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Ein Talent mit großen Plänen für die Zukunft

Alia Abouatie hat ein Stipendium von „Talent im Land“ erhalten – Gegen 300 Bewerber hat sich die Schülerin des Max-Born-Gymnasiums durchgesetzt

50 Schüler aus Baden-Württemberg haben für ihr besonderes Talent und Engagement ein Stipendium von „Talent im Land“ erhalten. Die Schülerin Alia Abouatie aus Burgstetten ist eine von ihnen, bis zu ihrem Abschluss wird sie von der Stiftung gefördert.

Alia Abouatie vom Max-Born-Gymnasium hat für ihr herausragendes Talent und Engagement ein Schülerstipendium erhalten. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Alia Abouatie vom Max-Born-Gymnasium hat für ihr herausragendes Talent und Engagement ein Schülerstipendium erhalten. Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer

BURGSTETTEN. Alia Abouatie besucht die Oberstufe des Max-Born-Gymnasiums in Backnang. Sie verbringt den Großteil ihrer Zeit in der Schule, denn zusätzlich zu Nachmittagsunterricht und der Vorbereitung auf das Abitur hilft sie anderen Schülern bei den Hausaufgaben und gibt Nachhilfe. Dieses Engagement ist ein Grund, warum Alia seit September zu den Stipendiaten von Talent im Land (TiL) gehört, einem Gemeinschaftsprojekt der Baden-Württemberg-Stiftung und der Josef-Wund-Stiftung. Sie fördern besonders begabte Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zum Abitur, wenn diese aufgrund ihrer sozialen Herkunft Hürden zu überwinden haben. Für das Stipendium müssen die Schüler mehr als nur gute Noten vorweisen. Alia zum Beispiel ist besonders begabt, wenn es um den Bereich Sprachen geht, vier spricht die Schülerin bereits. Und vor kurzem hat sie begonnen, auch Koreanisch zu lernen, eigenständig und mal so nebenbei. „Sprachen sind die Schlüssel zu Kulturen und andere Kulturen faszinieren mich besonders“, erklärt die 16-Jährige ihr Interesse.

Alia musste sich in mehreren Bewerbungsrunden beweisen

Als ihr Physiklehrer ihr von der Stiftung erzählte, reagierte sie sehr zögerlich. „Ich hatte gar keine Hoffnung, dass ich das Stipendium bekomme, aber meine Mutter hat mich dann doch überredet, mich zu bewerben“, erklärt sie. Mehrere Bewerbungsrunden musste sie überstehen, um sich gegen die 300 anderen Bewerber durchzusetzen: zunächst in der schriftlichen Bewerbung mit Motivationsschreiben, Zeugnissen und Auskunft zu den Verhältnissen bei ihr Zuhause. Danach kam die Einladung nach Stuttgart, wo sie sich im Einzelgespräch vorstellen und dann noch in einer Gruppe beweisen musste. Hier wurde ihr und anderen Bewerbern eine Aufgabe gegeben, die sie gemeinsam diskutieren und dann lösen mussten.

Auf die endgültige Entscheidung der Jury musste sie dann noch eine Weile warten. Eine Zeit, in der sie dauerhaft angespannt und nervös war. Dann kam die erlösende Nachricht: Die Jury sieht großes Potenzial in ihr, möchte sie bis zu ihrem Abschluss fördern. „Die Mail mit der Zusage kam, als ich gerade in der Schule war, da musste ich erst mal losschreien“, beschreibt sie lachend.

Alia verbringt viel Zeit in der Schule, neben täglichem Nachmittagsunterricht war sie mehrere Jahre Klassensprecherin, hat nachmittags die Hausaufgabenbetreuung übernommen und zusätzlich noch anderen Schülern Nachhilfe gegeben. Auch ihre beiden Brüder hat sie lange beim Lernen unterstützt. Viel Zeit für Freizeit bleibt ihr da nicht mehr, aber wenn, verbringt sie diese gern mit Lesen und Musik. Vor allem K-pop, also koranische Popmusik, hat es ihr angetan. „Korea wäre mein absolutes Wunschreiseziel, die Menschen und die Kultur dort faszinieren mich. Deswegen will ich auch die Sprache lernen.“

Seit dem Jahr 2003 unterstützt Talent im Land talentierte Jugendliche durch eine finanzielle Förderung von 150 Euro im Monat, durch Beratung bei der Berufswahl und verschiedene Weiterbildungsangebote.

Seit knapp zwei Monaten ist Alia nun eine Stipendiatin von Talent im Land und schon jetzt erleichtert ihr die Unterstützung den Alltag. „Die finanzielle Lage war bei uns immer eher schwierig“, erklärt sie. „Klassenfahrten zu finanzieren war oft aufwendig und kompliziert.“ Auch hatte sie im gemeinsamen Zimmer mit ihren Geschwistern bisher keinen richtigen Platz zum Lernen, durch die finanzielle Unterstützung konnte sie sich jetzt einen Schreibtisch und ein Regal kaufen und als eigenen Lernplatz einrichten.

Aber vor allem die immaterielle Hilfe ist für sie unschätzbar: Tipps von ehemaligen Stipendiaten zu Berufswahl und Bewerbungen, Seminare und Fortbildungen in den Bereichen Politik und Gesellschaft sowie Ausschreibungen zu Wettbewerben, an denen sie teilnehmen können, wie zum Beispiel ein Fotowettbewerb oder ein Wettbewerb, bei dem Jugendliche Businesspläne schreiben und einreichen können. Aber besonders der Austausch mit den anderen Stipendiaten bedeute Alia viel. Deshalb wird die Sommerakademie wohl ein besonderes Highlight für sie sein. Dort werden die 50 Stipendiaten eine Woche zusammen verbringen und verschiedene Workshops besuchen. „Darauf freue ich mich am meisten. Wir haben uns bisher erst zweimal getroffen, aber die anderen sind schon jetzt wie eine zweite Familie für mich“, meint Alia.

Für die Zukunft hat die Schülerinaus Burgstetten große Pläne

Wie ein Großteil der diesjährigen Stipendiaten, hat auch Alia einen Migrationshintergrund. Geboren wurde sie zwar in Deutschland, aber ihre Eltern stammen aus dem Libanon.

Voraussetzung für das Stipendium sind aber nicht nur Engagement und herausragende Leistungen, sondern auch ein breites Interessenfeld und klare berufliche Ziele. So weiß auch Alia schon jetzt, was sie später werden möchte: Managerin im Bereich Marketing bei Unicef. Warum genau das? „Ich möchte die Welt voranbringen“, erklärt sie. „Ich will etwas für den Umweltschutz tun. Und ich will darauf aufmerksam machen, dass es noch immer arme und hungernde Menschen auf der Welt gibt und bei einer Organisation wie Unicef könnte ich das tun.“ Deshalb weiß sie schon jetzt, dass sie nach ihrem Abschluss entweder International Business oder Management studieren will.

Eines ist ihr besonders wichtig: „Es gibt so viele talentierte Leute, die finanziell nicht stabil sind, von TiL aber nichts wissen. Ich möchte sie darauf aufmerksam machen, aber auch Schulen und Lehrer sollten mehr über solche Möglichkeiten wissen.“

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Erstellt:
22. November 2019, 16:00 Uhr

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