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Die Natur liefert das Spielzeug

Schon seit 20 Jahren gibt es den Waldkindergarten im Backnanger Plattenwald – Kinder sind bei fast jedem Wetter draußen

Im Wald kommt keine Langeweile auf: Auch ohne Spielzeug können sich die Kinder beschäftigen und lernen dabei eine Menge über die Natur. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Im Wald kommt keine Langeweile auf: Auch ohne Spielzeug können sich die Kinder beschäftigen und lernen dabei eine Menge über die Natur. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Einen ganz besonderen Kindergarten gibt es in Backnang schon seit 20 Jahren: den Waldkindergarten Meisennest. Wer die Kinder dort besuchen will, hat erst mal einen kleinen Fußmarsch vor sich. Vom Waldheimparkplatz geht es zehn Minuten lang über Stock und Stein in den Wald hinein. Kerstin Stoppel geht mit strammem Schritt voraus. „Wir sind immer an unterschiedlichen Plätzen“, erzählt die Leiterin des Waldkindergartens. Heute finden wir die Gruppe an einer Lichtung, die die Kinder „Hirschkopf“ nennen.

Die Drei- bis Sechsjährigen haben sich in Grüppchen auf dem Gelände verteilt: Einige balancieren auf einem umgestürzten Baum, ein paar Jungs buddeln mit Stöcken und bloßen Händen in der Erde. „Wir graben einen Tunnel zu dem Baum da drüben. Da sind Skelette vergraben“, erklärt Julian. Spielzeug gibt es im Waldkindergarten kaum. Die Kinder spielen mit dem, was der Wald ihnen bietet. Baumrinde wird da zum Teller, ein Stock zum Bohrer, und ein umgestürzter Baum ist schnell zur Rakete umfunktioniert.

Sein Kind im Waldkindergarten anzumelden, ist in der Regel eine bewusste Entscheidung. „Vielen Familien fehlt heute die Zeit, um mit ihrem Kind stundenlang am Bach zu spielen“, weiß Kerstin Stoppel. Dieses Naturerlebnis bietet der Waldkindergarten – ganzjährig und bei jedem Wetter. Als Basisstation dient das „Meisennest“, eine einfache Holzhütte ohne Stromanschluss und fließendes Wasser. Hier trifft sich die Gruppe am Morgen und hierhin kann sie sich zurückziehen, wenn es mal eisig kalt ist oder in Strömen regnet. Grundsätzlich gilt im Waldkindergarten allerdings der Grundsatz, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt. „Wir sind bestimmt 80 Prozent der Zeit draußen“, sagt Kerstin Stoppel. Schließlich gibt es im Wald auch bei Regen viel zu entdecken und viele schöne Pfützen, in denen man spielen kann.

Wenn Kinder neu dazukommen, falle es ihnen manchmal schwer, sich umzustellen, erzählt die Leiterin: „Manche wollen sich am Anfang nicht beim Vespern auf den Waldboden setzen.“ Aber nach ein paar Tagen sei das kein Problem mehr. Auch die Eltern dürfen nicht allzu zimperlich sein: „Manchmal bekommen sie mittags ein richtig dreckiges Kind zurück“, sagt Stoppel und lacht.

Im Wald ist jeder Tag ein Abenteuer: Die Kinder sehen Insekten und Frösche und ab und zu auch mal ein Reh. Sie finden Pilze, Federn und kürzlich sogar ein totes Kaninchen, das natürlich feierlich beerdigt wurde. Das Grab ist mit selbst gepflückten Blumen geschmückt.

Von den Erzieherinnen lernen die Kinder eine Menge über die Natur, zum Beispiel welche Pflanzen man essen kann und welche giftig sind. Dass Breitwegerich bei Insektenstichen hilft oder wie man aus Erde Malfarben herstellt. Auch der Umgang mit dem Schnitzmesser ist für die Waldkinder völlig normal: Schon Dreijährige dürfen es unter Aufsicht benutzen. „Das sinnliche Erleben ist bei uns ganz wichtig“, sagt die Leiterin. Der Wechsel vom Freiluftkindergarten auf eine ganz normale Schule sei in der Regel trotzdem kein Problem: „Die Erfahrung zeigt, dass sich unsere Kinder sehr gut konzentrieren können.“

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Erstellt:
2. August 2019, 06:00 Uhr

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