Erneuter Protest vor dem Schlachthof Kühnle in Backnang

Tierrechtler haben sich in Backnang versammelt und fordern Konsequenzen für die Mitarbeiter und den Veterinär, die auf den Aufnahmen zu sehen sind.

Fotos: privat

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Backnang. Es sei für sie ein großer Schock gewesen, die Aufnahmen der Soko Tierschutz aus dem Schlachtbetrieb der Metzgerei Kühnle in Backnang zu sehen, sagt Tinka Baun. „Man denkt, beim Metzger vor Ort ist das nicht so“, erklärt die Spiegelbergerin. „Zumal ja noch mit der Regionalität und dem Tierwohl geworben wurde“, fügt Julia Lang aus Weissach im Tal an. Baun macht klar: „Das kann man nicht akzeptieren.“ Deshalb haben die beiden jungen Frauen gemeinsam mit etwa 20 weiteren Tierrechtlern gestern Nachmittag ausgestattet mit Bannern, Fahnen und Plakaten vor dem Schlachthof in der Sulzbacher Straße protestiert. Es war die zweite derartige Demonstration, schon vor drei Wochen, am 26. August, wurde an gleicher Stelle sowie vor dem Veterinäramt in Backnang protestiert.

„Für eine Welt ohne Tierleid“ steht auf einem der Plakate, „Tiere sind fühlende Wesen, keine Lebensmittel“ auf einem anderen. „Wir fordern, dass der Schlachthof geschlossen bleibt und die verantwortlichen Mitarbeiter auf den Aufnahmen entlassen werden“, sagt Aaron Bangert. Der 25-Jährige aus Weissach im Tal hat die Demonstration angemeldet. Auch der Veterinär, welcher auf dem Video der Soko Tierschutz zu sehen war, wie er beim Vorantreiben der Tiere mitmachte, solle entlassen werden, so Bangert. „Hier haben sich strafrechtlich relevante Dinge zugetragen“, sagt er. Er sei fest davon überzeugt, dass es eine Verurteilung geben müsse und geben werde. Der Unterweissacher macht klar: „Wenn Kühnle den Schlachthof wieder öffnet oder nach außen hin der Eindruck entsteht, dass die Ermittlungen nicht vorangetrieben werden, werde ich hier weiter protestieren.“

Tierrechtler wollen, dass der Vorfall nicht unter den Tisch gekehrt wird

„Wir hoffen, dass der Schlachthof nie mehr öffnet“, sagt auch Karolina Brocher. Julia Popp schildert: „Es macht etwas mit einem, so etwas zu sehen und vor allem zu hören.“ Tiere würden ausgebeutet, das sei einfach nicht mehr zeitgemäß. „Wir sind technologisch so weit, aber ethisch so hinterher“, findet die Backnangerin. Dass die Missstände im Schlachtbetrieb Kühnle den Ämtern nicht bekannt gewesen seien, die Aussage „ist nicht haltbar“. Schließlich sei der Betrieb schon seit zwei Jahren unter Beobachtung gewesen. Die Betäubung funktioniere allgemein nicht zuverlässig, fügt Karolina Brocher aus. „Es ist grausames Töten.“

Damit der Vorfall in Erinnerung bleibt und nicht unter den Tisch gekehrt wird, wollen die Tierrechtler weiter die Öffentlichkeit suchen, so Bangert. Es habe sich schließlich um eklatante rechtliche Verstöße gehandelt. Man wolle friedlich den Protest gegen dieses Vorgehen zum Ausdruck bringen. Dafür reise er auch aus Bonn an, wo er aktuell studiert. Dabei gehe es nicht darum, Fronten zu den Landwirten aufzubauen, macht Julia Popp deutlich. „Es geht darum, sich für Mitgefühl zu entscheiden“, gibt Aaron Bangert zu Protokoll.

Erneuter Protest vor dem Schlachthof Kühnle in Backnang

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16. September 2022, 06:00 Uhr

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