Die Arbeit vor und nach dem Urnengang

Städte und Gemeinden stellen sich dem Auszählmarathon – Auswertung teils mit Softwarehilfe

In Unterweissach haben gestern Mitarbeiter der Gemeinde unterstützt von ehrenamtlichen Helfern den Superwahltag bestritten. Für sie hieß es nach Schließung der Wahllokale alle Ergebnisse in zwei Etappen auszuzählen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

In Unterweissach haben gestern Mitarbeiter der Gemeinde unterstützt von ehrenamtlichen Helfern den Superwahltag bestritten. Für sie hieß es nach Schließung der Wahllokale alle Ergebnisse in zwei Etappen auszuzählen. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Im Backnanger Rathaus ist vergangene Woche ein nagelneuer, 81-Zoll großer Bildschirm angekommen und installiert worden, damit die Bürger die Auszählung und vorläufigen Ergebnisse live miterleben können. Genauso möglich ist dies aber auch mit einer App (WER) per Smartphone, sagt Backnangs Hauptamtsleiter Timo Mäule. Um all dies zu stemmen, sind unzählige Wahlhelfer vor, während und nach dem Urnengang in den Städten und Gemeinden des Rems-Murr-Kreises auf den Beinen. In Backnang waren gestern rund 240 städtische Mitarbeiter sowie Ehrenamtliche. Letztere machen etwa 25 bis 30 Prozent aus. Heute sind es nochmals etwas über 200, hauptsächlich Beschäftigte der Stadt.

Die Rekrutierung hat gut funktioniert, berichtet der Hauptamtsleiter. Neben den Mitarbeitern gibt es einen festen Pool an ehrenamtlichen Kräften, die die Stadt kontaktieren kann. „Es melden sich aber auch immer mal neue Interessierte, wofür wir sehr dankbar sind“, sagt Mäule. Von den 39 Wahlbezirken sind mittlerweile acht allein den Briefwählern zugeordnet. „Das hat sich seit 2014 verdoppelt.“ Die Backnanger machen nach Auszählung der Stimmen der Europa- und Regionalwahl vor Ort in den Wahllokalen einen Schnitt und setzen ihre Arbeit heute mit den Stimmen für den künftigen Gemeinderat, den Kreistag und die Ortschaftsräte fort. Alles in einer Nachtschicht herunterzureißen, sei weder leistbar noch sinnvoll, weil mit der Einsatzlänge auch die Fehlerquote steige, erläutert Timo Mäule. „Für kleine oder mittelgroße Gemeinden, in denen alles zentral abläuft, kann das schon funktionieren, aber bei uns wäre das nicht praktikabel.“ Die Mitarbeiter gehen also heute nun wieder frisch und munter ans Werk. Insbesondere vor dem Hintergrund der etwas komplizierteren Wahlzettel (Gemeinderat und Kreistag), bei denen panaschiert und kumuliert werden kann, sei dies wichtig, gehe Genauigkeit vor Schnelligkeit. Zwei- und dreiköpfige Auszählteams arbeiten dann mit einem Stimmenerfassungsprogramm (WinWVIS) am Computer, das zusätzliche Kontrollmechanismen eingebaut hat und bei logischen Fehlern Meldung gibt, wie beispielsweise höhere Stimmenvergabe als erlaubt. Erfasst wird dabei von der Logik her jeder einzelne Stimmzettel.

Auf diese Software hat Weissach im Tal zum Superwahltag gerade umgestellt, wie Hauptamtsleiter Maximilian Sczuka berichtet. Früher wurden die Stimmen noch mit Strichen auf einem Din A3-Bogen eingetragen. „Natürlich birgt das Fehlerquellen und wir erhoffen uns auch, dass wir dadurch schneller sind“, sagt Maximilian Sczuka.

Umstellung von Papierbogen und Stift auf PC-Eingabe

Angesichts der Auszählung, die für alle Wahlen durchgezogen wird, wäre das natürlich von Vorteil. Vor der Umstellung ging das auch schon mal bis drei oder vier Uhr in der Nacht. Die rund 100 Wahlhelfer, etwa jeweils die Hälfte Gemeindekräfte und Ehrenamtliche, haben acht Wahlbezirke und einen Briefwahlbezirk zu bewältigen. Mitstreiter zu finden, hat für die Gemeinde gut funktioniert, sie verfügt über einen stabilen Helferpool, „was wir wirklich schätzen.“

Das war in Großerlach nicht ganz so einfach, allerdings ist das Verhältnis in der Gemeinde auch entsprechend: Von den 35 Wahlhelfern sind acht eigene Beschäftigte, die übrigen musste man aus der Bürgerschaft gewinnen. „Es sind jetzt auch noch einige Konfirmationen, hinzukommt der Feiertag an Himmelfahrt, sodass der eine oder andere auch einen Urlaub geplant hat“, sagt Hauptamtsleiter Steffen Barth. In den drei Wahlbezirken plus Briefwahlbezirk werden Europa- und Regionalwahlergebnisse vor Ort ermittelt, dann geht es ins Rathaus zur zweiten Etappe, um die Stimmen für den Gemeinderat, Kreistag sowie die Ortschaftsräte auszuzählen. Seit 2016 arbeitet Großerlach hier ebenfalls mit besagter Software. „Wir zählen alles in einem Rutsch aus“, sagt Barth, hofft, dass das Ende gegen 22.30 Uhr absehbar ist.

Ebenso in Auenwald hieß es, viele ehrenamtliche Mitstreiter zu finden, die die Gemeindekräfte unterstützen. „Das wird immer schwieriger, ist einfach ein allgemeiner Trend“, sagt Hauptamtsleiterin Yvonne Bader. Im Einsatz sind 50 Freiwillige und 20 Beschäftigte der Gemeinde. Anders als in so manch überschaubarer Gemeinde teilt sich Auenwald die Auszählung der sieben Wahlbezirke plus eines großen Briefwahlbezirks auf zwei Tage auf. „Wir sehen keine Notwendigkeit, davon abzuweichen. Es wurden seither immer beide Tage genutzt.“ Heute geht es an die Ermittlung der Ergebnisse für Gemeinderat und Kreistag. Im Vorfeld liefen auch Schulungen, und der Gemeinderat hat noch vor Kurzem entschieden, die Sätze für den ehrenamtlichen Einsatz zu erhöhen. „Das ist einfach auch eine Anerkennung“, sagt Bader.

Auch in Murrhardt wird die Auszählarbeit aufgeteilt, damit die rund 100 städtischen Mitarbeiter, unterstützt von etwa zehn Ehrenamtlichen heute „frisch und ausgeschlafen ans Werk gehen können“, so Hauptamtsleiter Matthias Kircher. Gestern waren rund 110 städtische Mitarbeiter und 20 Ehrenamtliche im Einsatz. Die Walterichstadt arbeitet seit Langem mit der Stimmzettelerfassungssoftware, verfügt also über entsprechende Erfahrung, wenn die elf Bezirke plus Briefwahlbezirk ausgezählt werden.

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Erstellt:
27. Mai 2019, 06:00 Uhr

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