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Die Umwelt als Aschenbecher

In Backnang liegen Tausende Zigarettenstummel herum – Vollzugsdienst verhängt Bußgelder

Sie sind klein und fallen meistens nur dann ins Auge, wenn man sie bewusst sucht: Zigarettenstummel. Und oft werden sie nur achtlos weggeschnippt – wo sie dann landen, ist vielen Rauchern leider völlig egal. Der Schaden, den die Stummel in der Umwelt anrichten, ist allerdings immens. Wie geht man bei der Stadt Backnang mit dem Kippenproblem um? Wir haben nachgefragt.

Sie liegen im Gras, in Rinnen und Fugen, unter Gittern oder in Blumenbeeten: Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, dem wird auffallen, wie viele Zigarettenstummel die Umwelt verunreinigen. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Sie liegen im Gras, in Rinnen und Fugen, unter Gittern oder in Blumenbeeten: Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, dem wird auffallen, wie viele Zigarettenstummel die Umwelt verunreinigen. Fotos: A. Becher

Von Silke Latzel

BACKNANG. Sie sind überall, auch wenn sie auf den ersten Blick kaum auffallen: Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation werden jährlich weltweit 4,5 Billionen Zigaretten nicht richtig entsorgt. Und in jeder einzelnen Zigarette stecken an die 4800 chemische Substanzen und 250 Giftstoffe – der Spruch „klein und harmlos“ gilt hier also nicht.

Besonders kritisch wird es vor allem dann, wenn die Stummel in Gewässern wie Flüssen, Bächen oder Seen landen. Dort werden die Giftstoffe zur tödlichen Gefahr für Tiere und Wasserorganismen. Einer Studie des Earthwatch Institute zufolge sind Zigarettenstummel der dritthäufigste Müll in europäischen Gewässern. Ein einziger Stummel reicht aus, um zwischen 500 und 1000 Liter Wasser zu verunreinigen. Außerdem dauert es bis zu zwölf Jahre, bis ein Zigarettenfilter vollständig zerfallen ist.

Auch in Backnang sind die Zigarettenstummel allgegenwärtig, vor allem rund um den Bahnhof liegen sie in Massen auf der Straße und auf den Gehwegen. Dabei sind laut Aussage der Pressestelle der Stadt Backnang im „Bahnhofsbereich sowie in der Innenstadt fast alle öffentlichen Abfallbehälter mit Aschern beziehungsweise mit Möglichkeiten zur Entsorgung von Zigarettenkippen ausgestattet. Am Zentralen Omnibusbahnhof wurden außerdem zusätzlich separate Aschenbehälter angebracht.“

Liegen die Stummel erst einmal auf der Straße, fühlt sich kaum noch jemand dafür zuständig, sie aufzuheben und zu entsorgen. Darum darf sich dann wieder die Stadtverwaltung kümmern. „Sowohl die von der Stadt eingesetzte Kleinkehrmaschine als auch die mechanischen Handkehrmaschinen sind bis zu einer gewissen Fugentiefe dazu geeignet, die Zigarettenstummel aus den Fugen zu kehren oder zu saugen“, so die Auskunft der Pressestelle. Doch ganz problemlos ist dieses Verfahren wohl nicht: „Leider wird dabei oft auch das Füllmaterial der Pflasterfugen mit herausgesaugt, die dann mit hohem Aufwand wieder nachgefüllt werden müssen.“

In vielen deutschen Städten gilt das Wegwerfen eines Zigarettenstummels als Ordnungswidrigkeit. Im Bußgeldkatalog des Landes Baden-Württemberg werden seit Ende 2018 deutlich höhere Strafen für das Wegwerfen von Zigarettenstummeln aufgeführt als früher – so kann das achtlose Wegschnippen einer Kippe nun ein Bußgeld von bis zu 250 Euro kosten. Vor 2018 war für diese Umweltverschmutzung nur ein Bußgeld in Höhe von 10 bis 25 Euro vorgesehen. Auch in Backnang greift dieser Bußgeldkatalog. Das bedeutet konkret: „Der städtische Vollzugsdienst ahndet jeden Verstoß, den er beobachtet. Ein großes Problem stellen leider aus dem Auto geworfene Zigarettenkippen dar, da hier die Ermittlung des Verursachers meist nicht möglich ist, da der Halter hierfür nicht haftbar gemacht werden kann.“

Und was macht die Verwaltung, um das Problem an der Wurzel zu packen? „Das Rechts- und Ordnungsamt der Stadt hat bereits verschiedene Kampagnen zur Müllvermeidung in der Stadt geführt. Inwiefern diese das Bewusstsein der Bürger und insbesondere der Raucher geändert haben, lässt sich jedoch nicht sagen.“

Die Umwelt als Aschenbecher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Umwelt als Aschenbecher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Umwelt als Aschenbecher

© Pressefotografie Alexander Beche

Info
„Füll die Flasche“-Challenge auf Instagram

Ice-Bucket-Challenge, Mannequin-Challenge oder Kaltwasser-Grill-Challenge: Immer wieder tauchen in den sozialen Netzwerken sogenannte Challenges (zu Deutsch: Herausforderungen) auf, bei denen die Menschen bestimmte Dinge tun müssen – oft für einen guten Zweck und um auf spezielle Themen aufmerksam zu machen.

Eine der jüngeren Challenges auf Instagram ist die „Fill the Bottle“-Challenge („Füll die Flasche“-Challenge). Das Prinzip ist einfach: Unterwegs Zigarettenstummel aufsammeln, sie in eine Flasche stecken und ein Foto der vollen Flasche in den sozialen Netzwerken hochladen.

Dank der Internet-Challenge haben User in mehreren Ländern die Umwelt von Tausenden Zigarettenresten befreit. Bislang finden sich unter dem Hashtag #fillthebottle auf Instagram mehr als 3500 Einträge – beliebt ist die Challenge vor allem in Frankreich.

Wer es allerdings richtig machen möchte, sollte die Stummel nicht in eine Plastikflasche stecken. Denn diese Flaschen lassen sich recyceln und gehören zumindest hierzulande in den gelben Sack. Zigarettenstummel hingegen müssen im Restmüll entsorgt werden. Lieber also ein anderes Gefäß nehmen, am besten Mehrweg, um die Kippen aufzusammeln.

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Erstellt:
3. September 2019, 06:00 Uhr

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