Edler Tropfen vom Museumswengert

Rebfläche hinterm Unterweissacher Heimatmuseum ist jetzt offiziell registriert – Roter „Täleswein“ mit französischem Charakter

Der Museumswengert in Unterweissach hat jetzt die höchsten amtlichen Weihen erhalten: Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat die Neuanpflanzung von Weinreben auf dem Areal genehmigt. Damit darf der Heimatverein den edlen Tropfen, der aus den Trauben gewonnen wird, nun regulär verkaufen. Und die Gemeinde als Grundstückseigentümerin darf sich nun als einzige im Umkreis stolz als Weinbaugemeinde bezeichnen.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Weissacher Tal, Jürgen Hestler (links), und Weinbauexperte Achim Keser freuen sich über den edlen Tropfen aus dem Weissacher Museumswengert. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der Vorsitzende des Heimatvereins Weissacher Tal, Jürgen Hestler (links), und Weinbauexperte Achim Keser freuen sich über den edlen Tropfen aus dem Weissacher Museumswengert. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Cabernet Cortis, Cabernet Jura, Maréchal Foch, Cal 1-22, Cabernet Cantor und geringe Mengen von anderen Reben: Das sind die Sorten, die in den Wein vom Museumshang einfließen – den „Täleswein“, wie das Etikett verkündet, ein trockenes Rotwein-Cuvée. Der der Name wurde, wie Jürgen Hestler als Vorsitzender des Heimatvereins Weissacher Tal erläutert, bewusst gewählt, um die Herkunft aus dem Weissacher Tal zu unterstreichen, und zwar in dem Sinne, wie sich auch der Heimatverein nicht auf das Gemeindegebiet von Weissach im Tal beschränkt, sondern die Nachbargemeinden Auenwald und Allmersbach im Tal mit einbezieht. Täleswein wird das Produkt aber wohl nicht auf Dauer heißen können, denn der Name ist bereits anderweitig vergeben, nämlich für den Neuffener Täleswein. Deshalb werde man darüber noch nachdenken müssen.

81 Flaschen hat die Lese im vergangenen Jahr eingebracht. Ausgebaut wurde der feine, dunkelrote Tropfen vom Weingut Gemmrich in Beilstein, auf das Achim Keser, einer der drei Ebersberger Vinöre, große Stücke hält. Der Auenwalder Weinbauexperte hatte sich zum Ziel gesetzt, einen französisch angehauchten Wein zu kreieren, aus dem Zusammenspiel verschiedener Sorten wollte er ein bordeauxähnliches Cuvée schaffen – ein Gedanke, der nicht zuletzt durch die Gemeindepartnerschaft zwischen Auenwald und dem südfranzösischen Städtchen Beaurepaire befeuert wurde.

Auf dem Weg dahin galt es jedoch viele Hürden zu überwinden. So war ursprünglich vorgesehen, an den Hängen des Ebersbergs einen Traditionsweinberg entstehen zu lassen. Schließlich ist der Weinbau dort seit Jahrhunderten daheim. Doch dem standen naturschutzrechtliche Bestimmungen entgegen: Das Gelände dort ist ein sogenanntes FFH-Gebiet, eine Fläche, die nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt ist und nicht verändert werden darf. Die damit verbundenen Beschränkungen sind in den Augen von Jürgen Hestler aber durch den Klimawandel infrage gestellt: Obstbäume kommen mit der zunehmenden Trockenheit und Wärme immer weniger zurecht, für Weinreben hingegen verbessern sich die klimatischen Bedingungen zusehends.

Das unterstreicht auch Achim Keser: „Ohne den Klimawandel würde ich keinen Weinbau betreiben.“ Für den Ebersberg, wo das Obst seiner Einschätzung nach zu wenig Wasser bekommt, sieht er nur eine Alternative: Er verbuscht.

Den Plan, einen Traditionsweinberg anzulegen, mochte der Heimatverein aber nicht begraben. Es fand sich ein Ausweichgelände: die ehemalige Bleichwiese hinter dem Museum in der Brüdener Straße. Dort wurden in den vergangenen Jahren Mäuerchen gezogen, der Boden präpariert und Reben gepflanzt – pilzwiderstandsfähige Sorten, wie Keser betont, Sorten also, die zwar vielleicht etwas weniger Ertrag liefern, dafür aber ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auskommen.

Gespritzt werde, erklärt Keser, rein biologisch, um die Pflanze zu stärken und die Mehltaubildung zu hemmen, mit einer Lösung vergleichbar der Brennnesseljauche, die viele Hobbygärtner selbst ansetzen. Ein Teil der Fläche wurde als Schauweinberg angelegt, es gibt sogar ein altwürttembergisches Quadrat, um historische Anbauweisen darzustellen.

Neue gesetzliche Grundlagen machen Anbau möglich

Dass die Fläche hinterm Heimatmuseum aber überhaupt für den Weinbau aktiviert werden konnte, verdankt der Verein geänderten gesetzlichen Grundlagen. Galten früher in Deutschland die Rebenaufbaupläne aus den 80er-Jahren, die den Weinbau auf die dokumentierten Flächen begrenzten und neue nicht zuließen, so schuf die EU im Zuge der Weinbauflächenliberalisierung die Möglichkeit, im Rahmen gewisser Kontingente neue Rebflächen anzulegen.

Bei der Genehmigung werden dann, wie Keser erklärt, Steillagen gegenüber mittleren und flachen Lagen bevorzugt. In einem aufwendigen, mehrere Seiten umfassenden Antrag musste der Heimatverein seine Pflanzung beschreiben, die durchschnittliche Hangneigung ermitteln – 27 Grad, bei 30 Grad beginnt die Steillage – und Nachweise über die Eigentümerschaft vorlegen.

Vor Kurzem ist nun die Genehmigung eingetroffen, und zwar für ein Grundstück mit einer Gesamtgröße von 0,07 Hektar. Das ist, so Hestler, etwas mehr als die momentan mit Reben bepflanzte Fläche: Es gibt in der Tat an den Rändern noch die eine oder andere Ecke, die auch aktiviert werden könnte. Im Übrigen gedeihen im Museumswengert auch Reben, die weißen Wein liefern. Sie werden zusammen mit Trauben von den Ebersberger Hängen gekeltert.

Mit der Genehmigung aus Bonn in der Tasche darf der Wein vom Museumswengert, der bisher nur für den Eigenkonsum hergestellt werden durfte, ganz offiziell verkauft und ausgeschenkt werden. Aber wer nun glaubt, im Heimatmuseum würde demnächst eine Weinstube eingerichtet oder der edle Tropfen käme in den Handel, wird wohl enttäuscht werden: Die wenigen Flaschen sollen vielmehr speziellen Gelegenheiten vorbehalten bleiben. Möglich ist auch, dass die Gemeinde ein Kontingent als Ratswein übernimmt und als Präsent für Jubilare und zur Außendarstellung nutzt.

Für Hestler besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es dem Museumsverein gelungen ist, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen: Der Weinbau im Täle war schon fast ausgestorben – jetzt hat er wieder Fuß gefasst. Und so hat die Klimaerwärmung sogar eine angenehme Seite: „Die Vorteile kann man nutzen.“

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Erstellt:
15. August 2018, 06:00 Uhr

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