Ein seltenes Bild: der putzende Mann

Nach aktuellen Umfragen herrscht noch lange keine Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern: Meist putzt und wäscht die Frau

Mal ehrlich: Wer schwingt bei Ihnen zu Hause den Putzlappen? In den meisten Haushalten ist das immer noch die Frau – egal, wie modern die Partnerschaft sonst ist.

Berlin /DPA - Putzen und Waschen bleiben in Deutschland Frauensache, auch bei Paaren, die sonst sehr auf Gleichberechtigung achten. Mehrere aktuelle Studien zeigen, dass Theorie und Praxis bei diesem Thema weit auseinanderliegen. Drei von vier Bundesbürgern (Männer und Frauen) sagen demnach, dass die Frau nicht allein für Hausarbeit und Kinderbetreuung zuständig sein sollte, wenn beide Partner arbeiten. Trotzdem übernehmen Frauen weiter den Löwenanteil im Haushalt, wie aus einer Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln hervorgeht.

Beispiel Wäsche: Die große Mehrheit der Frauen schmeißt die Waschmaschine meist oder immer selbst an, obwohl sie voll berufstätig sind. Nicht einmal jede vierte vollzeitbeschäftigte Frau teile sich diese Aufgabe mit ihrem Mann oder Partner, ergab die IW-Auswertung mehrerer Umfragen.

Auch den Putzlappen hat meist die Frau in der Hand. Auf die Frage „Wer putzt bei Ihnen zu Hause?“ antworten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov 84 Prozent der Frauen mit „Ich selbst“, aber nur 58 Prozent der Männer. Kleine Reparaturen im Haus, Bohren oder Rasenmähen dagegen sind häufig Männerdomäne, allerdings fallen sie deutlich seltener an.

Diese Ungleichverteilung hat nur zum Teil damit zu tun, dass Männer im Schnitt immer noch mehr Stunden erwerbstätig sind als Frauen. Werktags möge dieses Argument vielleicht gelten, sagte Claire Samtleben vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Doch Hausarbeit und Kinderbetreuung seien eben nicht nur unter der Woche ungleich aufgeteilt. Einer DIW-Studie zufolge leisten Frauen auch an Sonntagen deutlich mehr unbezahlte Arbeit.

Nimmt man bezahlte Arbeit und unbezahlte Hausarbeit zusammen, schuften Männer und Frauen demnach an Wochentagen mit rund elf Stunden etwa gleich lang. Dabei verbringen Frauen ohne Kinder etwa doppelt, Frauen mit Kind im Kita-Alter sogar dreimal so viel Zeit mit Kochen, Putzen und Wäschewaschen wie ihre Partner. Am Sonntag haben die dann keineswegs frei, sondern arbeiten der Studie zufolge im Schnitt 1,5 Stunden mehr als Männer. Besonders interessant: In den vergangenen 15 Jahren hat das Engagement der Männer kaum zugenommen.

Theresa Eyerund und Anja Katrin Orth vom IW Köln kritisierten, Gesellschaft und Politik erwarteten von Frauen, dass sie mehr und mehr in Vollzeit arbeiteten, doch die Aufgabenteilung im Privatleben sei daran nicht angepasst. Hausarbeit müsse als tatsächliche Arbeit verstanden werden und nicht nur als „Ausdruck des Kümmerns“.

Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sprach im Januar im deutschen Parlament in einer launigen Rede mahnend von Widersprüchen zwischen Theorie und Praxis: Dass Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege und Ehrenamt besser aufgeteilt werden müssten, sei „eine weithin akzeptierte Erkenntnis, an deren Umsetzung Männer gelegentlich mit Nachdruck erinnert werden müssen“. Mehrere Bundestagspolitiker gaben daraufhin zu, sich bei der Hausarbeit zu drücken.

Fremdputzen lassen laut Yougov-Umfrage übrigens die wenigsten: Bei gerade sechs Prozent der Bundesbürger ist eine professionelle Reinigungskraft im Einsatz.

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Erstellt:
7. März 2019, 09:12 Uhr

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