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Emissionsfrei durch Waiblingens Innenstadt

Seit Anfang des Jahres fahren in der Kreismetropole auf zwei Linien Elektrobusse – Landkreis hat Vorreiterrolle in der Region

Die fabrikneuen Elektrobusse, die in Waiblingen fahren, sind etwas kleiner als die im Linienverkehr sonst üblichen Fahrzeuge. Das hat den Vorteil, dass die Fahrer in den engen Straßen der Altstadt und in Wohngebieten besser über die Runden kommen können. Foto: G. Habermann

© Gabriel Habermann

Die fabrikneuen Elektrobusse, die in Waiblingen fahren, sind etwas kleiner als die im Linienverkehr sonst üblichen Fahrzeuge. Das hat den Vorteil, dass die Fahrer in den engen Straßen der Altstadt und in Wohngebieten besser über die Runden kommen können. Foto: G. Habermann

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Seit 1. Januar sind im Waiblinger Stadtgebiet Elektrobusse im Einsatz – ein Novum in der Region Stuttgart. Die Fahrzeuge verkehren auf zwei innerstädtischen Linien: zwischen Bahnhof und Galgenberg sowie zwischen Bahnhof und Wasserstubenweg. Die Strecken werden von der Firma Omnibus-Verkehr Ruoff GmbH (OVR) mit drei emissionsfreien Bussen im Midi-Format bedient.

Die beiden Citybuslinien in Waiblingen eignen sich nach Auffassung des Landkreises besonders gut, um den Einsatz von Elektrobussen im Rems-Murr-Kreis zu testen und überhaupt erste Erfahrungen zu sammeln. Zugleich nimmt der Landkreis damit in der Region eine Vorreiterrolle ein. Denn verantwortlich für den öffentlichen Personennahverkehr sind die Landkreise.

Die Strecken wurden so ausgewählt, dass dort ausschließlich kleinere Busse – sogenannte Midibusse – zum Einsatz kommen. Diese seien, wie das Landratsamt unterstreicht, technisch ausgereift und für die vergleichsweise kurzen Linienwege in dicht besiedelten Wohngebieten mit teils engen Straßenverhältnissen gut geeignet. Da schädliche Abgase vermieden werden und auch die Fahrgeräusche reduziert sind, profitieren sowohl Bewohner und Passanten als auch die Umwelt vom Einsatz der neuen Fahrzeuge. Oder, wie OVR-Geschäftsführer Horst Windeisen anschaulich sagt: Wenn mittwochs Markt ist und der Bus durch die Fußgängerzone rollt, dann gebe es keinen Dieseldampf zum Gemüsekauf.

Die Linien, auf denen die mit Fördermitteln des Landes in Höhe von jeweils 100000 Euro beschafften Elektrobusse fahren, gehören zum Linienbündel Waiblingen Ost-West, das als 13. und letztes im öffentlichen Personennahverkehr des Rems-Murr-Kreises nach einer europaweiten Ausschreibung in Betrieb gegangen ist. Den Zuschlag dafür hatte die OVR erhalten, die das Paket an Buslinien eigenwirtschaftlich, also ohne öffentliche Zuschüsse, betreiben will. Zu den priorisierten Konditionen in der Ausschreibung hatte der Einsatz von Elektrobussen im Stadtverkehr gehört – ein sehr anspruchsvolles Vergabeverfahren, wie der Erste Landesbeamte Peter Zaar gestern im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags sagte. Er verwies gleichzeitig auf eine ambitionierte EU-Richtlinie, nach der ab 2025 mindestens 45 Prozent des öffentlichen Nahverkehrs emissionsfrei zu betreiben sind, ab 2030 sogar 65 Prozent. Zaar: „Da muss sich die Industrie noch mächtig ins Zeug legen.“

„Wir stehen an einer Zeitenwende“, erklärte OVR-Chef Windeisen. Für das Unternehmen sei bei der Neuvergabe der Buslinien wichtig gewesen, dass der Betrieb insgesamt wirtschaftlich erfolgen kann. Die Einführung von Elektrobussen sei eine gewaltige Umstellung, die das ganze Unternehmen betreffe: Die Werkstatt musste entsprechend ausgestattet, das Personal geschult und die Disposition, die bisher die Lenk- und Ruhezeiten, nun aber auch die Umlauf- und Ladezeiten zu berücksichtigen hat, neu ausgerichtet werden. Zudem musste das Unternehmen für eine direkte Verbindung zur Feuerwehr sorgen, um für den Brandfall gerüstet zu sein.

Windeisen versicherte auf kritische Nachfragen gleichzeitig, dass die Busse mit grünem Strom betrieben werden. Die Firma hat aber auch mit Problemen zu kämpfen, so komme es bisweilen zu Ladeabbrüchen, schwierig sei auch die Einstellung der Elektronik. Barrierefreiheit kann bislang nur eingeschränkt gewährleistet werden, weil noch längst nicht alle Bushaltestellen auf den geforderten Standard umgebaut sind. Windeisen: „Wir sind mit der Stadt im Gespräch.“

Die Elektrobusse, die ganztägig im 30-Minuten-Takt fahren, werden über Nacht auf dem Betriebsgelände der OVR in Beinstein geladen. Außerdem kann eine städtische Ladestation in der Dammstraße genutzt werden.

Info
Daten zu den E-Bussen

Bei den Elektrobussen handelt es sich um den Typ Urbino 8,9 LE electric des polnischen Herstellers Solaris, der mehrheitlich einem spanischen Konzern gehört.

Der Midibus hat eine Länge von 8,95 Metern, während ein üblicher Linienbus 12 Meter lang ist. Zudem ist er mit 2,40 Metern um 20 Zentimeter schmäler.

Die Batterieleistung beträgt 160 Kilowattstunden. Damit fahren die Busse 60 bis 70 Kilometer bis zur ersten Zwischenladung. Die maximale Reichweite ist laut OVR höher, hängt aber stark von den Rahmenbedingungen ab – ob beispielsweise die Klimaanlage in Betrieb ist.

Die Beschaffungskosten betragen laut OVR-Geschäftsführer Horst Windeisen pro Fahrzeug rund 500000 Euro, während ein Bus mit Verbrennungsmotor etwa 200000 Euro kostet. Für den Betrieb in Waiblingen werden drei E-Busse benötigt, um die Umläufe zu leisten.

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Erstellt:
4. Februar 2020, 06:00 Uhr

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