Der Dreiklang der Fahrradsicherheit in Backnang

Nach den Wintermonaten holen dieser Tage viele wieder ihr Fahrrad aus der Garage. Dieses gilt es nun für die Radsaison fit zu machen. Der ADFC Backnang bietet dabei Hilfe an, doch Vorstand Jürgen Ehrmann sagt auch: „Einiges können und sollten die Leute regelmäßig selbst checken.“

Jürgen Ehrmann empfiehlt für den Check den Gang zu einer Radservicesäule wie jener am Backnanger Bahnhof. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Jürgen Ehrmann empfiehlt für den Check den Gang zu einer Radservicesäule wie jener am Backnanger Bahnhof. Foto: Alexander Becher

Von Kai Wieland

Backnang. Bremse, Licht, Reifendruck. „An diesem Dreiklang hängt letztlich meine Sicherheit“, betont Jürgen Ehrmann. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Backnang steht mit seinem Einkaufsfahrrad an der Radservicesäule am Backnanger Bahnhof und demonstriert am Objekt die einzelnen Schritte eines Frühjahrschecks. „Genauso wie viele nach dem Winter zum Reifenwechsel in die Autowerkstatt fahren, sollte man sich das Rad zumindest einmal genau anschauen und es bei Bedarf auch in die Werkstatt bringen.“

Um festzustellen, ob der Gang zum Fachmann wirklich notwendig ist, brauche man allerdings kein Experte zu sein, betont Ehrmann. „Es ist kein Hexenwerk. Unser Tipp an die Menschen ist daher, dass man vieles selbst machen kann. Aber wir helfen natürlich auch gerne dabei.“ Dies passiert etwa im Rahmen der Codierungsveranstaltungen und Touren des ADFC. Sie finden das ganze Jahr hinweg regelmäßig statt, aber gerade jetzt vor der Fahrradsaison sei der Zulauf am größten und man lege dann auch besonderes Augenmerk auf die Checks, erklärt der Vorstand. „Das Jahr über machen wir das ansonsten en passant mit.“

Mit seinen Veranstaltungen und Infoflyern richtet sich der Verein vor allem an „Normalfahrer“, also nicht an Rennradfahrer oder Downhill-Cracks. Kurz und knackig – „in maximal zehn Minuten ist das erledigt“, so Ehrmann – werden dabei die grundsätzlichen und für die Sicherheit wichtigsten Bereiche des Fahrrads geprüft. Dabei spiele es keine Rolle, um was für eine Art von Fahrrad es sich handle. „Die Hauptklientel sind ältere Pedelecfahrer“, sagt Jürgen Ehrmann. „Aber auch die Lastenräder nehmen mittlerweile zu. Da ist die Wartung wegen des hohen Gewichts von noch größerer Bedeutung. Die langlaufenden Ketten und Riemen müssen gut gepflegt werden.“ Als Sorgenkinder bezeichnet er die E-Bikes, da diese schwer sind und folglich mehr Stress auf den Bremsen lastet. „Je mehr Ältere mit schweren E-Bikes unterwegs sind, desto wichtiger ist es, dass deren Bremsen funktionieren.“ Auch Kinder sind bei den ADFC-Veranstaltungen gerne gesehen, schließlich sind gerade diese viel mit dem Rad unterwegs und profitieren von einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit der technischen Seite.

Drei wichtige Schritte für die Sicherheit

Ergibt die Prüfung schließlich einen Befund, ist der Weg in die Werkstatt für durchschnittliche Fahrradbesitzer allerdings unvermeidlich. „Wir bieten den Check an, aber keine Reparaturen“, betont Jürgen Ehrmann. „Die Technik schreitet immer weiter voran, die Räder werden immer teurer. Das bedeutet aber auch, dass man immer weniger selbst reparieren kann.“

Der erste Blick des Checks sollte den Bremsen gelten, findet Jürgen Ehrmann. „Heutzutage haben ja insbesondere die E-Bikes Scheibenbremsen, aber bei diesen können wir genauso eine Sichtprüfung vornehmen wie bei den normalen Felgenbremsen.“ Ist auf dem Träger kein Bremsbelag mehr erkennbar (siehe Info am Textende), sollte man den Gang zum Händler antreten. Dasselbe empfiehlt der Vorstand des ADFC, wenn die Hydraulikbremsen entlüftet werden müssen. „Manchmal kommt da Luft rein, das merkt man daran, dass die Bremse weich wird.“ Soll heißen: Selbst wenn man die Handbremse mit maximaler Kraft zieht, sollte noch zumindest ein Finger zwischen Bremshebel und Griff passen.

Weitere Themen

Im zweiten Schritt wendet sich Jürgen Ehrmann dem Licht zu. Der zugehörige Test gestaltet sich hier denkbar einfach: „Anschalten und schauen, ob es brennt: Das kann jeder und muss auch jeder selbst machen“, betont er. Weitaus häufiger liege das Problem allerdings ganz woanders, ergänzt er schmunzelnd. „Die meisten Teilnehmer bei unseren Veranstaltungen haben nagelneue E-Bikes, bei denen sie aber die Bedienelemente noch nicht genau kennen. Manchmal geht es nur darum, den richtigen Knopf zu drücken, um das Licht dauerhaft anzuschalten.“ Fahrradfahrern rät Ehrmann übrigens, ihr Licht auch tagsüber anzuschalten. „Radfahrer, vor allem mit dem E-Bike, sollten das genauso handhaben wie Motorradfahrer.“

Der Reifendruck ist besonders bei schweren Rädern wichtig

Der dritte wichtige Punkt des Checks widmet sich schließlich dem Reifendruck, der besonders bei schweren Rädern, also E-Bikes, wichtig ist. „Ist der Reifendruck zu gering, kann der Reifen von der Felge springen. Ist er zu hoch, ist das schädlich für den Reifen.“ Das obligatorische Reifendrücken reiche dafür in den meisten Fällen nicht aus. „Bei einem Rennrad mit schmalen Reifen kann ich das machen, wenn ich ein gutes Gefühl dafür habe, aber bei einem E-Bike ist der Reifen zu breit, da spürt man das nicht mit den Fingern.“ Aber woher weiß man dann, welcher Luftdruck der richtige ist? Da helfe nur ein Blick in den Fahrradpass oder auf die Flanke des Reifens, in welche die Werte für den Normal- und den Maximaldruck eingeprägt seien. Mithilfe eines Manometers, das man beispielsweise an einer Radservicestation findet (siehe Infotext), kann der Reifen anschließend dementsprechend aufgepumpt werden.

Mit diesen drei Schritten hat man bereits viel für die eigene Verkehrssicherheit getan, doch natürlich gibt es noch einige weitere Aspekte, denen man Beachtung schenken sollte, etwa der Kette. „Eine Frage, die ich gerne stelle, ist die nach dem Alter des Rads und den Fahrgewohnheiten“, erklärt Jürgen Ehrmann. „Eine Kette hält bei einem E-Bike pi mal Daumen 3000 Kilometer, eine gute Rennradkette vielleicht auch 6000 Kilometer.“ Davon ausgehend könne man bereits abschätzen, ob etwas zu tun sei. Ansonsten bezeichnet Ehrmann regelmäßiges Einölen als wichtig, allerdings nur mit dem richtigen Öl und zudem lieber sparsam. „Zu viel Öl zieht den Schmutz eher an, auf lange Sicht ist das kontraproduktiv.“

Wenn die Schaltung nicht richtig greift und etwas schleift, reiche es oft schon aus, diese richtig einzustellen. „So etwas erledigen wir bei unseren Checks on the fly“, sagt Jürgen Ehrmann.

Anleitung Für den anstehenden Fahrrad-Check bietet der ADFC eine Schritt-
für-Schritt-Anleitung, die unter www.t1p.de/s2356 als PDF heruntergeladen werden kann. Unter Punkt 7 (Bremsen) fehlt aktuell noch der Hinweis zum Umgang mit Bremsscheiben. „Der Flyer wird dahingehend gerade überarbeitet“, sagt Jürgen Ehrmann. Die nächste Codierungsveranstaltung des ADFC Backnang findet am Montag, 8. April, um 15.30 Uhr im Mariazeller Weg 3 in Backnang statt. Um Anmeldung unter backnang@adfc-bw.de wird gebeten.
Radservicesäulen im Rems-Murr-Kreis

Verbreitung Mehr als 60 Radservicesäulen findet man mittlerweile im gesamten Rems-Murr-Kreis, unter anderem am Backnanger Bahnhof, in Maubach und in den meisten umliegenden Gemeinden. Das Projekt wird vom ADFC mitbetreut und unter anderem aus Fördermitteln finanziert. Die Säulen befinden sich aber im Besitz der jeweiligen Kommunen und werden von diesen gewartet.

Nutzung „Die Säulen werden im Allgemeinen sehr gut angenommen“, sagt Jürgen Ehrmann. „Man sieht regelmäßig Pedelecfahrer, die dort ihre Reifen aufpumpen, und die BMX-Biker in Maubach benutzen gerne das Werkzeug.“

Vandalismus Leider werden die Radservicesäulen regelmäßig Opfer von Vandalismus. „An der Bleichwiese wurde jetzt schon mehrfach die Pumpe geklaut“, bestätigt Ehrmann. „Wir haben das angesichts des Spielplatzes eigentlich für einen guten Standort gehalten, aber die Säule wird jetzt verlegt und deshalb vorerst auch nicht repariert.“ Vandalismus sei allerdings kein generelles Phänomen, sondern vor allem abhängig vom Standort. „In Allmersbach im Tal oder Maubach zum Beispiel haben wir damit gar kein Problem.“

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Erstellt:
26. März 2024, 06:00 Uhr

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