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Zehntausende demonstrieren in Deutschland gegen Rassismus

dpa Berlin. Der brutale Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA bewegt auch Deutschland. Zehntausende Menschen gehen auf die Straße. Sie prangern Rassismus an, nicht nur in den USA.

Auf Knien und mit in die Höhe gestreckter Faust bekunden Demonstranten auf dem Römerberg in Frankfurt ihre Solidarität mit den Anti-Rassismus-Protesten in den USA. Foto: Boris Roessler/dpa

Auf Knien und mit in die Höhe gestreckter Faust bekunden Demonstranten auf dem Römerberg in Frankfurt ihre Solidarität mit den Anti-Rassismus-Protesten in den USA. Foto: Boris Roessler/dpa

Zehntausende Menschen in Deutschland haben am Samstag gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Allein am Berliner Alexanderplatz waren es nach Polizeiangaben rund 15.000 Teilnehmer, in München gingen etwa 25.000 Demonstranten auf die Straße.

Auslöser war der Tod des Schwarzen George Floyd in den USA bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai. Kritik gab es an den Demos in Deutschland, weil der wegen der Corona-Pandemie geltende Mindestabstand nicht überall eingehalten wurde.

In rund 25 Städten waren Anti-Rassismus-Demonstrationen geplant gewesen. Die Veranstalter hatten dazu aufgerufen, in schwarzer Kleidung zu erscheinen und der Tat schweigend zu gedenken. In Hamburg folgten rund 14 000 Menschen dem Aufruf, in Düsseldorf waren es rund 20 000 Teilnehmer.

Auf dem Berliner Alexanderplatz setzten sich die Demonstranten bei einer Schweigeminute auf den Boden. Sie dauerte genau 8 Minuten und 46 Sekunden - so lange hatte der Polizist Floyd am 25. Mai sein Knie in den Nacken gedrückt, bis dieser sein Bewusstsein verlor und kurz darauf starb. In den Vereinigten Staaten war es daraufhin zu Protesten und teilweise auch Ausschreitungen gekommen.

In Stuttgart sagte Demo-Mitorganisator Lionel Njoya: „Ich stehe heute hier, weil der Traum von Martin Luther King nicht in Erfüllung gegangen ist.“ Der Tod Floyds, die rechtsextremen Taten in Halle und Hanau - „all diese Vorfälle sind Teil einer langen Serie von Diskriminierung, rechtem Terror und Rassismus“. Rassismus begegne ihm im Fitnessstudio, im Zug, in den Medien oder im Urlaub. „Wann seht ihr mich endlich als Subjekt und nicht Vertreter einer Gruppe an?“

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz hatte vor den Demos dazu aufgerufen, mehr Bewusstsein für rassistische Diskriminierung zu entwickeln. „Rassismus gibt es auch in Deutschland - in der Schule, auf der Straße, im Job, in Bus und Bahn, im Freundeskreis“, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dieser müsse erkannt, benannt und in allen Bereichen bekämpft werden.

Die Hamburger Polizei hatte vor den Demonstrationen ihre Solidarität erklärt. „Wir sind an eurer Seite!“, twitterte sie. „Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.“

Bei Protesten in Frankfurt am Main, an denen sich etwa 8000 Menschen beteiligten, fragte eine Rednerin: „Wen ruft man im Notfall, wenn man nicht mal der Polizei vertrauen kann?“ Ein junger schwarzer Mann kritisierte sogenanntes Racial Profiling, Kontrollen auf Basis äußerlicher Merkmale: „Jeder kennt die Blicke, das gemütliche Herspazieren von Polizisten - und dann die verdachtsunabhängige Kontrolle.“

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte Verständnis für die Proteste, äußerte sich aber besorgt über dichte Menschenmengen während der Corona-Pandemie. „Der Kampf gegen Rassismus braucht unser gemeinsames Engagement“, schrieb Spahn auf Twitter. „Doch dicht gedrängte Menschenmengen mitten in der Pandemie besorgen mich.“ Auch bei wichtigen Anliegen gelte: „Abstand halten, Alltagsmaske tragen, aufeinander acht geben.“

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, forderte mehr Vorsicht und Respekt bei Demonstrationen wie am Samstag. Die Bereitschaft, sich an Abstandsregeln zu halten, sei „so gut wie nicht erkennbar“ gewesen, sagte Wendt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Die meisten Teilnehmenden hielten sich nicht an Abstandsregeln.“

Über die Ansteckungsgefahr in Gruppen, die draußen zusammenkommen, ist wenig bekannt. Einen Einfluss könnte der Lärm bei Demos haben: Wie feucht die Aussprache ist, hänge unter anderem von der Lautstärke beim Sprechen ab, hatte Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz Zentrum München kürzlich erläutert. Prinzipiell ist die Ansteckungsgefahr aber draußen wesentlich geringer als in Innenräumen.

Die Demonstrationen verliefen weitgehend friedlich, einige Vorfälle gab es aber: In Hamburg etwa kam es im Anschluss an die Proteste zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Aus der Gruppe heraus sei Pyrotechnik gezündet worden, sagte eine Sprecherin. Zwei Beamte wurden laut Polizei verletzt. In Berlin wurden aus einer größeren Gruppe heraus laut Polizei Steine und Flaschen auf Polizisten und Passanten geworfen. Demnach wurden 93 Menschen festgenommen und 28 Polizeibeamte leicht verletzt. Auch in Stuttgart gab es mehrere Zwischenfälle.

Die Polizei sprach von 9000 Teilnehmern am Jungfernstieg. Foto: Markus Scholz/dpa

Die Polizei sprach von 9000 Teilnehmern am Jungfernstieg. Foto: Markus Scholz/dpa

„Black Lives Matter“: Demonstranten halten in Hamburg Schilder hoch. Foto: Markus Scholz/dpa

„Black Lives Matter“: Demonstranten halten in Hamburg Schilder hoch. Foto: Markus Scholz/dpa

Rund 15.000 Menschen demonstrierten auf dem Alexanderplatz in Berlin. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Rund 15.000 Menschen demonstrierten auf dem Alexanderplatz in Berlin. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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Erstellt:
6. Juni 2020, 05:16 Uhr

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