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Die Reise beginnt an der Engelkreuzung

Die Ausstellung „Backnang im Zeitspiegel“ zeigt ab Samstag die Entwicklung des Gebiets vom Schillerplatz zum Adenauerplatz

Auf die Spuren der Heimatgeschichte begibt sich Peter Wolf in seiner Ausstellungsreihe mit historischen Fotos „Backnang im Zeitspiegel“, die in regelmäßigen Abständen im Helferhaus gezeigt wird. Dieses Mal steht das Gebiet vom Schillerplatz bis zum heutigen Adenauerplatz im Fokus. Ausstellungseröffnung ist am Samstag um 17 Uhr.

Auch der Neubau von Buchhandlung und Bürobedarf Kreutzmann 1954/55 wurde dokumentiert.Foto: P. Wolf

© Peter Wolf

Auch der Neubau von Buchhandlung und Bürobedarf Kreutzmann 1954/55 wurde dokumentiert.Foto: P. Wolf

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Großer Beliebtheit erfreut sich die Ausstellungsreihe „Backnang im Zeitspiegel“ im Kabinett des Helferhauses. Mehr und mehr Unterstützung bekommt der Diplomdesigner Peter Wolf bei seiner Arbeit, die Geschichte und Veränderungen im Stadtbild so lückenlos wie möglich anhand historischer Fotos aufzuzeigen. In so manchen privaten Alben finden sich Schätzchen, die ihm zugetragen werden und die Sammlung, die mit Recherchen im Stadtarchiv begann, mit immer neuen, noch nie veröffentlichten Fotos zu erweitern.

Blickt man im Ausstellungsraum im Helferhaus aus dem Fenster, sieht man die „Engelkreuzung“ am Schillerplatz. Hier beginnt die Reise in die Vergangenheit mit Fotos und Dokumenten, die zum Teil über hundert Jahre alt sind. Von dem Gebäude neben dem ehemaligen Gasthof Engel gibt es ein Baugesuch aus dem Jahr 1906. Wie der Straßenzug mit dem neu gebauten Haus ausgesehen hat, zeigen Aufnahmen, die um 1910 entstanden sind. Damen flanieren in langen Röcken und mit Sonnenschirm über die Straße am Schillerplatz.

Zahlreiche Gaststätten prägten einst diese Gegend Backnangs

Das Schillerdenkmal, das 1905 von dem Fabrikanten Eugen Adolff gestiftet wurde, war schon immer ein beliebtes Fotomotiv, vor dem man sich ablichten ließ. Ein Gruppenfoto zeigt 1912 junge Frauen in weißen Kleidern mit Blumensträußen. Auf einer Aufnahme von 1913 haben sich Herren für ein Foto aufgestellt. Es ist beschriftet mit: „Verbandstag Bezirksverein Königreich Württemberg im Deutschen Fleischerverband.“ Hundert Jahre später, im Jahr 2013, schwingen die Backnanger Metzgermeister Dieter Bollinger, Eugen Idler und Friedrich Kühnle ihre Zylinder an diesem Standort. Für welche Feierlichkeit sie sich so schick gemacht haben, ist unklar. Peter Wolf recherchiert auch zu den Geschichten hinter den Bildern. Vielleicht weiß ja jemand aus den Familien den Hintergrund. Bei den Schillerbüsten auf den Fotos handelt es sich nicht um dieselben. Das ursprüngliche Denkmal wurde 1986 mutwillig mit Hammerschlägen zerstört und dann durch eine andere Büste ersetzt, weiß Peter Wolf.

Die Wandlung der Engelkreuzung ist auf Fotos aus verschiedenen Jahren festgehalten. Wo heute die Buchhandlung Kreutzmann steht, war Anfang der 1950er-Jahre noch unbebauter Garten. Die Bauphase des Hauses ist auf einem Bild festgehalten, in dem 1955 die Buchhandlung mit Büromaschinengeschäft K. Kreutzmann eröffnete. Auf einem Luftbild von 1950 ist das ganze Areal zu sehen. Ein großer Kamin gehörte zur Möbelfabrik Sorg, wo Holzabfälle zur Beheizung verbrannt wurden. Das älteste Foto der Ausstellung zeigt Arbeiter der Fabrik vor dem Gebäude im Jahr 1880.

Weiter führt die Reise in Richtung Adenauerplatz über die Weissacher Straße (heute Stuttgarter Straße). In Backnang waren Gaststätten dicht gesät. Vom Gasthof Engel geht es zum Restaurant „Zum Hasen“, das sich vor der Buchhandlung Leibold befand. Ein erstmals ausgestelltes Foto von 1910 zeigt den Besitzer Christian Philipp mit Familie vor dem Haus. Die letzte „Hasenwirtin“ Helene Philipp starb 1974, dann wurde der Restaurantbetrieb aufgegeben. Nur zwei Häuser weiter war die Bäckerei und Mehlhandlung mit Restauration „Zum wilden Mann“. Dann folgte die Rose, die 1823 als Weinwirtschaft eröffnet wurde. 1939 übernahm der Gerbereiarbeiter Eugen Hammer die Gaststätte und führte sie über 30 Jahre lang.

Am heutigen Adenauerplatz endet die Reise. Aus verschiedenen Zeiten ist die Huf- und Wagenschmiede Kübler zu sehen, in der sich heute ein Handwerker-Museum befindet. Daneben war der Friseur Gotthilf Kübler (heute Asian Art Hati-Hati). Sein Sohn Eugen übernahm das Geschäft, konnte aber nach einer Kriegsverletzung seinen Friseurberuf nicht mehr ausführen und eröffnete in seinem Laden ein Spielwarengeschäft mit Puppenklinik. Auch am Burgplatz gab es Gaststätten. Die Weinstube Karl Ackermann befand sich gegenüber der Schmiede, weshalb man diesen Teil des Burgplatzes auch Karlsplatz nannte. Mitten auf dem heutigen Adenauerplatz stand das Rössle. Zahlreiche Kinder und Erwachsene haben sich um 1890 vor dem Gebäude aufgestellt, um auf dem Bild zu sein, denn Fotografie war damals noch ein teures und seltenes Ereignis.

Die Fotoausstellung „Vom Schillerplatz zum Adenauerplatz“ ist vom 6. Oktober bis zum 9. Dezember zu sehen. Sie wird am Samstag um 17 Uhr zeitgleich mit der Ausstellung „Kompressionismus“ mit Bildern von Wolfgang Neumann eröffnet. Öffnungs- zeiten im Helferhaus, Petrus-Jakobi-Weg 5, sind: dienstags bis freitags, 17 bis 19 Uhr; samstags und sonntags, 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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Erstellt:
4. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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