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Ein erster Computer

In kleinen aber wichtigen Schritten hilft Alisa Ax mit, den Schulalltag an der Jubilee High School in Indien besser zu machen

Helfen ist für Alisa Ax Ehrensache. Als ehemalige Schülerin des Max-Born-Gymnasiums lernte sie das Hilfsprojekt für die indische Jubilee High School kennen. Seitdem engagiert sich die 22-Jährige auch vor Ort.

Inmitten der Schülerinnen sitzt Alisa Ax in Schulkleidung. Zwei Monate half sie mit, brachte den Kindern etwas Englisch bei, spielte mit ihnen. Fotos: privat

Inmitten der Schülerinnen sitzt Alisa Ax in Schulkleidung. Zwei Monate half sie mit, brachte den Kindern etwas Englisch bei, spielte mit ihnen. Fotos: privat

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Alles ist irgendwie anders, irgendwie chaotischer. Armut, Müll, große Felder, bescheidene Hütten. Als Alisa Ax das erste Mal vor vier Jahren nach Indien reist, kommt sie in eine neue Welt. In eine Welt, in der die Menschen in einfachsten Verhältnissen leben. Doch: „Die Menschen dort sind einfach entspannt“, erklärt die gelernte Schauspielerin, „sie haben ihr Haus oder ihre Hütte und ihr Feld, das passende Klima.“ Alisa Ax hat bereits zweimal das Dorf Rayavarum besucht. Warum? Um zu helfen.

Alles begann als Schülerin des Max-Born-Gymnasiums. Seit mehreren Jahren organisiert das Backnanger Gymnasium einen Spendenlauf, bei dem es Geld für die Jubilee High School in Rayavaram in der bettelarmen südindischen Provinz Guntur sammelt. Alisa lernte Father Allam kennen, der zu Lehrern des Gymnasiums Kontakt hatte und gerade zu Besuch war. Father Allam lud Alisa nach Indien ein, um ihr die Arbeit an der Schule, das Leben im Ort, verschiedene Projekte und die Ergebnisse der Renovierungen an der High School, die mit den Spenden des Max-Born-Gymnasiums getätigt wurden, zu zeigen. Zwei Monate verbrachte sie im Rahmen eines Praktikums vor Ort bei Father Naveen.

Als sie an der Schule ankam, sei Alisa schon das Highlight gewesen: „Helle Haare, helle Haut, das kennen die Kinder dort nicht.“ Neugierig sind sie auf Alisa zugegangen, nahmen sie genau unter die Lupe. An der Schule konnten mit den zusammengekommenen 2000 Euro Fenster und Türen eingebaut, das Dach erneuert, die Außenfassade gerichtet und der Pausenhof umgestaltet werden.

Im darauffolgenden Jahr sammelte das Max-Born-Gymnasium für den Aufbau sanitärer Anlagen. 15 Toiletten konnten von dem Geld der Schüler und des Elternbeirats im Jahr 2017 gebaut werden. Die Stadt Backnang erklärte sich bereit, den restlichen Betrag zu spenden, um das Projekt umzusetzen. Jetzt können die Schüler ungestört auf die Toilette gehen: „Was für uns normal ist, haben manche Kinder in Rayavaram nicht einmal zu Hause“. Denn Zuhause bedeutet für viele der Schüler eine Hütte, bestehend aus einem Raum, indem die ganze Familie lebt. Deshalb ist es umso wichtiger, die Schulen auszubauen. Sie sind Treffpunkt für die Schüler, die morgens in den Unterricht kommen und den Nachmittag zu Hause verbringen. Erst am Abend kommen die Kinder und Jugendlichen wieder, um gemeinsam Hausaufgaben zu machen, zu spielen und sich auszutauschen. „Am Nachmittag ist es tatsächlich so heiß, da kann man gar nichts machen.“ Die Temperaturen steigen an, das Lernen wird in den Schulräumen unerträglich.

Das Leben in den meisten Familien ist einfach: Eltern und Kinder teilen sich einen Raum zum Schlafen, Wohnen und Kochen. Der Schulbesuch ist freiwillig und kostenlos. Dennoch kommen nicht alle Kinder regelmäßig in den Unterricht, sondern arbeiten aus finanzieller Not der Familien häufig unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen in den umliegenden Granitsteinbrüchen.

Des Weiteren konnten die Jubilee High School dank der Spenden eine kleine Schulbücherei anschaffen und bei den Zehntklässlern einen Computer und einen Beamer im Klassenzimmer installieren. Indien ist auch ein Land der Gegensätze: Die Schule hatte keinen Computer, „aber fast überall hat man WLAN“, ergänzt Alisa. „Als ich sie dann wieder besuchte, haben mir die Schüler ganz stolz und aufgeregt ihren neuen Computer gezeigt.“ Das sei ein tolles Gefühl gewesen, sagt sie lächelnd. Hilfe, die nicht nur aus barem Geld besteht, sondern als tatsächliche Unterstützung ankommt. „Das ist das Schöne an diesem Projekt“, erklärt Alisa, „man sieht, wohin man spendet.“

Viele der Jugendlichen, die bereits bei ihrem ersten Besuch zur High School gingen, hätten sie bei ihrem zweiten Besuch wiedererkannt. Überrascht sei die 22-Jährige gewesen, wie herzlich sie begrüßt wurde und noch mehr überrascht habe sie, dass sich die Schüler noch an die deutschen Sätze erinnern konnten, die Alisa ihnen 2014 beigebracht hatte. Bildung ist ein wichtiges Gut, das den Jugendlichen der Jubilee High School eine Zukunftsperspektive bietet. Eines kann man von den Menschen aus Rayavarum auf jeden Fall lernen: „Sie machen einen glücklichen Eindruck, sind zufrieden. Und sie wissen das wertzuschätzen, was sie haben.“

Auch in diesem Jahr schickt das Max-Born-Gymnasium wieder Unterstützung nach Indien. Ein Teil des Geldes geht an ein weiteres Projekt, Centre for Education and Economic Development (Ceed), das Menschen, die in Armut leben, vor allem aber körperlich behinderten Frauen, in der Provinz Guntur hilft.

Wer nun neugierig ist, der kann sich unter www.survivein-rayawarum-india.jimdo.com und auf www.ceed-india.org die Hilfsprojekte genauer ansehen.

Eine warme Mahlzeit gibt es am Tag in der Schule. Gegessen wird mit den Händen.

Eine warme Mahlzeit gibt es am Tag in der Schule. Gegessen wird mit den Händen.

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Erstellt:
25. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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