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Eine andere Weide für Kirchberger Kühe

Veterinäramt und Landwirt bestätigen: Umzug der Tiere an anderen Standort steht bevor – Größtes Problem war der Unterstand

Die Kühe, die auf einer Weide in Kirchberg immer mal wieder im Schlamm waten, sollen an einen anderen Standort kommen. Dies bestätigten Landwirt Martin Seufer und Philipp Benz vom Veterinäramt Rems-Murr-Kreis.

Bürger machen sich Sorgen, weil diese Kühe auf einer Weide in Kirchberg immer wieder im Matsch waten. Die Problematik liegt aber vor allem in einem fehlenden sturmfesten Unterstand. Foto: privat

Bürger machen sich Sorgen, weil diese Kühe auf einer Weide in Kirchberg immer wieder im Matsch waten. Die Problematik liegt aber vor allem in einem fehlenden sturmfesten Unterstand. Foto: privat

Von Ingrid Knack

KIRCHBERG AN DER MURR. „Meine Viecher stehen im Dreck, das gefällt mir selber auch nicht“, sagt Martin Seufer aus Kirchberg an der Murr. Immer wieder melden sich bei unterschiedlichen Behörden Bürger, die bei Spaziergängen entlang der Weide nahe der Murr sehen, wie die Bullen und Kühe im Morast stehen. Insbesondere, wenn es längere Zeit geregnet hat, verwandeln sich Teile der Weide zu einer Matschlandschaft (wir berichteten). Gudrun Wilhelm (Freie Liste Kirchberg) hatte das Thema unlängst im Gemeinderat erneut angesprochen.

Der Kirchberger Landwirt Martin Seufer beteuert auf Nachfrage: Die Tiere seien gut genährt und gesund, was man auch am Fell ablesen könne. „Die fühlen sich wohl.“ Dass es den Nutztieren im Grunde an nichts fehle, untermauert er mit folgenden Zahlen: Er spricht von einem Bullen, dessen Schlachtgewicht 600 Kilogramm betrug, und von einer Kuh mit einem Schlachtgewicht von 345 Kilogramm. „Meine Tiere werden ordnungsgemäß mit Nahrungsmitteln versorgt.“

Auch Philipp Benz, stellvertretender Veterinäramtsleiter, befasst sich mit der Thematik schon seit Langem. Der Experte weiß: Schlamm hin oder her („es gibt Tiere, die im Stall leben, die es weitaus schlechter haben“), wichtig für eine artgerechte Haltung sei vor allem ein Unterstand, der eine trockene Liegefläche garantiere. Einen solchen bereitzustellen, habe das Veterinäramt von Martin Seufer gefordert, und dieser Forderung sei der Landwirt nachgekommen, so Benz. Das Problem sei nur gewesen: „Als der Sturm war, ist die Plane weggeflogen. Immer wieder war das Dach unten.“

Nun gehe es auf die Kalbungen zu, weshalb die Problematik mit der fehlenden trockenen und möglichst zugfreien Liegefläche dringlicher werde. „Wir sind dran, dass die Tiere auf eine andere Weide kommen“, erklärt er. Auch Martin Seufer spricht von einem anderen Standort mit einer 20 Zentimeter dicken „Hackschnitzeldecke“. Beim Gespräch mit ihm werden zudem die Fallstricke deutlich, mit denen der allein arbeitende Landwirt, der durchaus gerne einen Kooperationspartner an seiner Seite hätte, kämpft. Schon vor einem Jahr war er mit Unterstützung des beim Landratsamt angesiedelten Veterinäramts auf der Suche nach einer anderen Weidefläche, die nicht nahe der Murr liegt.

Noch standen die Tiere dieser Tage auf der bekannten Weide, die mit sehr viel Sisyphosarbeit verbunden ist: Wenn die matschigen Stellen beispielsweise mit Stroh eingestreut werden, ist der gute Effekt bei schlechten Witterungsbedingungen nur von kurzer Dauer. Oder andersherum: Es geht ein Alarmanruf beim Veterinäramt ein, ein Mitarbeiter schaut vor Ort nach dem Rechten, aber es ist bereits eingestreut worden. Dies ist auch für das Veterinäramt eine mühselige Sache. Dass deshalb schon mal abgewiegelt wird, wenn entsprechende Anrufe eingehen, sollte man auch unter diesen Aspekten bewerten. Definitiv nicht zuständig ist die Polizei, betont Benz.

„Dauerhaft kann man das nicht machen“, resümiert Seufer in Bezug auf den Standort. Er hebt aber hervor, dass er seine Tiere auch künftig „alternativ und biologisch“ halten wolle. Im Gegensatz dazu führt er „Kettenhaltung in Ställen“ und zu kleine Liegestände an. Dann sagt er noch: „Ich muss den Bestand reduzieren und Absatzmöglichkeiten von Fleisch suchen.“ Es scheint sich also etwas zu tun. Gesprochen wurde schon viel, Pläne wurden geschmiedet und ließen sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht realisieren. Doch jetzt ist der Knoten wohl geplatzt und der Weg für eine Lösung frei. Wo die neue Weide ist und wann der Umzug der Tiere geschieht, war indes nicht zu erfahren. Aber sowohl Benz als auch Seufer signalisierten, dass es bis dahin nicht mehr lange dauere.

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Erstellt:
12. März 2020, 11:30 Uhr

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