Auto dort abstellen können. Damit nicht genug: Kann vielleicht auch ein Wanderparkplatz ausgewiesen werden? Und wie soll die Verkehrssituation insgesamt gestaltet werden? Und es stellen sich weitere Erschließungsfragen. Bislang gibt es in der alten Kelter weder Strom noch Wasser, von einem Anschluss an die Kanalisation ganz zu schweigen. Das wäre aber eine zwingende Voraussetzung für einen Betrieb als Veranstaltungsstätte.

„Es liegt an uns“, sagt Bernd Knödler und appelliert damit auch an den Gemeinschaftsgeist der Brucher und der Weissacher insgesamt, „wir haben jetzt die Möglichkeit und können in dieser Zeit einen Beitrag leisten, damit die Kelter auch für kommende Generationen eine Freude ist.“ Ohne die Hilfe vom Land und von der Gemeinde sei dies aber nicht zu schaffen. Eigenleistung, die Unterstützung von Freunden und das bürgerliche Engagement sind weitere Pfeiler, auf die Knödler baut. Er zeigt sich zuversichtlich, „dass wir es mit dieser starken Unterstützung gemeinsam hinkriegen“.

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Erstellt:
1. April 2020, 16:00 Uhr

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