Ein rasender Riese holt sich den Titel der Bobby-Car-WM

Erstmals hat die Deutsche Meisterschaft im BIG-Bobby-Car-Fahren in Großerlach stattgefunden. Den Rennfahrern hat die anspruchsvolle, kurvige Strecke Spaß gemacht. Seinen Meistertitel hat Dominik Rivola aus der Nähe von Augsburg verteidigt.

Auf das fahrerische Können kommt es auf der Großerlacher Strecke stark an. Dominik Rivola hat den anspruchsvollen Kurs am besten gemeistert. Fotos: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Auf das fahrerische Können kommt es auf der Großerlacher Strecke stark an. Dominik Rivola hat den anspruchsvollen Kurs am besten gemeistert. Fotos: Tobias Sellmaier

Von Nicola Scharpf

Großerlach. Dominik Rivola ist angetreten, seinen Titel zu verteidigen. Der große Mann, knapp zwei Meter, will mit seinem kleinen Flitzer, entfernt einem Bobbycar ähnelnd, wieder Bester werden und weiterhin die Weltrangliste anführen. Er will Weltmeister werden in der Profiklasse derer, die am Wochenende in Großerlach den asphaltierten Feldweg neben dem Bikepark auf Kinderspielzeugautos hinunterrasen: Es ist BIG-Bobby-Car-Meisterschaft. Von den Dreijährigen bis zu den Ü-50-Fahrern setzt sich alles aufs Kinderauto und lässt es den Hang hinunter krachen. Ein Spektakel, das viele miterleben wollen.

Bobby-Car-Meisterschaft in Großerlach

Zuschauer säumen die Rennstrecke, die mit rot-weißem Flatterband abgesperrt ist. In den Kurvenbereichen sorgen in Plastiksäcke gepackte Strohballen für Sicherheit, falls mal ein Fahrer den Abflug macht. Eine Rampe Marke Eigenbau unter einem gelben Pavillon dient oben, neben dem Liftausstieg, als Start. Pylonen und eine weiße Linie quer über den Asphalt markieren hangabwärts das Ziel. Dazwischen: ungefähr 400 Meter Gaudi in Serpentinen – für die Fahrer und die Zuschauer. Einige haben richtige Lager aufgeschlagen mit faltbaren Campingstühlen, Sonnenschirmen, Vollverpflegung und Bobbycars in verschiedenen Farben. Die ganze Familie ist im Lager versammelt – bis auf dasjenige Familienmitglied, dessen Rennklasse gerade an der Reihe ist, oder das eine Funktion entlang der Strecke innehat.

Auf die Plätze, fertig, los: Die Kinder starten in ihren Klassen mit originalen BIG-Bobby-Cars.

© Tobias Sellmaier

Auf die Plätze, fertig, los: Die Kinder starten in ihren Klassen mit originalen BIG-Bobby-Cars.

Die Kinder- und Jugendlichenklassen und die Amateure waren schon an der Reihe. Jetzt, am Nachmittag, sind die Profis dran. Ihre Boliden wiegen bis zu 40 Kilogramm. „Das ist kein rückenschonender Sport“, sagt Christian Schenk, der seinen Flitzer mit Blei, Eisen und allem, was schwer ist, aufgelastet hat und ihn jetzt auf die Startrampe hievt. Außer der farbigen Kunststoffschale ist an diesen Rennautos kaum ein Original-Bobbycar-Teil vorhanden. Dominik Rivola zum Beispiel hat die Felgen für sein Gefährt selbst gedreht. Die Reifen sind solche, die für Sackkarren verwendet werden. Nur hat der 33-Jährige aus der Nähe von Augsburg das Profil der Luftreifen abgeschliffen, damit er auf der kurvigen Strecke Grip hat. Er ist ein Tüftler – so wie die anderen auch. „Es geht nur um den Spaß“, sagt er. „Das mit dem Titel ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten.“ Preisgeld? „Einmal habe ich 20 Euro Preisgeld bekommen. Das war in Dortmund. Für die Fahrt dorthin habe ich aber 200 Euro für Benzin ausgegeben.“

Auf der Großerlacher Strecke ist das Können wichtiger als das Material

Es sind dieses Mal elf Teilnehmer in der Profiklasse. Sie sind sich einig, dass die Strecke anspruchsvoll ist. „Es gibt bessere Anfängerstrecken“, sagt der rasende Riese Dominik Rivola. „Die Strecke macht richtig Spaß. Das fahrerische Können ist hier heute wichtiger als das Material.“ Auf geraden Strecken sei es eine einzige Materialschlacht. An die zwei Meter groß zu sein sei bei diesem Sport nicht unbedingt von Nachteil: Lange Beine zu haben bringe viel Gewicht auf die Vorderachse, dazu kommen die schweren Schuhe. „Wenn viel Gewicht hinten ist, dann untersteuert das Fahrzeug“, erklärt Christian Schenk.

Dominik Rivola mit seinem getunten Flitzer.

© Tobias Sellmaier

Dominik Rivola mit seinem getunten Flitzer.

Dann geht es los. Die Fahrer ziehen ihre Rennkluft an: Motorradkleidung, Helm, speziell präparierte Schuhe zum Bremsen mit Sohlen aus dickem Gummi – von Winter- oder Lkw-Reifen. Jeder geht etwas in sich: Wie muss ich diese Kurve angehen? Wo muss ich bremsen? Anspannung wird beim Startpavillon spürbar, wo die Fahrer zwar miteinander noch eine Zigarette rauchen, aber doch Konkurrenten sind. „Auf der Strecke schlagen wir uns die Köpfe ein und abends trinken wir zusammen im Fahrerlager ein Bier“, beschreibt einer die sportlich-faire Haltung der Wettkampfteilnehmer. Jeweils zu zweit geht es an den Start, der eine links auf der Rampe, der andere rechts. Per Funkgerät bekommen die Streckenposten am Start Bescheid, wenn die Bahn frei ist. „Fahrer bereit?“, fragt der Streckenposten die zwei Männer, die sich in Position bringen, sprich: sich auf ihre Bobbycars legen. „Bereit“, bekommt er zur Antwort. Dann: „Auf die Plätze, fertig, los!“ Und der Streckenposten löst mit einem Ruck die Barriere, die Rennautos rollen los. Auf dem kurvigen Weg ist an Höchstgeschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde nicht zu denken, aber mit über 60 km/h gehts dennoch bergab – begleitet von Tröten, Ratschen, Rufen und allem, was sonst noch zum Anfeuern taugt. Im zweiten Testlauf macht Dominik Rivola den Abflug und landet im Strohballen. Er rappelt sich aber wieder auf, fährt den Rest der Strecke geruhsam bis zum Shuttle-Kleintransporter, der die Fahrer samt ihren Fahrzeugen auf seiner Ladefläche vom Ziel zurück an den Start hochfährt. Jeder Fahrer ist bei diesem Ablauf nach dem System Doppel-k.o. mindestens vier Mal dran.

Zum Ende des Wettkampftages scheint es sich einzuregnen und der eigentlich vorgesehene Zeitplan ist auch schon längst den Bach runter. Aber Dominik Rivola hat sein Ziel erreicht: Nach einem spannenden Rennen ist er erneut Deutscher Meister und Weltmeister in der Profiklasse. Lokalmatador Steffen Lindemann, der mit seiner Familie in Steinheim an der Murr lebt und die Meisterschaft in Großerlach maßgeblich organisiert hat, fährt auf Platz drei. Wenn es nach den Bobbycarfahrern geht, war die erste Deutsche Meisterschaft, die hier in Großerlach ausgetragen wurde, nicht die letzte.

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Erstellt:
26. September 2022, 06:00 Uhr

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