Deutlich mehr Glasfaser als 2019

Der vor über zwei Jahren gegründete Zweckverband Breitbandausbau liefert im Ausschuss des Kreistags einen Zwischenbericht seiner Arbeit und spricht von einer nachhaltigen Verbesserung der Versorgung mit schnellem Internet im Rems-Murr-Kreis.

Die Grafik zeigt geplante und abgeschlossene Projekte für Glasfaserausbau im Rems-Murr-Kreis in farblicher Unterscheidung. Dabei bedeutet PH Privathaushalt und GWG Gewerbegebiet. Grafik: Landratsamt

Die Grafik zeigt geplante und abgeschlossene Projekte für Glasfaserausbau im Rems-Murr-Kreis in farblicher Unterscheidung. Dabei bedeutet PH Privathaushalt und GWG Gewerbegebiet. Grafik: Landratsamt

Von Bernhard Romanowski

Rems-Murr. Ob zum privaten Surfen oder aus beruflichen Gründen, ob für den Fernunterricht von Schülern oder die Vernetzung unterschiedlicher Akteure etwa im Katastrophenfall: Das Internet ist aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken, wie auch gerade die Coronakrise deutlich gemacht hat. „Eine flächendeckende Breitbandanbindung mit Glasfaser ist für die digitale Gesellschaft und für einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort unerlässlich“, so formuliert es die Verwaltung des Rems-Murr-Kreises in Waiblingen. Michael Murer, seines Zeichens Breitbandkoordinator im Landratsamt, zog jüngst im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags ein Zwischenfazit, wo der Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr mit seinen Bemühungen nun steht.

Mit der Gründung des Zweckverbands im Februar 2019 habe der Breitbandausbau im Kreisgebiet deutlich an Fahrt aufgenommen, so Murer: „Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden, die bereits vor Gründung des Zweckverbands Ausbauvorhaben gestartet waren, konnte eine nachhaltige Verbesserung der Versorgungssituation im Landkreis erreicht werden.“ Von den 114 Gewerbegebieten im Rems-Murr-Kreis sind demnach 53 bereits mit Glasfaserleitungen ausgebaut. Die Zahl der gigabitfähigen Haushalte konnte um das rund Zehnfache gegenüber 2019 erhöht werden. „Bis Ende 2021 werden fast 21000 Haushalte und Unternehmen an Rems und Murr einen Glasfaseranschluss buchen können“, verkündet der Zweckverband. „Die Coronapandemie hat uns deutlich vor Augen geführt, dass die Zeit des Handelns überfällig ist und Glasfaseranschlüsse für ein schnelles Internet jetzt mehr denn je benötigt werden. Als Landkreis setzen wir uns mit Nachdruck dafür ein, dass im Schulterschluss mit den Kommunen der Breitbandausbau vorankommt, vor allem auch im ländlichen Raum“, so Landrat Richard Sigel.

Beim Mobilfunkausbau und 5G besteht großer Bedarf an fachlicher Information

Der Rems-Murr-Kreis nehme hierbei die Rolle des Koordinators und Vermittlers zwischen den Unternehmen, Fördermittelgebern aus Bund und Land sowie den Kommunen ein und steuere das technische Know-how der Ingenieure aus dem Vermessungsamt bei, so der Landrat. Ergänzend zu den Vorstellungen der Telekom werden vom Zweckverband in enger Abstimmung mit den Verbandskommunen Vorschläge zum weiteren Ausbau des Glasfasernetzes erarbeitet. Auch mit den breitbandaktiven Stadtwerken bleibe der Landkreis weiter im Gespräch, um eine Kooperation verwirklichen zu können. Beim Mobilfunkausbau und 5G besteht ein großer Bedarf an fachlicher Information, so die Kreisverwaltung. Der Zweckverband sei auch in diesem Bereich aktiv und habe mit einem Fachforum für kommunale Entscheidungsträger zu einer Versachlichung der Diskussion beigetragen. Er werde die Kommunen auch weiterhin unterstützen. 2019 wurde für etwa 1500 Haushalte und Unternehmen in Allmersbach im Tal und in zwei Gewerbegebieten ein Zugang zum Glasfasernetz hergestellt. 2020 folgten weitere rund 13300 Anschlüsse in Backnang (Innenstadt), Fellbach (Fellbach-Süd) und Winnenden (Schelmenholz und Hanweiler) sowie in acht Gewerbegebieten im Landkreis Rems-Murr. Damit konnte der Anteil der Glasfaserversorgung in Haushalten von 0,9 Prozent Mitte 2019 auf 8,1 Prozent im Dezember 2020 gesteigert werden.

2021 begann zudem der Ausbau in einem zweiten Bauabschnitt in Fellbach (Fellbach-Nord/Schmiden-Süd) mit 3900 Haushalten und Unternehmen sowie in drei Gewerbegebieten. Ende 2021 folgt ein weiteres Gewerbegebiet in Oppenweiler.

„Telekom ist nicht unser Exklusivpartner“

Konkurrenz Vielerorts im Kreisgebiet ist die Deutsche Telekom beim Breitbandausbau mit im Boot. Das Unternehmen habe anfangs zwar nur ein einziges Konzept gehabt, das überall passen sollte, wie im Ausschuss zu hören war. Mittlerweile habe es sich aber breiter aufgestellt. Doch auch das Engagement anderer Telekommunikationsunternehmen wie etwa Deutsche Glasfaser, Netcom BW oder BBV Deutschland habe deutlich zugenommen. „Die Telekom ist nicht unser Exklusivpartner, aber ein verlässlicher Partner“, so Landrat Sigel. Sie mache vielfach Angebote, wo sonst kein Unternehmen ein Angebot macht.

Satellitentechnik Max-Eric Thiel (AfD-Fraktion) fragte derweil im Ausschuss, ob nicht auch Starlink eine Option für den Kreis sei, also der satellitenbasierte Internetdienst des Space-X- und Tesla-Chefs Elon Musk. Das sei zwar teurer als ein üblicher Internetanschluss, aber man müsse „keine 20 Kilometer Kabel verlegen“, so Thiel. „Starlink ist in Einzelfällen und als Brückentechnologie denkbar, aber nur ausnahmsweise beziehungsweise übergangsweise in Einzelfällen“, antwortete Murer. „Der Datenhunger unserer Gesellschaft wächst immer weiter. Wir kommen am Glasfaserausbau nicht vorbei“, zeigte sich auch Christoph Jäger (CDU-Fraktion) überzeugt. „Wir wollen Glasfaser bis ins Haus, nicht nur bis zum Verteilerkasten“, so Landrat Sigel zu den Ausbauzielen. bro

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Erstellt:
29. September 2021, 06:00 Uhr

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