Drei neue S-Bahnstationen für Stuttgart?
Die Panoramabahn in Stuttgart soll als Teil einer neuen S-Bahnverbindung zwischen Heimerdingen und Stuttgart-Vaihingen erhalten bleiben – und drei neue Stationen bekommen.
Von Christian Milankovic
Stuttgart - Entstehen in Stuttgart drei neue S-Bahnhaltestellen? Ja, wenn die Pläne für eine weitere S-Bahnlinie umgesetzt werden, die zunehmend realistisch werden. Das Land, der Verband Region Stuttgart, der Zweckverband Strohgäubahn, die Infrastrukturtochter der Südwestdeutschen Landesverkehrs-Gesellschaft sowie die Stadt Stuttgart sind aktuell dabei, eine Rahmenvereinbarung zu schließen. Ziel ist dabei, bis spätestens 2035 eine neue S-Bahnlinie zwischen Heimerdingen und Stuttgart-Vaihingen einzurichten.
Auf Stuttgarter Markung soll die Linie die Gleise der Panoramabahn nutzen, die sich zwischen Nordbahnhof und Stuttgart-Vaihingen am Kesselrand kurvenreich entlang windet und vielfältige Ausblicke auf die Stadt bietet, was ihr den Namen eingebracht hat. Dieser touristische Aspekt steht allerdings weniger im Mittelpunkt der konkreter werdenden Überlegungen. Mit der neuen S-Bahnlinie sollen einerseits Teile Stuttgarts besser ans Schienennetz angeschlossen und andererseits Umstiegsmöglichkeiten Stadtbahn- und Buslinien geschaffen werden.
Die der weiteren Planung zugrunde liegende Untersuchung des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart hatte zunächst sieben mögliche Haltestellenoptionen an dem gut zwölf Kilometer langen Schienenstrang zwischen Nordbahnhof und Stuttgart-Vaihingen beleuchtet. Die möglichen Stationen „Türlenstraße, Dachswald und Österfeld weisen geringere Wirkungen auf und wurden daher niedrig priorisiert“, heißt es in der Studie. Ein Halt an der Zeppelinstraße könne allenfalls optional umgesetzt werden. Übrig blieben für die weiteren Planungen zunächst folgende drei Haltestellen: Heilbronner Straße, Lenzhalde und der Herderplatz.
Ihnen bescheinigt die Studie eine gute Erschließung und Umstiegsmöglichkeiten. Deswegen werden sie im denkbaren Betriebskonzept der neuen S-Bahnlinie unterstellt, die im Halbstundentakt unterwegs sein soll. Es könnten also zu den heute 19 S-Bahnhaltestellen auf Stuttgarter Stadtgebiet drei weitere hinzukommen.
Station Heilbronner Straße Die Station Heilbronner Straße soll dort gebaut werden, wo die Gleise der Panoramabahn die Heilbronner Straße in Stuttgart-Nord unterqueren. Auf der dortigen Brücke bedienen die Stadtbahnlinen U 5, U 6, U 7 und U 15 die Haltestelle Pragfriedhof. Die Lage der neuen Haltestelle versprächen „einen leistungsstarken Umstieg zur Stadtbahn“, heißt es in der Untersuchung. Die neuen Bahnsteige passen nicht in die Straßenunterführung und schließen sich südlich daran an. Die Eisenbahngleise liegen an der Stelle in einem Einschnitt. Der bestehende Personensteg, der zwischen Mönchhaldenstraße und der Kirche St. Georg die Gleistrasse heute überbrückt, müsste neu gebaut werden. Rampen, Treppen und Aufzüge sollen die Bahnsteige mit den höherliegenden Fußwegen verbinden.
Eine Verlängerung der bestehenden Fußgängerunterführung unter der Heilbronner Straße, die auch die Stadtbahnhaltestelle erschließt, wird in den Plänen mit einem Fragezeichen versehen. Die neue S-Bahnhaltestelle würde neben den angrenzenden Wohngebieten auch das große Schulzentrum erschließen, zu dem die Werner-Siemens-Schule, die Kaufmännische Schule Stuttgart-Nord, die Neckarrealschule, die Alexander-Fleming-Schule und die Hedwig-Dohm-Schule zählen. Auch die Wagenhallen könnten von dem neuen Halt profitieren.
Station Lenzhalde Die zweite der drei vorgesehenen zusätzlichen Haltestellen soll bei der Lenzhalde gebaut werden, wo heute schon die Busse der Linie 43 einen Stopp einlegen. Die Bahnsteige erstrecken sich dabei im Bereich zwischen der Einmündung der Azenbergstraße in die Lenzhalde und der Bahnbrücke über die Lenzhalde und den Herdweg. Weil die Bahnstrecke an dieser Stelle bereits die Halbhöhenlage durchschneidet, ist der Zugang zu den beiden seitlich der Gleise geplanten Bahnsteige topographisch nicht ganz einfach. Auf der südlichen Seite muss zum Bahnsteig in Fahrtrichtung Feuerbach ein deutlicher Höhenunterschied überwunden werden.
Eine Unterführung unter den Gleisen soll zu einem Aufzug führen, der den Höhenversatz zum Bahnsteig Richtung Vaihingen ausgleicht. Das benachbarte Areal des Eberhard-Ludwigs-Gymnasium dürfe beim Zugang kein Hindernis sein. „Für eine gute Erschließung sollte eine ganztägige Wegeverbindung am Rande des Schulgeländes verfolgt werden“, heißt es in der Studie. Die Station biete „eine gute Erschließung des dicht bebauten Einzugsbereichs“.
Station Herderplatz Eine Haltestelle Herderplatz gibt es heute schon im Stuttgarter Nahverkehrsnetz. Dort halten die Stadtbahnen der Linien U 2 und U 9 – und womöglich auch die projektierte neue S-Bahnlinie. Allerdings tut sich ein ganz beträchtlicher Höhenunterschied zwischen den beiden Stationen auf.
Um den zu überwinden, schlagen die Planer eine Kombination aus Aufzügen und Stegen vor, die die Herderstraße überbrücken sollen. Wege sollen zur Zamenhofstraße, ins benachbarte Gewerbegebiet und zum Knotenpunkt Herder-/Rotenwaldstraße führen. Die Verknüpfung mit dem bestehenden Stadtbahnhalt hat dazu geführt, diese Variante den Vorzug vor einer Reaktivierung des nur wenige hundert Meter dazu entfernt liegenden Westbahnhofs zu geben
