Deutschlands Marode Straßen
Denk ich an Schlaglöcher in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht
Rumms! Durch ein Schlagloch in der Straße zu fahren, ist fies. Jetzt kann das häufiger passieren. Der Winter hat Schäden hinterlassen. Viele Kommunen sind mit der Situation überfordert.
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Ein Auto fährt an einem Schlagloch in einer Allee vorbei. Das Frostwetter der letzten Wochen sorgt für kaputte Straßen mit tiefen Schlaglöchern.
Von Markus Brauer/dpa
Nach dem Frost kommt das Loch. Das ist ziemlich sicher. Es regt vor allem Autofahrer auf und Leute auf dem Fahrrad. Gemeint sind Schlaglöcher, die sich jetzt auf vielen Straßen auftun. Wenn man da drüberfährt, rumpelt es.
Da dieser Winter teilweise heftig war, haben viele Straßen jetzt solche Schäden. Ein Mitarbeiter der Stadt Münster sagt: „Grundsätzlich gilt: Je nasser und kälter ein Winter, desto mehr Schlaglöcher werden erwartet.“ Es sind wohl an vielen Orten auch mehr als im Jahr zuvor.
Gefrorenes Wasser drück Asphalt auseinander
Die Erklärung dafür: Im Straßenbelag sind oft kleine Löcher und feine Risse. Regnet es oder schmilzt Schnee, läuft das Wasser in diese Hohlräume. Wird es dann wieder frostig kalt, verwandelt sich das Wasser in Eis. Gefrorenes Wasser braucht mehr Platz. Es dehnt sich aus und drückt den Asphalt auseinander. Beschleunigt wird das Ganze besonders im Winter durch Frost-Tau-Zyklen
Nach Frost und Tauwetter: Achtung Schlagloch
„Die Strecken werden derzeit verstärkt durch unsere Autobahnmeistereien abgefahren und geprüft“, teilt eine Sprecherin der Autobahn GmbH mit. „Trotzdem bitten wir die Verkehrsteilnehmer weiterhin, vorausschauend zu fahren, um Gefahrensituationen vorzubeugen.“
Wie lange die Schlaglöcher die Fahrzeuge ausbremsen, hängt davon ab, wie schwer der Fahrbahnbelag beschädigt ist. Kleinere Schäden können innerhalb weniger Stunden repariert werden, erläutert die Sprecherin. Bei größeren Schäden seien umfangreichere Arbeiten notwendig.
Die betroffenen Bereiche würden – zumindest auf Autobahnen – beschildert worden. Wenn Bereiche größere Schäden zeigten, gebe es „aus Verkehrssicherheitsgründen“ zeitweise auch Absperrungen.
Straßenschäden nach Eiszeit: So reagieren Autofahrer richtig
Wie sollten sich Autofahrer jetzt vorsorglich verhalten und worauf sollten sie nach dem Durchrumpeln besser achten?
- Vor allem bei zu hohem Tempo droht Ungemach, wenn man es mit Straßenschäden zu tun bekommt. Daher jetzt noch vorsichtiger fahren, auf Warnschilder achten, die Tempolimits befolgen und immer die Fahrweise an den Zustand der Straße und der Witterung anpassen.
- Manchmal kann schon das erlaubte Tempo viel zu schnell sein – etwa, wenn Pfützen auftauchen, die tiefe Straßenschäden verbergen.
- Aber leider: Trotz aller Vorsicht ist es nicht möglich, allem rechtzeitig gefahrlos auszuweichen oder das Tempo entsprechend zu drosseln. Denn natürlich darf man nicht in den Gegenverkehr fahren, nur um Schlaglöchern auszuweichen. Dann muss man das geringere Übel in Kauf nehmen: durchfahren.
Durchs Schlagloch gefahren: Auf was ist nun zu achten?
Setzt das Auto etwa auf, können sowohl Karosserie als auch der Auspuff Schaden nehmen. Wer mit „Schmackes“ durch ein Schlagloch brettert, erntet mitunter Schäden:
- Lenkung
- Radaufhängung
- Reifen und Felgen
Nach einer Schlagloch-Durchfahrt rät der Auto Club Europa (ACE) dazu, penibel auf verdächtige Geräusche zu achten, die zum Beispiel auf einen kaputten Auspuff hinweisen. Schäden an den Felgen sind auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Hier zählt der Autoclub:
- Luftverlust
- Reifenschäden
- Vibrationen und Folgeschäden
- Bricht eine Felge, kann es zum Verlust der Kontrolle über das Fahrzeug kommen.
Schon bei kleinsten Veränderungen – auch wenn es etwa die Lenkung betrifft – rät der ACE dazu, anzuhalten und im Zweifel den Pannendienst zu rufen. Je nach Beschädigung sollte man höchstens noch vorsichtig direkt zur nächsten Werkstatt fahren.
Straßenschäden könnten auch bei der zuständigen Verwaltung gemeldet werden. Dazu bieten manche Städte und Gemeinden Online-Formulare an.
Durch Schlagloch gefahren: Wer zahlt für den Schaden?
Wer einen Schaden feststellt, sollte diesen und auch den Zustand der Straße möglichst zeitnah, aber ohne sich in Gefahr zu bringen, fotografieren und die Polizei rufen. Ist eine Vollkaskoversicherung vorhanden, kann diese den Schaden regulieren.
Ansonsten bleibt, den Schaden beim zuständigen Straßenbaulastträger einzufordern. Das kann je nach Straße die Kommune, das Land oder der Bund sein. Im Zweifel erfährt man bei der Kommune, wer verantwortlich ist.
Der sogenannten Verkehrssicherungspflicht des Straßenbaulastträgers steht die Pflicht aller Autofahrer gegenüber, die Fahrweise an den Zustand der Straße und an die Witterung anzupassen. Allerdings: Zeigen sich Schäden auf der Fahrbahn und passt man die eigene Geschwindigkeit daraufhin nicht an, schwindet den Angaben zufolge die Chance auf Schadenersatz.
Und auch schon ein vor den Straßenschäden warnendes Schild kann mögliche Haftungsansprüche ausräumen. Um die Erfolgsaussichten auf Schadenersatz beurteilen zu können, rät der ACE im Zweifelsfall zu anwaltlicher Hilfe.
Zunehmender Trend: KI-Einsatz gegen Straßenschäden
Bei der Beurteilung von Schlaglöchern und Rissen im Straßenasphalt setzen immer mehr Kommunen auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Die Technik könne dazu beitragen, zeitaufwendige manuelle Prozesse zu ergänzen oder perspektivisch zu ersetzen, erklärt ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Er verweist unter anderem auf die automatisierte Analyse von Bild- und Sensordaten,
Jeder zehnte Straßenkilometer in sehr schlechtem Zustand
Der Zustand der Straßen verschlechtert sich vielerorts. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik von 2023 hat ein Drittel der Straßen in Städten, Gemeinden und Landkreisen größere Mängel. Jeder zehnte Kilometer sei sogar in einem sehr schlechten Zustand.
Große Teile der Verkehrsinfrastruktur in den Kommunen erreichen laut dem Institut bis 2030 das Ende der Nutzungsdauer und müssen ersetzt werden. Allein für die bestehenden kommunalen Straßen entstehe so ein Investitionsbedarf von rund 283 Milliarden Euro.
„Die Infrastruktur ist das wesentliche Anlagegut einer Kommune. Rund ein Drittel des kommunalen Vermögens ist in der Infrastruktur gebunden“, erläutert der Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Eagle Eye, Johannes Ludwig. Wenn man den Eingriffszeitpunkt verpasse, werde es am Ende immer teurer.
