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Der große Wurf am Standort Backnang

Die Modernisierung und Erweiterung der Straßenmeisterei in der Weissacher Straße nimmt Formen an. Künftig sollen hier im Zuge der neuen Standortkonzeption auch Personal und Gerätschaften aus Murrhardt unterkommen.

Noch ist die neue Lagerhalle der Straßenmeisterei ein Gerippe, in wenigen Monaten soll sie jedoch fertig sein.Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Noch ist die neue Lagerhalle der Straßenmeisterei ein Gerippe, in wenigen Monaten soll sie jedoch fertig sein.Fotos: J. Fiedler

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Noch sehen die künftigen Sozialbereiche und die Lagerhalle der Straßenmeisterei Backnang in der Weissacher Straße nach Baustelle aus. Was wo sein wird, kann man oft nur den Erläuterung des Bauleiters Roland Jung vom Architekturbüro Vix entnehmen. Ein Gemeinschaftsraum mit Küche, Sanitärräume, das Büro für den Gerätewart, ein Trocknungsraum für klamme Arbeitskleidung – all das soll bis Ende des Jahres weitestgehend bezugsfertig sein. Ein paar abschließende Arbeiten an der Technik ziehen sich wohl noch in das kommende Jahr hin, erklärt Jung.

Nötig wurde die Modernisierung des Standorts in Backnang aus mehreren Gründen, allen voran die Veränderungen der Struktur des Straßenbetriebsdiensts im Landkreis. Derzeit ist der Rems-Murr-Kreis in zwei Straßenmeistereibezirke aufgeteilt: Backnang und Weinstadt. „Früher waren es vier, damals waren Murrhardt und Schorndorf noch eigenständig“, erläutert Matthias Straus, der Leiter des Straßenbauamts. Diese wurden bisher als Stützpunkte beibehalten, doch auch hier steht Veränderung an. „Auf längere Sicht wird der Standort Murrhardt wohl aus dem Programm genommen“, so Straus. Lediglich eine Streusalzhalle und ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter sollen demnach im nordöstlichen Kreisgebiet noch vorgehalten werden. Dafür ist neben Murrhardt auch Sulzbach-Bartenbach im Gespräch. Angesprochen auf den Weg der Mitarbeiter dorthin im Falle eines Einsatzes räumt Straus ein: „Es zieht sich mit der Fahrt.“ Doch sei das für die Standortkonzeption des Kreises untersucht und der Standort in Backnang für ausreichend geeignet befunden worden. Zumindest von der Lage her – denn wenn Personal, Fahrzeuge und Geräte aus Murrhardt dort aufgenommen werden sollen, reiche der Platz nicht aus.

Und nicht nur das, auch der Zustand des Gebäudes ließ zu wünschen übrig. Dieser stamme aus 1974, so Straus. „Es war höchste Zeit, hier etwas zu tun.“ Schon allein unter dem Gesichtspunkt des Arbeit- und Gesundheitsschutzes. Der alte Aufenthaltsraum „war ein dunkles Loch“, weiß der Straßenbauamtsleiter. Und auch Bauleiter Jung pflichtet bei: „Das war nicht mehr zumutbar.“ Die handwerklich begabteren Mitarbeiter hätten hier und da Ausbesserungen vorgenommen, nun war aber der große Wurf notwendig. Das alte Gebäude wurde zum Teil abgerissen, zum Teil entbeint und bekommt nun mit einer ressourcenschonenden Holzbauweise ein neues Gesicht. „Die hellen, hohen Räume sind viel großzügiger gestaltet als bisher“, erklärt Jung. Zudem gibt es nun nach Geschlechtern getrennte Sanitärräume, der Gerätewart bekommt ein eigenes Büro mit Blick auf den Hof und ein freundlicher Aufenthaltsraum mit Teeküche lädt zum Verweilen ein. „Unsere Straßenmeisterei ist manchmal die ganze Nacht über im Einsatz, es ist wichtig, dass die Mitarbeiter eine adäquate Unterbringung bekommen“, hebt Straus hervor. Ein weiterer Pluspunkt des neuen Baus: Den Mitarbeitern steht ein Trocknungsraum zur Verfügung. Wenn sie also mal wieder bei Wind und Wetter zum Einsatz müssen, können die Mitarbeiter ihre klamme Kleidung zum Trocknen auf beheizbare und belüftbare Bügel hängen.

Der Kostenrahmen hält bisher, der Zeitrahmen hingegen nicht.

Geheizt wird mit Gas. Zwar war im zuständigen Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags lange und kontrovers über den Einsatz einer Holzpelletheizung diskutiert worden, letztendlich haben sich die Räte jedoch für die vom Landratsamt präferierte Variante entschieden. Zum einen sei eine Gasheizung weniger störanfällig, hebt Matthias Straus hervor. Zum anderen seien die CO2-Emissionen auch um ein Drittel geringer. Zur Einsparung von CO2 tragen außerdem die Stromerzeugung durch Fotovoltaik, die Warmwasserbereitung durch Solarkollektoren sowie die Wärmedämmung bei.

Der Kreisverwaltung sei es auch wichtig, ihren Mitarbeitern ein entsprechendes Arbeitsumfeld zu bieten, hebt Matthias Straus hervor. Gerade in der Straßenmeisterei habe man große Probleme, Nachwuchs zu gewinnen, konkurriere man doch mit den großen Firmen der Metropolregion Stuttgart. Die Modernisierung des Standorts diene also auch der Mitarbeitersicherung. So werde beispielsweise durch die Umstellung auf eine digitale Betriebstechnik ein effektiveres Arbeiten ermöglicht. Die Erweiterung und Modernisierung der Sozialbereiche und der Lagerhalle lässt sich der Landkreis auch einiges kosten: 1,4 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. Bisher seien auch keine großen Überraschungen dabei gewesen, die das Vorhaben wesentlich verteuern, „derzeit halten wir uns im Rahmen“, so Straus. Durch die Coronapandemie hat sich allerdings der Zeitplan etwas verschoben: Manche Materialien seien nur schwer zu bekommen, außerdem habe man beispielsweise die Elektroarbeiten mehrfach ausschreiben müssen, erklärt Jung.

Veit Klausmann, der zuständige Fachbereichsleiter, berichtet: „Ende vergangenen Jahres haben die Vorarbeiten begonnen. Anfang 2020 wurden Container aufgestellt, in denen die Mitarbeiter vorübergehend untergebracht werden.“ Dass die Aufenthaltsräume auch dort rege genutzt werden, zeigt ein kleiner Rundgang. Dennoch freuen sich alle Beteiligten darauf, wenn bald der Umzug in die neuen Räume ansteht. „Vielleicht klappt es noch vor Weihnachten“, stellt Bauleiter Jung in Aussicht.

Bauleiter Roland Jung (rechts) erklärt Straßenmeistereileiter Horst Kübler, Straßenbauamtsleiter Matthias Straus und Fachbereichsleiter Veit Klausmann die Vorteile der Holzbauweise.

© Jörg Fiedler

Bauleiter Roland Jung (rechts) erklärt Straßenmeistereileiter Horst Kübler, Straßenbauamtsleiter Matthias Straus und Fachbereichsleiter Veit Klausmann die Vorteile der Holzbauweise.

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Erstellt:
27. August 2020, 06:00 Uhr

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