Die Weissacher fahren vor allem Auto

Weitere Ergebnisse zum integrierten Mobilitätskonzept in Weissach im Tal liegen vor. Der nächste Schritt ist eine Bürgerbeteiligung am 26. April. Mitte Juli soll, nach einer zweiten Bürgerbeteiligung, das fertige Maßnahmenpaket vorliegen. Davon sollen alle Verkehrsteilnehmer profitieren.

Die Welzheimer Straße ist einer der Verkehrsknotenpunkte in Unterweissach, bei dem es Mängel gibt. Archivfoto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Welzheimer Straße ist einer der Verkehrsknotenpunkte in Unterweissach, bei dem es Mängel gibt. Archivfoto: A. Becher

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Dass Autofahrer auf mindestens vier Straßen in Weissach im Tal zu schnell unterwegs sind, das hat schon der Zwischenbericht des Mobilitätskonzepts ergeben, das im Januar in einer Gemeinderatssitzung vorgestellt worden war. Durchschnittlich 60 statt 50 Stundenkilometer fahren die Verkehrsteilnehmer laut der Messungen, die die zuständige Bernard-Gruppe aus Aalen aufgezeichnet hat, auf der Backnanger Straße, der Stuttgarter Straße sowie der Brüdener Straße in Unterweissach und der Lutzenbergstraße in Bruch. Mittlerweile liegen noch eine Reihe weiterer Ergebnisse vor, die in der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Gemeindehalle in Unterweissach von Ingenieur Robert Wenzel präsentiert worden sind.

Mit dem integrierten Mobilitätskonzept möchte Weissach im Tal Verkehrsprobleme im Gemeindegebiet erkennen und beheben. Einer der ersten Schritte war es, die Bürgerinnen und Bürger nach ihrem Verhalten und ihren Ansichten zu befragen. Stichtag der Erhebung war der 5. Oktober. Daraus haben sich eine Verkehrsanalyse und Basisprognose ergeben.

Von den mehr als 3500 Fragebögen, die im Gemeindegebiet verteilt worden waren, seien zirka 650 wieder zurückgekommen. Das entspreche einem Rücklauf von zirka 19 Prozent. Damit liege eine „gute und belastbare Datenbasis“ vor, sagte Robert Wenzel.

Aus der Befragung ging unter anderem hervor, dass jeder Weissacher Haushalt durchschnittlich über 1,7 Autos sowie 1,7 Fahrräder verfügt. 97 Prozent der Personen über 18 Jahre haben einen Führerschein. Nur neun Prozent aller Weissacher ab sechs Jahren verfügen über eine Dauerkarte für den öffentlichen Nahverkehr, weniger als ein Prozent der über 18-Jährigen sind Kunden eines Carsharing-Anbieters.

Da verwundert es wenig, dass am Stichtag der Verkehrsbefragung für 68 Prozent der insgesamt rund 22700 zurückgelegten Wege das Auto gewählt wurde. Immerhin noch 17 Prozent der Wege wurden zu Fuß gegangen, gerade einmal acht Prozent mit dem Fahrrad oder dem E-Bike gefahren. Die Gruppe der „umweltverträglichen“ Verkehrsmittel, des sogenannten Umweltverbunds, kommt alles in allem auf rund 32 Prozent der Wege. Zu ihnen zählen öffentliche Verkehrsmittel wie Bahn, Bus und Taxis, nicht motorisierte Verkehrsträger wie Fußgänger und private oder öffentliche Fahrräder sowie Carsharing und Mitfahrzentralen. Bei den Wegen, die nur innerorts zurückgelegt wurden, stieg die Zahl des Umweltverbunds immerhin auf 49 Prozent. Davon waren 35 Prozent Fußgänger. Dennoch wurden auch dann noch die meisten Wege (51 Prozent) mit dem Auto gefahren.

Bei den Ortsteilen gebe es nur wenige Unterschiede, sagte Robert Wenzel: „Je weiter weg man aber von Unterweissach ist, desto mehr wird mit dem Pkw gefahren.“ Während der Anteil des Autos in Unterweissach am Stichtag bei 65 Prozent (Fahrer und Mitfahrer) lag, waren es in Bruch 77 Prozent. Im kommunalen Vergleich sei der Pkw-Anteil relativ hoch, so Wenzel.

Die größten Mängel liegen seitens der Bevölkerung in Unterweissach auf den Hauptachsen. Erste Vorschläge, die Wenzel nannte, lauteten, darüber nachzudenken, für mehr Sicherheit in der Brüdener Straße, der Backnanger Straße und der Stuttgarter Straße die Geschwindigkeit zu begrenzen. An der Kreuzung Lommatzscher Straße/ Welzheimer Straße müsse man den Radverkehr sicherer lenken. Als großer Mangel werde zudem das Queren zu Fuß von Hauptstraßen gesehen. 39 Prozent der Befragten gaben an, dass dies in Weissach nicht einfach sei. Beim Radverkehr wurden fehlende Radwege (39 Prozent) bemängelt. 26 Prozent gaben an, dass die Taktfrequenz der Busse zu niedrig sei.

Doch auch die Vorzüge von Weissach hob Wenzel in seiner Präsentation hervor. So verfüge die Gemeinde über ein schönes Rathausensemble am Marktplatz. „Da sollte man sich überlegen: Wem will man diesen wertvollen Raum geben?“, sagte er. Zudem gebe es bereits eine E-Tankstelle und eine Radstation in der Welzheimer Straße – „viele Bürger wissen das wahrscheinlich gar nicht“. Auch am Lindenplatz gebe es „durchaus Qualität, die man pushen könnte“. Zum Abschluss seiner Präsentation stellte er den weiteren Zeitplan vor.

Luciano Longobucco (Liste Weissacher Bürger, LWB) freute sich, das Gutachten auf den Weg gebracht zu haben: „Das soll ein Konzept sein, das nicht in der Schublade verschwindet, sondern mit dem man mittelfristig arbeitet.“ Für Heike Oesterle von der Unabhängigen Bürgerliste Weissach im Tal (UBL) hatte die Analyse keinen großen Neuigkeitswert. „Die Probleme sind uns allen bekannt. Spannend finde ich, was man draus macht“, erklärte sie. Robert Wenzel freute sich darüber, dass die Ansichten der Gemeinderäte sich mit denen der Analyse decken: „Das ist ein gutes Zeichen.“

Jan Hutzenlaub (LWB) war aufgefallen, dass der Gemeinderat einige der Mängel mit verursacht habe. „In Zukunft müssen wir anders denken, wenn wir wollen, dass mehr Leute aufs Rad umsteigen oder zu Fuß gehen“, forderte er. Es sei der Auftrag des Gemeinderats und der Verwaltung, an den unsicheren Stellen mehr Sicherheit herzustellen. Er schlug einen Spaziergang mit dem Planer vor, um sich die Problematiken vor Ort anzuschauen. Dies wurde in die Beschlussvorlage aufgenommen.

Carl Höfer (CDU/FWV) sprach sich dafür aus, keine Zielkonflikte aufzubauen: „Die Frage, wem wir Raum geben sollen, höre ich gar nicht gern.“ Auch Longobucco betonte, keine Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausspielen zu wollen: „Es ist wichtig, dass man das alles zusammenkriegt.“ Genau deswegen heiße es „integriertes Mobilitätskonzept“, erklärte Wenzel, „weil es darum geht, die Belange aller Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen“. Irmgard Hestler (SPD) sah ein Hauptproblem im Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer. „Solange Rasen obercool ist, sehe ich wenig Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen“, sagte sie.

Bei der folgenden Abstimmung hoben alle Gemeinderäte für die von Wenzel vorgeschlagene Terminabfolge ihre Hand.

Für 68 Prozent der insgesamt rund 22700 zurückgelegten Wege wurde das Auto gewählt.
Der weitere Zeitplan

Dienstag, 26. April Zur Bürgerbeteiligung werden sich die Bürger schriftlich anmelden können. Sie findet voraussichtlich ab 18.30 Uhr in der Seeguthalle in Cottenweiler statt.

Donnerstag, 23. Juni Der Technische Ausschuss berät bei einer Sitzung die Rohfassung des Konzepts vor.

Donnerstag, 14. Juli Konzeptvorstellung im Gemeinderat durch die Bernard-Gruppe

Dienstag, 19. Juli Zweite Runde der Bürgerbeteiligung, aus der das fertige Maßnahmenkonzept hervorgehen soll

Zum Artikel

Erstellt:
5. April 2022, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Frank Kaspareks Firma FK Aviation betreibt einen der beiden Hagelflieger am Stuttgarter Flughafen. Die silberne Kartusche am Flügel ist mit Silberiodidlösung gefüllt.Foto: Benjamin Büttner
Top

Stadt & Kreis

Zwei Flugzeuge schützen die Ernte

Bei der Hagelabwehr war der Rems-Murr-Kreis Vorreiter im Land: Schon seit mehr als 40 Jahren starten hier Flugzeuge, um Gewitterwolken mit Silberiodid zu impfen. An den Kosten beteiligen sich mehr als 100 Partner, die Finanzierung ist nun bis 2026 gesichert.

Stadt & Kreis

Sorge um die Sicherheit auf dem Spielplatz

Wegen der Massenschlägerei auf dem Plattenwaldspielplatz am vergangenen Wochenende fragen sich viele Bürgerinnen und Bürger, wie sicher es dort ist. Auch in der Vergangenheit stand der Spielplatz schon in der Kritik – vor allem wegen des hohen Müllaufkommens und Vandalismus.