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E-Scooter kommen noch nicht ins Rollen

Fahrradhändler aus der Region warten beim Verkauf der Elektrotretroller ab – Die Rahmenbedingungen sind noch unklar

In europäischen Großstädten wie etwa Paris und Wien sieht man sie schon vielerorts: Elektrotretroller, sogenannte E-Scooter. Kommen diese bald auch in Backnang und Umgebung an? Vor Kurzem hat der Bundesrat zugestimmt, dass die Gefährte offiziell im Straßenverkehr erlaubt sind. Örtliche Anbieter halten sich derzeit aber noch zurück. Zu vieles sei noch unklar.

Ob E-Scooter auch in Backnang künftig häufiger gesehen werden? Die Händler sind noch zurückhaltend. Foto: Adobe Stock/Klaus von Kassel

© Klaus von Kassel - stock.adobe.c

Ob E-Scooter auch in Backnang künftig häufiger gesehen werden? Die Händler sind noch zurückhaltend. Foto: Adobe Stock/Klaus von Kassel

Von Lorena Greppo

BACKNANG/MURRHARDT. Einen Elektrotretroller hat Jochen Urban, Geschäftsführer des Zweiradcenters Urban, im Sortiment. Stolze 2400 Euro kostet das Gefährt, ein Hochleistungsmodell, das 20 Kilometer pro Stunde schafft. Dieses sei aber „nicht für den Straßenverkehr gedacht“, erklärt der Fachmann. Vielmehr kauften beispielsweise Automobilkonzerne den Flitzer zu Promotionszwecken. Vorerst hat Urban nicht vor, sein Sortiment mit E-Scootern aufzustocken, er will erst einmal abwarten, ob sich der Trend in Deutschland überhaupt durchsetzt. Er ist da nämlich skeptisch: „Versicherer sind zum Beispiel noch gar nicht auf das Produkt vorbereitet“, erklärt er. Und das sei nur einer von vielen Punkten: Eine Zulassung für die Elektrotretroller sei sehr teuer, die Verordnungen fast nicht einzuhalten, so Urban. Daher seien die Gefährte derzeit nicht wirklich rentabel. „Und die Dinger sind auch sehr gefährlich“, führt der Experte an. Er glaubt, dass deshalb auch die Kommunen davon absehen werden, SharingModelle für E-Scooter anzubieten.

Für hügelige Gegenden ist ein leistungsstarkes Modell nötig

Etwas optimistischer ist Karl Scheib von My bikes in Murrhardt: „Nachfrage gibt es genug“, sagt er. Etwa jeder zehnte Kunde frage nach den E-Scootern. Derzeit werde er aber auch noch aktiv, was die Aufnahme ins Sortiment angeht. „Solange die gesetzlichen Vorgaben noch nicht in trockenen Tüchern sind, halte ich mich da zurück.“ Den Fachhändlern lägen noch keine schriftlichen Informationen vor, bisher habe er „alles nur aus der Presse erfahren“. Dort hieß es nur, dass die Elektrotretroller in Deutschland ab Mitte Juni zugelassen sein sollen. Eine entsprechende Verordnung für sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge werde wahrscheinlich ab 15. Juni in Kraft treten, spätestens aber zum Ende des Monats hin, hieß es aus dem Verkehrsministerium.

Timur Selvi, Geschäftsführer von Bikes’n’Boards, verzeichnet derzeit noch eine moderate Nachfrage. „Es gab schon den einen oder anderen Kunden, der danach gefragt hat“, erzählt er. Wie bei den Händlern schwinge aber auch bei den Kunden noch viel Unsicherheit mit. „Der Endkunde weiß noch gar nicht, wie das künftig alles funktioniert.“ Und auch bei Bikes’n’Boards sei man momentan noch dabei, sich zu sortieren. „Wir bereiten uns darauf vor, wollen aber auch keinen Schnellschuss“, erklärt Selvi. Die Marktlage sei noch unübersichtlich, es gebe viele Anbieter, nicht alle würden jedoch den künftig geltenden Verordnungen gerecht. „Es gibt noch vieles vorab zu klären“, resümiert er. Dabei hat er nicht nur die Zulassung im Sinn, auch die Ersatzteilversorgung für die Händler müsse gewährleistet sein.

Sowohl Urban als auch Scheib sehen den Preis als einen entscheidenden Faktor in der Frage, ob sich der Trend in der Region durchsetzen kann. „Viele lesen von Einsteigermodellen im Preisbereich von 300 bis 400 Euro“, weiß Scheib. „Wenn sie dann aber hören, dass man für ein gutes, regelkonformes Modell gut und gerne mal 1500 Euro bezahlen muss, schreckt das ab.“ Der jeweilige E-Scooter müsse auch in Anbetracht der topografischen Verhältnisse gründlich ausgewählt werden. Jochen Urban sagt über das Hochleistungsmodell in seinem Sortiment: „Der schafft die Steigung, wenn es beispielsweise die Plattenwaldallee hoch geht.“ Andere Modelle hätten eine zu schwache Akkuleistung. Karl Scheib hat ein Modell für 800 Euro getestet – „bei Steigungen über 16 Prozent schaltet der Scooter ab“. Ein hochklassiges Modell hingegen würde „da locker hoch schnurren, wenn auch nicht mit 20 Kilometern pro Stunde.“ Er ist sich dennoch sicher: Der Trend wird auch in die Region kommen. Auch Timur Selvi hat die E-Scooter schon ausprobiert: „Für die Ebene sind die Dinger toll“, findet er. Gerade in Backnang und Umgebung, wo man meistens Steigungen auf dem Weg hat, halte sich der Nutzen der elektrischen Tretroller teilweise in Grenzen: „Da bekommen manche Modelle Probleme.“ Mit der Zeit, da ist sich der Experte sicher, werden die Hersteller leistungsstärkere Modelle herausbringen. „Der Markt ist gerade dabei, sich zu öffnen.“ Im Auge behalten, wie sich die Lage entwickelt – das ist derzeit die Devise der Händler. „Die Roller können ein Mega-Erfolg werden – oder eben ein ziemlicher Flop“, resümiert Jochen Urban. Er wartet erst einmal ab.

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Rechtliche Vorgaben

Einer Verordnung der Bundesregierung für die sogenannten Elektrokleinstfahrzeuge hat der Bundesrat Mitte Mai zugestimmt. Allerdings hat das Gremium einige Änderungen eingebracht. Diese müssen noch umgesetzt werden, dann kann die Verordnung in Kraft treten. Das soll laut Bundesverkehrsministerium noch diesen Monat so weit sein.

E-Scooter-Fahrer müssen über keine Fahrerlaubnis verfügen, aber mindestens 14 Jahre alt sein. Für Modelle, die nicht mehr als zwölf Kilometer pro Stunde fahren , liegt das Mindestalter bei zwölf Jahren.

Diese Roller dürfen auch in Fußgängerzonen und auf Fußgängerwegen fahren, während die Fahrer der leistungsstärkeren Modelle Radwege mitbenutzen dürfen. Gibt es keine Radwege, müssen sie auf die Straße ausweichen.

Ein Elektrotretroller wird nur dann für den Verkehr freigegeben, wenn er auch versichert ist. Zudem ist eine allgemeine oder eine Einzelbetriebserlaubnis nötig. Vorgesehen ist eine aufklebbare Plakette, die ein Kennzeichen ersetzt. Auch gibt es Mindestanforderungen an die Verkehrssicherheit, Licht und Klingel sind etwa vorgeschrieben. Eine Helmpflicht ist hingegen nicht vorgesehen.

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Erstellt:
4. Juni 2019, 06:00 Uhr

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