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Ein Stück Feuerwehrgeschichte

Früherer Weissacher Kommandant Gerhard Ellinger in den Ruhestand verabschiedet – Für die Alterswehr weiterhin im Einsatz

Gerhard Ellinger, der frühere Weissacher Feuerwehrkommandant, ist jetzt mit 65 Jahren offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Hinter ihm liegen fast 50 Jahre aktiver Dienst. Geht nicht? Geht doch: Ellinger ist der damals noch eigenständigen Feuerwehr in Cottenweiler als 16-Jähriger beigetreten – was in späteren Zeiten aber noch das eine oder andere Mal für Verwirrung sorgen sollte.

Gerhard Ellinger, hochdekoriert, blickt auf 49 Jahre aktiven Feuerwehrdienst zurück, davon 23 Jahre als Kommandant in Weissach. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Gerhard Ellinger, hochdekoriert, blickt auf 49 Jahre aktiven Feuerwehrdienst zurück, davon 23 Jahre als Kommandant in Weissach. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Ellinger steht für fünf Jahrzehnte Feuerwehrgeschichte, ja, er hat selbst daran mitgeschrieben und hat viel zu erzählen – Fachliches ebenso wie Anekdotisches. So etwa die Geschichte, wie er zur Feuerwehr gekommen ist. Er muss noch heute darüber schmunzeln. In der elterlichen Wirtschaft in Cottenweiler, dem Löwen, saßen ein paar maßgebliche Feuerwehrleute, auch sein Vater, zusammen und beratschlagten. Landauf, landab litten die Brandschützer darunter, dass sich zwar reichlich junge Männer zum Dienst meldeten, weil sie so die Feuerwehrabgabe sparen konnten. Viele waren aber nach den 25 Pflichtjahren wieder weg. Das riss Lücken in die Einheiten.

Auf die Frage, ob nicht er, Ellinger, sich vorstellen könnte, bei der Feuerwehr einzusteigen, verwies der Jungspund auf das Mindestalter 18 Jahre: Interesse hätte er ja schon. Aber er sei doch erst 16. Das solle kein Hindernis sein, beschied man ihm – und schloss die Frage an, ob er nicht noch ein paar Kumpel hätte, die auch mitmachen würden. Hatte er. Aber die seien auch erst 16. Na und? Also traten sie zu fünft in die Feuerwehr ein.

Vor der Ehrung für 40 Jahre Dienst gab es erst noch Klärungsbedarf

Als dann die Ehrung für 40-jährige Feuerwehrzugehörigkeit anstand, kam es jedoch zu Zweifeln: Das könne ja wohl nicht sein, dass ein 56-Jähriger schon 40 Jahre aktiven Dienst hinter sich hat, hieß es nun. Ja, wäre er in der Jugendfeuerwehr gewesen, würden die Jahre anerkannt. Aber so? Ellinger, zu diesem Zeitpunkt längst Träger des höchsten Ehrenzeichens, das die Feuerwehr in Deutschland überhaupt zu vergeben hat, des Feuerwehrkreuzes in Gold, blieb gelassen – und der Fall ließ sich regeln.

Geregelt bekam Ellinger während seiner aktiven Dienstzeit auch viele andere Sachen. Und das war nötig, denn im Feuerwehrwesen spielte sich eine technische Revolution ab. Hatte man in Cottenweiler anfangs noch einen Hydrantenwagen in Gebrauch, den zwei Männer mühsam zum Brandort ziehen mussten, jagten sich bald die Neuerungen – ein erstes Tragkraftspritzenfahrzeug, Löschfahrzeuge, Atemschutz und immer weitere Verbesserungen kamen auf die Helfer zu.

Bereits 1977, sechs Jahre nach seinem Einstand, wurde der junge Mann stellvertretender Kommandant der neu formierten Freiwilligen Feuerwehr Weissach im Tal, in der nun – ein Ergebnis der Kommunalreform – die einzelnen Ortsfeuerwehren zusammengefasst waren.

In der Folge ging es um den Bau eines zentralen Feuerwehrgerätehauses am Aichholzhof – ein Pilotprojekt im Land. 1984 wurde es bezogen, schon ein Jahr später rückte Ellinger als Kommandant an die Spitze der Truppe. Das Amt übte er bis 2008 aus, dann trat er in den Mannschaftsdienst zurück: Der Maschinenbauingenieur, der über den zweiten Bildungsweg zum Abitur und zum Studium gekommen war, hatte sich selbstständig gemacht und musste wachsenden Aufgaben im Geschäft nachgehen. Andererseits hatte der langjährige Bürgermeister Rainer Deuschle, mit dem Ellinger ein unschlagbares Team bildete, ihn aufgefordert, nach Ablauf der Amtszeit im Jahr 2005 noch eine Weile dranzuhängen: „Wir hören miteinander auf.“

Viele Einsätze forderten Ellinger in der 23-jährigen Zeit als Kommandant, darunter Brände bei der Tonwarenfabrik Rombold, der erste nur 14 Tage nach dem Amtsantritt, dann die häufigen Hochwasser in Weissach oder schwere Verkehrsunfälle, bei denen es Personen zu retten galt. An einen Einsatz erinnert er sich besonders. Es war 1987, an seinem 33. Geburtstag, ein Mittwochabend. Einige Kameraden waren zur Feier zu ihm gekommen, als gegen 21.30 Uhr der Alarm einging: Brand auf einem Hof in Wattenweiler. Bis Samstag sollten sich die Lösch- und Aufräumarbeiten hinziehen.

Außerdem forcierte Ellinger die Ausbildung der Feuerwehrleute: Er machte Weissach zur Ausbildungsstätte fürs ganze Weissacher Tal und darüber hinaus.

„Kameradschaftlich hatten wir schöne Zeiten“, blickt Ellinger zurück und zählt insbesondere die Ausflüge nach Rauris in Österreich und nach Lommatzsch, die sächsische Partnerstadt der Gemeinde, auf. Zudem erinnert er an die Unterstützung, die er in seiner Ära von seinem Stellvertreter Horst Zwickel erfuhr.

In diesem Zusammenhang kommt Ellinger auch auf die Beschaffung des ersten Kommandowagens zu sprechen. Zwickel, der bei der Berufsfeuerwehr Stuttgart arbeitete, hatte Wind davon bekommen, dass ein zehn Jahre alter Opel Rekord günstig zu haben sei. Aber wie sag ich’s meinem Bürgermeister, der doch immer ganz genau aufs Geld schaute, überlegte Ellinger. Anruf im Rathaus. Gemeinsam witterte man ein Schnäppchen, Deuschle opferte seinen freien Freitagnachmittag für die spontane Fahrt nach Stuttgart und schlug bei 500 Mark ein – wobei der Rathauschef auch noch Winterreifen und das bereits ausgebaute Funkgerät als Dreingabe herausschlug. Fünf Jahre später konnte der Wagen an einen Sammler verkauft werden – für 600 Mark. Ein ähnlicher Coup gelang mit dem Nachfolgermodell, einem Mercedes-Jahreswagen, für den das Gespann Deuschle/Ellinger erst den Preis weit herunterhandelte und dann auch noch eine Beihilfe von 12000 Mark erwirkte, die es sonst eigentlich nur für Neuwagen gab. Ellinger erinnert sich aber auch lachend ans dunkelste Kapitel in der Geschichte der Weissacher Feuerwehr, als die Gemeinde – weil gespart werden musste – zur Hauptversammlung anstelle des üblichen gemischten Bratens nur ein kaltes Vesper springen ließ.

Ellinger wäre aber nicht Ellinger, wenn er nicht trotz der Verabschiedung noch für die Feuerwehr tätig wäre: Bereits seit 2013 kümmert er sich um die 1990 gegründete Altersabteilung, und seit 2015 engagiert er sich als stellvertretender Obmann für die Alterswehren im Kreis.

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Erstellt:
1. Februar 2020, 06:00 Uhr

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