Ein Gefühl von Heimat

So multikulturell unsere Gesellschaft ist, so vielfältig sind auch die Supermärkte und Essgewohnheiten. Egal ob für Menschen mit Migrationshintergrund oder ohne, in Backnang gibt es eine große Auswahl kulinarischer Märkte.

Das Konfekt, von dem der Mix-Markt in Backnang mehr als 200 Sorten führt, ist bei den Kunden äußerst beliebt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Das Konfekt, von dem der Mix-Markt in Backnang mehr als 200 Sorten führt, ist bei den Kunden äußerst beliebt. Foto: J. Fiedler

Von Annika Angele

Backnang. Unsere Gesellschaft ist so kunterbunt wie noch nie. Über 21 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland und machen die Kultur vielfältiger. Um den Einwohnern diese Vielfalt auch beim Einkaufen zu bieten, gibt es in Backnang einige Supermärkte, die Spezialitäten aus den fernen Heimaten im Sortiment führen. So auch der bulgarische Shop in der Uhlandstraße, der seit zwei Monaten die Kunden anzieht. In dem wohnzimmergroßen Verkaufsraum werden viele traditionelle Lebensmittel verkauft wie beispielsweise scharfe Soßen oder in Öl eingelegtes Gemüse. Laut dem Angestellten Emir Yovchev ist die kräftig gewürzte Rohwurst „Sucuk“ bei den Kunden am beliebtesten. Menschen vieler unterschiedlicher Nationen kaufen in dem Laden ein. Darunter seien auch 20 bis 25 Bulgaren, die zum Teil täglich vorbeischauen, so der 18-Jährige.

Auch asiatische Spezialitäten sind bei den Backnangern sehr beliebt. Im Asia-Markt in der Gartenstraße wird den Konsumenten ein riesiges Sortiment geboten: Von Lebensmitteln über Geschirr und Werkzeug bis hin zu Kleidung und Schmuck ist alles dabei. Im großen Verkaufsraum liegt der Duft von Lavendel in der Luft. Kleine Schilder an den Regalen bieten den Kunden Orientierung, aus welchem Land die Lebensmittel stammen. Aus Vietnam sind beispielsweise in Salzwasser eingelegte Auberginen im Regal zu finden. Oder auch die aus Thailand importierten Bambusscheiben und Pandanblätter.

Manche Kunden lassen so kulinarische Urlaubserinnerungen aufleben

Damit auch Menschen, die keine Kenntnisse der jeweiligen asiatischen Sprache haben, sich zurechtfinden, ist auch eine deutsche Beschreibung auf den Produkten angebracht. Laut der 54-jährigen Angestellten Maria Lambacher kaufen Kunden sehr gerne das eingelegte, scharf-säuerliche Gemüse namens „Kimchi“ ein. Im Markt gibt es viele ausgefallene Speisen wie beispielsweise die Jackfrucht Chips oder ein Durianfruchtkuchen. Auch die Kundin Kim Musumeci isst gerne asiatisch. Die 31-Jährige ist vor allem wegen dem mit Creme gefüllten, kugelförmigen Dessert aus süßem Reisteig hier, die aus der japanischen Küche kommen. „Ich liebe die Mochis“, sagt sie.

Wer seine türkischen Urlaubserinnerungen aufleben lassen möchte, wird im Istanbul-Bazar in der Sulzbacher Straße fündig. Die rohen Hackfleischbällchen „Çiğ Köfte“, das Fladenbrot „Dürüm“ oder auch das Joghurtgetränk „Ayran“ lassen das hier das Herz der Kunden höherschlagen. Eine Frischfleischtheke bietet den Kunden eine große Auswahl. Auch der 40-jährige Mohammed Otueslati kauft deshalb im Bazar ein. „Ich bin hauptsächlich wegen dem frischen Fleisch hier.“ Der Markt ist sehr übersichtlich sortiert, weshalb der Kunde schnell findet, was er sucht. Überwiegend besuchen Türken, Griechen, Kroaten und Bosnier den Bazar, so der 58-jährige Ladenbesitzer Susur Tavabil. „Fleisch, Obst und Gemüse sind aber vor allem bei den deutschen Kunden sehr beliebt.“

Wer Heimweh nach osteuropäischen Spezialitäten bekommt, ist im Mix-Markt am Dresdener Ring genau richtig. Ein fruchtiger Duft empfängt den Kunden, wenn er an den Obst- und Gemüseregalen vorbeiläuft. Bekannte Köstlichkeiten wie die dünnen, getrockneten „Kabanossi“ oder der Aufstrich aus Paprika und Aubergine „Ajvar“ können im Markt gekauft werden. Für eine Kuriosität sorgen die getrockneten Fisch-Snacks aus beispielsweise dem Riesenkalmar oder dem Tintenfisch. Doch auch für Nichtosteuropäer sind die Beschreibungen auf den Produkten verständlich. Laut dem Marktinhaber Michael Dermer besuchen vor allem Menschen aus dem Osten den Laden. Die gezuckerte Kondensmilch sei aber bei allen Nationalitäten beliebt, so der 38-Jährige. „Vor allem unser Konfekt mit über 200 Sorten kommt bei den Kunden sehr gut an.“ Portugiesisches Heimatgefühl bekommt man im Lisboa Mercado im Seehofweg, der seit über fünf Jahren die Stadt bereichert. Da Portugiesen gerne Fisch essen, ist die Tiefkühltruhe vollgefüllt. Beispielsweise Venusmuscheln, Garnelen oder Kalmare können gekauft werden. Die aus der Algarve bekannten Kerne der weißen Pflanze Lupine „Tremoços“ findet der Kunde eingemacht in Gläsern. Auch landestypische Süßspeisen wie der Pudding mit Karamell „Pudim Flan“ steht in den Regalen. Sogar bemaltes Tongeschirr wie Teller, Schalen und Krüge aus Portugal gibt es zu kaufen. Laut der Angestellten Lima Abmanda besuchen Menschen aller Nationen gerne den Laden. „Auch viele Deutsche kommen vorbei, wenn sie Speisen aus dem letzten Urlaub wieder essen wollen.“

Das Angebot der verschiedenen Supermärkte kommt bei den Backnangern offenbar sehr gut an, denn die Läden sind immer gut besucht. Kulinarische Spezialitäten machen eben vor keiner Landesgrenze halt.

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Erstellt:
16. August 2021, 06:00 Uhr

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