Der Anbau an das Weissacher Feuerwehrgerätehaus ist auf den Weg gebracht worden

Knapp 4,5 Millionen Euro soll allein der Anbau an das Weissacher Feuerwehrgerätehaus kosten – deutlich mehr als die ursprünglich geschätzten drei Millionen Euro. Das stößt nicht bei allen Gemeinderäten auf Begeisterung. Dennoch stimmt die große Mehrheit dem Projekt zu.

Das Feuerwehrgerätehaus im Aichholzhof ist 1984 bezogen worden und entspricht nicht mehr den Anforderungen. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Das Feuerwehrgerätehaus im Aichholzhof ist 1984 bezogen worden und entspricht nicht mehr den Anforderungen. Foto: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Nachdem die Weissacher Rätinnen und Räte in ihrer Januarsitzung schon den finalen Entwurfsplan für den An- und Umbau des Feuerwehrgerätehauses im Aichholzhof auf den Weg gebracht haben (wir berichteten), ist in der jüngsten Gemeinderatssitzung auch die Einreichung und Umsetzung des Baugesuchs mehrheitlich beschlossen worden. Der Abstimmung ging jedoch eine lange Diskussion voraus, in der mehrere Räte nochmals die hohen Kosten für das Projekt hinterfragt haben. In Anbetracht weiterer großer Investitionsprojekte, wie dem geplanten barrierefreien Umbau des Rathauses, taten sich nicht alle Räte leicht, ihre Zustimmung zu erteilen.

Die finalen Kosten stehen zwar noch nicht fest. Die vorläufige Kostenschätzung liegt jedoch bei rund 4,47 Millionen Euro. 2021 war man noch von etwas mehr als drei Millionen Euro ausgegangen.

Reinhard Kowalzik vom Backnanger Ingenieurbüro Kowalzik stellte den vom Weissacher Büro Dietl Architekten+Ingenieure 2021 ausgearbeiteten und kürzlich überarbeiteten Entwurfsplan in der jüngsten Sitzung als Brandschutzsachverständiger nochmals vor. „Ich möchte erläutern, wie das Ganze zustande gekommen ist, weil die Zahl, die darunter steht, auf den ersten Blick doch ein bisschen erschreckend wirken kann“, sagte Kowalzik einleitend. Um zu sparen, hatten die im Oktober 2023 beauftragten Fachplaner bereits einige Anpassungen am Entwurfsplan getätigt. So wurde etwa die Fahrzeughalle durch eine alternative Statiklösung ohne Innenstützen auf ein Mindestmaß reduziert (wir berichteten).

Zudem wurden unter anderem die Spinde neu angeordnet, um kürzere Laufwege zu schaffen, aber auch der Sanitärbereich für die Damen vergrößert. „Ohne Frauen wird es die Feuerwehr auf Dauer nicht mehr funktionieren“, betonte Kowalzik. Derzeit engagieren sich 85 Aktive (darunter eine Frau) und rund 25 Jugendliche in der Wehr. Umgesetzt werden soll auch eine Schwarz-Weiß-Trennung. Sie soll sicherstellen, dass die von Einsätzen verschmutzte Kleidung nicht in Berührung mit sauberer kommt.

Ein kleinerer Anbau wäre nicht sinnvoll

„Die Lösung, die jetzt auf dem Tisch liegt, ist für mich die sinnvollste“, schloss Kowalzik. Um noch mehr Kosten zu sparen, müsste man den geplanten Anbau deutlich verkleinern, was aber nur mit Abstrichen am bisherigen Raumprogramm möglich wäre. Dies zu tun, wäre aus Sicht des Brandschutzsachverständigen nicht sinnvoll, zumal die Grundkosten für den ersten Stellplatz (in Weissach sind vier eingeplant) schon relativ hoch wären und die relativen Kosten (pro Quadratmeter) dadurch steigen würden. Darüber hinaus solle der Anbau die Feuerwehr ja für die Zukunft gut aufstellen.

Auch Bürgermeister Daniel Bogner betonte, beim Thema Einsparungen sei schon sehr viel gemacht worden. „Wir haben den Anbau wirklich auf das Nötigste reduziert.“ Wo er noch Potenzial sieht, sind die Ausschreibungen und Vergaben. „Da kommt es darauf an, was ich mal in welcher Qualität haben möchte.“ Als Grund für die auch im Vergleich zum November 2022 nochmals höhere Kostenschätzung (siehe Infotext) führte er signifikante Preissteigerungen im Bau in den vergangenen Jahren an.

Gemeinderat Dietmar Schönberger (SPD) brachte die Überlegungen vieler seiner Amtskollegen auf den Punkt: „Das scheint mir ein gelungener Entwurf, der ein gutes Stück weit in die Zukunft geplant ist. Mir stellt sich aber jetzt noch die Frage: Ist das ein Gebäude, das ein Must-have (Anm. d. Red.: Muss) für uns darstellt, oder sind auch viele ‚Wünsch-dir-was-Punkte‘ dabei?“ Carl Höfer (CDU/FVW) stieß in dieselbe Kerbe. „Würde das Ganze auch eine Million billiger gehen?“, fragte er plakativ.

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„Ich sag’s mal so: Den Schritt von einem Sport- zum Kleinwagen haben wir schon gemacht“, antwortete Ingenieur Reinhard Kowalzik. „Wir würden jetzt überlegen, ob wir von einem Auto mit vier Rädern noch ein Rad abschrauben.“ Man könne die Größe auf 75 Prozent des Plans verringern, die Kosten würden aber nicht entsprechend sinken. „Alles, was über die jetzige Planung hinausgeht, würde bedeutende Einschnitte bedeuten, was die Qualität und die Funktionalität betrifft. Im Bereich von goldenen Wasserhähnen sind wir noch lange nicht.“

Einige Kosten sind nicht eingerechnet

Gemeinderat Thomas Heller (UBL) sagte, für ihn seien der Bauhof und die Feuerwehr immer Pflichtaufgaben gewesen. Wenn er auf den diesjährigen Haushaltsplan schaue, falle es ihm aber nicht leicht, der Planung zuzustimmen. Viele Kosten – etwa für die Spinde oder die geplante Verlegung eines Kanalsammlers – seien nicht einmal mit eingerechnet. Alles in allem komme man am Ende auf rund fünf Millionen Euro, schätzte Bauamtsleiter Markus Stadelmann.

Königs Fraktionskollege Holger Kugler erkundigte sich nach dem Zustand des Altbaus. Es könne sein, dass man diesen trotz des Anbaus noch sanieren müsse, antwortete Bürgermeister Bogner. Ralf Noack (SPD) entgegnete, für ihn gehöre die Sanierung in die Rechnung eigentlich hinein.

Trotz des allgemein großen Wunschs, weiter Geld einzusparen, missfiel vielen, dass in der neuen Planung die Waschplatte für die Reinigung der Fahrzeuge entfallen sollte und die Feuerwehrleute stattdessen die Waschplatte des Bauhofs im knapp drei Kilometer entfernten Bruch nutzen sollten. Er bitte darum, lieber bei anderen Punkten wie den geplanten E-Ladesäulen zu sparen, forderte etwa Oliver Fiechtner. Architekt Werner Dietl zufolge liegen die Kosten für eine Waschplatte bei zirka 35000 Euro. Fiechtners Fraktionskollege Markus Gentner bekräftigte, ihm komme es wie ein Schildbürgerstreich vor, bei derartig hohen Gesamtkosten ausgerechnet auf den Posten zu verzichten. Bogner sagte, man könne die Waschplatte gerne wieder aufnehmen, wenn das der Wunsch des Gremiums sei.

Carl Höfer forderte, einen Bauausschuss mit Vertretern der Verwaltung, der Feuerwehr und des Gemeinderats zu bilden und darin weitere Einsparmöglichkeiten zu prüfen, etwa in Bezug auf die angedachte Flachdachlösung oder die Verlegung des Kanalsammlers. Dies wurde in die Beschlussvorlage aufgenommen. Die Mehrheit der Räte votierte dafür. Irmgard Hestler (SPD) enthielt sich, Thomas Heller und Thomas Obermüller (LWB) stimmten dagegen.

Die Vorgeschichte zum geplanten Um- und Anbau des Weissacher Feuerwehrgerätehauses

Anlass Der aktuelle Feuerwehrbedarfsplan der Freiwilligen Feuerwehr Weissach im Tal stellt fest, dass ein Anbau für Sanitär- und Umkleideflächen als Ersatz der nicht mehr regelkonformen Sozialanlagen sowie für weitere, insbesondere größere, Fahrzeugstellplätze benötigt wird. Der Plan wurde 2019 vom Gemeinderat beschlossen.

Vorhaben Verschiedene Vorentwurfsvarianten wurden sodann vom zuständigen Büro Dietl Architekten+Ingenieure gefertigt. In einer nicht öffentlichen Vorberatung am 18. Juni 2020 hatte man sich darauf verständigt, als ersten großen Schritt einen großen Anbau nach Westen mit vier neuen höheren Fahrzeugboxen errichten lassen zu wollen. Daraufhin wurde das Büro Dietl im Oktober 2021 abschnittsweise mit dem Gesamtvorhaben beauftragt.

Kosten Im November 2022 informierte Bürgermeister Daniel Bogner die Rätinnen und Räte darüber, dass das Projekt teurer werden würde als erwartet: Es würde mit rund vier statt drei Millionen Euro zu Buche schlagen. Immerhin könne die Gemeinde eine Förderung in Höhe von 925000 Euro aus dem Ausgleichsstock sowie rund 230000 Euro aus dem Förderprogramm ZFeu erhalten. Aufgrund der zu erwartenden Gesamtkosten mussten die Architektenleistung für die Realisierung des Anbaus europaweit ausgeschrieben werden. Den Zuschlag erhielt im Juli 2023 das Architekturbüro Lithium Designers aus Frankfurt. Darüber hinaus wurde die Verlegung eines Kanalsammlers für rund 280000 Euro beschlossen. Mittlerweile liegt die Kostenschätzung nochmals höher sowohl für das Gesamtprojekt (rund 4,47 Millionen Euro) als auch für die Verlegung des Kanalsammlers (etwa 500000 Euro), die zusätzlich anfällt.

Entwurfsplan Im Oktober 2023 wurden die Fachingenieure (Statik, Haustechnik, Bauphysik, Brandschutz und Fachplaner DIN 14092) beauftragt. Sie überprüften den Vorentwurf des Büros Dietl vom 18. Oktober 2021 und passten ihn an die aktuellen technischen Regeln und Unfallverhütungsvorschriften an. Der finale Entwurfsplan wurde im Januar dieses Jahres vom Gemeinderat beschlossen.

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Erstellt:
25. März 2024, 10:30 Uhr

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