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Devrikis entscheidet Dreikampf für sich

Der 39-jährige Murrhardter hat es geschafft: Er hat bei der Nominierung des CDU-Kandidaten für die Landtagswahl 2021 im zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht und damit die Konkurrenz übertrumpft – Reinhold Sczuka und Christina Stumpp.

Mit diesem Gespann zieht die CDU im Wahlkreis Backnang in den Landtagswahlkampf: Georg Devrikis (links) und Tom-Lukas Lambrecht. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Mit diesem Gespann zieht die CDU im Wahlkreis Backnang in den Landtagswahlkampf: Georg Devrikis (links) und Tom-Lukas Lambrecht. Fotos: J. Fiedler

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Es sollte ein langer Abend in der Seeguthalle werden – nicht wegen ausufernder Redebeiträge oder langwieriger Debatten, wie man vielleicht vermuten könnte, im Gegenteil: Die Redezeit für die drei Bewerber um die Nominierung war auf jeweils zehn Minuten begrenzt worden, zudem gab es, wie sich zeigen sollte, seitens der Mitglieder weder für Fragen an das Aspirantentrio noch für eine Personaldiskussion unter Ausschluss der Bewerber Bedarf. Es war vielmehr das coronabedingt schwierigere formale Prozedere, das die Kandidatenkür in die Länge zog.

So bildeten sich vor Beginn der Nominierungsversammlung lange Schlangen am Eingang der Halle, weil alle sich – unter Wahrung der Abstandsregeln – in die Listen eintragen mussten. Zudem herrschte großer Andrang: Rund 200 Mitglieder und etliche Gäste wollten dabei sein, mitentscheiden, miterleben. 23 Minuten Verspätung kamen auf diese Weise schon am Anfang zusammen, ehe überhaupt der CDU-Kreisvorsitzende Joachim Pfeiffer erst die Veranstaltung eröffnen konnte. 45 Prozent der Mitglieder im Wahlkreis seien gekommen, freute sich der Urbacher, der für den Wahlkreis Waiblingen auch im Bundestag sitzt. An dem Zustrom zeige sich, „dass die Partei lebt“. Zugleich erinnerte er daran, dass die CDU im Wahlkreis stets das Direktmandat geholt hat. Die Mandatsträger seit 1968 waren sogar zugegen: Erich Schneider (bis 1992), Rosely Schweizer und seit 2001 Wilfried Klenk.

Eine Prognose über den Ausgang? Viele Besucher rechneten mit einem dritten Wahlgang, es herrschte große Spannung. Wilfried Klenk, der den Wahlkreis aus dem Effeff kennt, bemerkte beim Blick in den Saal, in dem die Stühle in großem Abstand platziert waren, viele neue Gesichter. Es werde stark auf die Mobilisierung ankommen, orakelte er.

Die Reihenfolge bei den Bewerbungsreden wurde ausgelost.

Christina Stumpp hatte – die Reihenfolge wurde ausgelost – als erste Bewerberin das Wort. Die 32-Jährige aus Waiblingen, die in Backnang geboren wurde und auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern in Steinbach aufgewachsen ist, führte ihre berufliche Qualifikation ins Feld. Seit 2012 arbeitet die studierte Steuer- und Wirtschaftsrechtlerin auf Ministeriumsebene, derzeit als Referentin im Leitungsstab Regierungskoordination von Kultusministerin Susanne Eisenmann, und bewegt sich damit dort, wo Landespolitik gemacht wird. Die Regionalrätin würde in den Wahlkreis ziehen und eine junge, zukunftsorientierte und bodenständige Politik anstreben.

Der 53-jährige Reinhold Sczuka empfahl sich mit seiner beruflichen Erfahrung. 1993 wurde er in Althütte erstmals als Bürgermeister gewählt, damals der jüngste im Land. Bei einem Wahlamt gehe es um das Vertrauen der Wähler. Ein Wahlamt sei nicht nur Beruf, sondern auch Berufung. „Ich bin kein Verwalter, sondern ein Gestalter“, sagte er und verwies auf Themen, die er in der Gemeinde und im Kreistag als Vorsitzender der CDU-Fraktion betreibt. Auf Landesebene will der gebürtige Stuttgarter seine Erfahrung einbringen und „den Sachverstand mit im Herzen tragen“. Zudem verfüge er – auch dank ehrenamtlichen Engagements – über ein großes Netzwerk.

Georg Devrikis, gelernter Bankkaufmann und bei der Volksbank Backnang tätig, beschrieb sich selbst als konservativ im Sinne von werterhaltend und als Christ. Der 39-Jährige will als Brückenbauer ein Miteinander zwischen der Partei und den Menschen vor Ort pflegen. Seine Stärken sieht der Murrhardter in der Wirtschaftspolitik, es gehe in der nächsten Zeit besonders darum, Wohlstand und Arbeitsplätze zu erhalten. Deutschland habe die digitale Revolution verschlafen, kritisierte er und attackierte die „Verbots- und Vorschriftshysterie“ einer grüngeführten Politik. Er sprach sich ferner für eine Dienstpflicht aus, die Werte und Respekt vermitteln soll.

Anschließend an die Reden schritten die Mitglieder zur Stimmabgabe im Foyer der Halle, wobei sie vorgezeichnete Wege einhalten mussten. Ergebnis des ersten Wahlgangs: Von 200 abgegebenen Stimmen war eine ungültig. Devrikis erhielt 88, Stumpp 74 und Sczuka 37 Stimmen. Damit hatte keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreicht. Sczuka erklärte, seine Bewerbung nicht weiter aufrechtzuerhalten. Damit wurde der zweite Wahlgang zur Stichwahl zwischen Stumpp und Devrikis. Nun entfielen 107 Stimmen auf den Murrhardter, der sogleich stürmischen Beifall erhielt und gefeiert wurde, 90 Stimmen gingen an Stumpp.

Dann ging es um den Ersatzbewerber. Als einziger Kandidat stellte sich der 23-jährige Tom-Lukas Lambrecht aus Sulzbach an der Murr vor, der 2015 in die Junge Union und die CDU eingetreten ist. Er ist Mitglied im Kreisvorstand von CDU und JU und wurde 2018 Vorsitzender des Ortsverbands Sulzbach. Er absolviert in Tübingen ein Lehramtsstudium.

Sczuka gratulierte Devrikis zur Nominierung und zeigte sich überzeugt, dass er 2021 ein gutes Ergebnis für die CDU erreichen werde. Gleichzeitig bedauerte er, dass er die Mitglieder mit seiner politischen Erfahrung und Bekanntheit nicht überzeugen konnte: „Ich werde mit all meiner Kraft weiterhin die Geschicke der Gemeinde Althütte leiten.“

„Es war ein fairer Wettbewerb zwischen uns drei Kandidaten. Das Ergebnis nehme ich sportlich“, resümierte Christina Stumpp. Wahlentscheidend sei sicherlich gewesen, dass der Murrhardter Ortsverband seine Mitglieder am besten mobilisiert hatte. Sie fügte an: „Georg Devrikis wünsche ich für den anstehenden Wahlkampf viel Erfolg. Entscheidend ist letztlich, dass das Direktmandat verteidigt wird.“ Sie dankte ihren Unterstützern und kündigte an, der CDU als Regionalrätin und aktives Mitglied erhalten zu bleiben: „Zunächst freuen sich mein Mann und ich jetzt aber auf die Geburt unseres Sohnes Anfang September.“

Unter den Bewerbern wird die Reihenfolge bei der Vorstellung ausgelost (von links): Reinhold Sczuka, Georg Devrikis und Christina Stumpp.

© Jörg Fiedler

Unter den Bewerbern wird die Reihenfolge bei der Vorstellung ausgelost (von links): Reinhold Sczuka, Georg Devrikis und Christina Stumpp.

Kommentar
Ambitioniert

Von Armin Fechter

Georg Devrikis tritt in große Fußstapfen. Wilfried Klenk hat das Direktmandat im Wahlkreis viermal gewonnen, vor ihm war dies auch Rosely Schweizer und Erich Schneider ein ums andere Mal gelungen. Der Kreisvorsitzende Pfeiffer machte dies in seiner Eröffnung nicht ohne Grund deutlich. Das soll heißen: Von Devrikis erwartet die Partei nicht weniger, als dass er ebenfalls wieder das Direktmandat gewinnt.

Dabei ist der Murrhardter in dieser politischen Sphäre zurzeit noch ein Newcomer, wenngleich ein ambitionierter. Er kann zwar auf eine engagierte und erfolgreiche Tätigkeit als Stadtrat und Stadtverbandsvorsitzender verweisen, über die Grenzen der Walterichstadt hinaus ist er aber bislang kaum in Erscheinung getreten, seiner Mitgliedschaft im Kreisvorstand und seinem Mandat als Parteitagsdelegierter zum Trotz.

Dass der 39-Jährige dennoch als Sieger aus dem Wettstreit mit zwei überaus qualifizierten Mitbewerbern hervorging, verdankt er im Wesentlichen zwei Faktoren. Zum einen setzte er auf die Seele der christlichen Volkspartei, als er sich in seiner Vorstellungsrede als Mann aus dem Volke mit fester Verwurzelung im Glauben präsentierte. Zum anderen hatte er mit über 50 Stadtverbandsmitgliedern aus Murrhardt eine stattliche Hausmacht mitgebracht, die alle anderen Orts- und Stadtverbände klar überragte.

Und schließlich zog der Katholik ganz nebenbei auch noch die Lacher auf seine Seite, nämlich mit der launigen Bemerkung, als ehemaliger Oberministrant könnte er heute auch Pfarrer sein – wenn das Zölibat nicht wäre.

a.fechter@bkz.de

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Erstellt:
13. Juli 2020, 06:00 Uhr

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