Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Der Sommerpalast stellt sich neu auf

Im 25. Jahr des Murrhardter Kulturfestivals ist der Plan, den Betrieb über eine gemeinnützige GmbH zu organisieren

Der Sommerpalast ist schon lange über seine Volljährigkeit hinaus, im kommenden Juli geht er in sein 25. Jahr. Nun soll die Organisation neu ausgerichtet werden, um dem Kreis der vielen Mitwirkenden besser gerecht werden und auch selbstständiger agieren zu können. Der erste Schritt, die Gründungsversammlung des Vereins Palastkultur, ist Dienstagabend erfolgt.

Der Sommerpalast in Murrhardt lebt vor allem durch die vielen Ehrenamtlichen, die hinter dem Festival stehen, es zu einer Begegnungsplattform und einem spannenden Experimentierfeld für alle Beteiligten machen. Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der Sommerpalast in Murrhardt lebt vor allem durch die vielen Ehrenamtlichen, die hinter dem Festival stehen, es zu einer Begegnungsplattform und einem spannenden Experimentierfeld für alle Beteiligten machen. Archivfoto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. „Es ist einfach Zeit, den Sommerpalast auf neue Beine zu stellen“, sagt Mitbegründer Hardy Wieland. „Der Betrieb ist immer größer geworden, unglaublich viele Ehrenamtliche engagieren sich und der Umsatz entspricht dem eines kleinen Unternehmens.“ Gleichzeitig ist dieses Wirbeln und Wirken, das Fachleute als operatives Geschäft bezeichnen, mehr oder weniger abgekoppelt von der Verantwortung – die Stadt Murrhardt haftet, ist aber verwaltungstechnisch nicht immer mit allen Details vertraut, beschreibt er die Ausgangslage. Vor diesem Hintergrund gab es nun Überlegungen, wie sich eine neue Organisationsform finden lässt, die dem Festival, den Mitwirkenden und Besuchern besser gerecht werden kann. Nach grundsätzlichen Gesprächen mit Bürgermeister Armin Mößner und Kulturamtsleiter Uwe Matti sowie einer fachlichen Beratung hat sich für Hardy Wieland eine gute Möglichkeit herauskristallisiert, auch wenn die Konstruktion auf den ersten Blick komplex erscheint.

Im Zentrum steht dabei die Gründung einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH). Sie hat gegenüber einem Verein, bei dem Vorstände mit ihrem Privatkapital haften, den Vorteil, dass das Risiko vergleichsweise eingeschränkt ist. „Natürlich dürfen die Verantwortlichen nicht in irgendeiner Form fahrlässig handeln“, erklärt Wieland. Bisher hat er den Kontakt zu den Künstlern aufgebaut und das Kulturprogramm gestaltet sowie gemeinsam mit den Helfern die Gastronomie weiterentwickelt. Insofern wäre Wieland auch bereit, als Geschäftsführer dieser gGmbH anzutreten. „Der wichtigste Motor des Sommerpalastes sind aber die Ehrenamtlichen. Im Grunde genommen ist das Festival ein riesiges Sozialprojekt. Es gibt flache Hierarchien und es lässt sich austesten, wie Gesellschaft funktioniert.“ Dadurch, dass sich so gut wie jeder beteiligen kann, treffen nicht nur unterschiedliche Menschen aufeinander, sie haben auch die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Für Wieland zählt dann nicht Status oder Alter, sondern Kompetenz. Kann ein Jugendlicher gut kochen, muss er nicht zurückstehen, um einem Erwachsenen diesen Part einzuräumen.

Allerdings ist mit dem Wunsch, sich noch selbstständiger zu machen, Organisation und die passende Strukturfindung verbunden. Es braucht ein Stammkapital für die gGmbH – auch wenn die Stadt künftig um einen Zuschuss gebeten werden soll. Um die im ersten Schritt benötigten 12500 Euro zusammenzubekommen, ist die Idee, Unterstützer anzusprechen, dass dieser einmalige Betrag für den Einzelnen (als Mitglied) nicht zu hoch ausfällt. Aber auch aus Gründen eines breit aufgestellten Festivals, wäre eine Beteiligung von möglichst vielen ein wichtiges Signal, erläutert Wieland. „Damit würden sie sich ja auch konkret zum Sommerpalast bekennen.“

Neuer Verein soll einziger Gesellschafter der gGmbH sein

Die gängige Form der Beteiligung an einer gGmbH ist, Gesellschafter zu werden. Damit sich aber nicht jeder Einzelne als Gesellschafter eintragen muss, war der Plan, einen Sommerpalast-Verein zu gründen, in dem die Unterstützer Mitglied werden können – mit besagtem einmaligen Beitrag. Der neue Verein wäre dann einziger Gesellschafter der gGmbH.

Wer mit dem Sommerpalast und dem Engagement der Murrhardter für ihr Festival vertraut ist, könnte jetzt fragen: Aber weshalb müsst ihr denn einen neuen Verein gründen? Es gibt doch bereits einen Sommerpalast-Förderverein. Dieser ist vor dem Hintergrund der finanziell schwierigen Lage der Stadt um 2004 entstanden, um das Weiterbestehen zu sichern. Aktuell hat er rund 300 Mitglieder. Wieland erklärt, dass dieser mittlerweile über ein ausgetüfteltes Beitragssystem verfügt – vom einfachen Mitgliedsbeitrag bis hin zu Einzelnen, die sich eine „Eine-für-alles-Karte“ für die Vorstellungen sichern. Dadurch wiederum kann das Team besser planen und eine bestimmte Zuschauerzahl garantieren, die für das Engagement bestimmter Künstler wichtig ist. Somit wäre es schwierig gewesen, dies alles miteinander zu vereinbaren.

Wie schätzt Wieland die finanziellen Herausforderungen ein? Die Erfahrung habe gezeigt, dass es etwa 15000 Euro an festen Kosten wie Zeltmiete und Sicherheitstechnik sind, mit denen man einfach pro Jahr rechnen muss. Insofern setze man auch auf die Unterstützung durch die Stadt. Andererseits mache die Gastronomie auch viel Umsatz. Letztlich sei dies eine politische Entscheidung, wie teuer was gemacht werden müsse, beziehungsweise umgekehrt, ob man ein Festival wolle, bei dem sich alle Speisen und Kultur leisten könnten. Hinzu kommen ökologische Aspekte – bisher hat das Team darauf gesetzt, überwiegend regionale Zutaten zu verwenden.

Bürgermeister Armin Mößner hat bereits im Gemeinderat grob über die Pläne informiert. „Der Sommerpalast ist mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen“, sagte er, und Ziel sei nun, über einen neuen Verein die gGmbH aufzubauen, die dann Veranstalter werden könne. Das hieße für die Stadt, künftig über den Zuschuss zu beschließen und das Festival weiterhin ideell zu begleiten.

Die Chancen der neuen Organisationsform liegen für Hardy Wieland neben besagter breiter Unterstützung auch in dem Bestreben nach mehr Transparenz, inhaltlicher Diskussion und Selbstständigkeit. Dienstagabend ist der allererste Schritt gemacht worden: die Gründungsversammlung und Wahl eines vorläufigen Vorstands, der bereits jetzt viele verschiedene Gruppen repräsentiert. Jetzt heißt es, Mitglieder zu werben.

Info
Als Mitglied mit einmaligem Beitrag Mitstreiter werden

Genereller Fahrplan: Nach der Gründungsversammlung beginnt jetzt die wichtige Phase der Mitgliederwerbung bis Mitte Februar. Ziel ist es, möglichst schnell rund 500 Mitglieder zusammenzubekommen, die mit einem einmaligen Beitrag von mindestens 20 Euro beim Stammkapital mithelfen. Dann soll die erste Mitgliederversammlung stattfinden, bei der der Verein auf einen demokratischen Weg gebracht, die Satzung beschlossen sowie der endgültige Vorstand gewählt wird. Im Anschluss ist die Gründung der gGmbH vorgesehen. Ende April soll sie geschäftsfähig sein.

In der vorläufigen Satzung formuliert sind Zwecke und Ziele des Vereins, etwa die Förderung von Kunst, Kultur und Kulinarik im Sinne einer nachhaltigen, sozialen, ökologischen, vielfältigen, kreativen und gerechten Gestaltung einer lebenswerten Zukunft in der Stadt Murrhardt. Dabei berücksichtige der Verein die Diversität in der Bevölkerung und stehe für Toleranz. Sämtliche Projekte richten sich an alle Alters- und sozialen Gruppen insbesondere aber auch an Kinder und Jugendliche. Sie sollen dazu ermächtigen, die Zukunft nachhaltig zu gestalten.

Mitgliederanträge liegen absofort in Murrhardter Geschäften aus und finden sich zum Download auf der Homepage www.sommerpalast.de.

Zum Artikel

Erstellt:
24. Januar 2020, 16:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

In Althütte sind die Narren los

Gruselig-buntes Spektakel im Ortskern – 40 Gruppen nehmen am Umzug teil – Narrenzunft feiert ihr 25-jähriges Bestehen