Erschließung über bestehende Straßen

Die Würfel in Burgstetten sind gefallen. Einstimmig beschließt der Gemeinderat, dass das geplante Neubaugebiet Brühl in Erbstetten über zwei vorhandene Straßen angefahren wird. Zahlreiche Anwohner hatten sich – letztlich vergebens – dafür ausgesprochen, dass es eine extra Anbindung an die Burgstaller Straße geben soll.

Der städtebauliche Entwurf für das Neubaugebiet Brühl VI wird jetzt nochmals überarbeitet und dann wieder öffentlich vorgestellt. Plan: Architekturbüro Hähnig/Gemmeke / Foto: F. Muhl

Der städtebauliche Entwurf für das Neubaugebiet Brühl VI wird jetzt nochmals überarbeitet und dann wieder öffentlich vorgestellt. Plan: Architekturbüro Hähnig/Gemmeke / Foto: F. Muhl

Von Florian Muhl

BURGSTETTEN. Das geplante Baugebiet Brühl wird über die beiden bestehenden Straßen „Im Brühl“ und „Weirachstraße“ erschlossen. Das ist einer von vier Beschlüssen, die der Burgstettener Gemeinderat am Donnerstagabend in Bezug auf das am westlichen Ortsrand des Teilorts Erbstetten gelegene, zukünftige Neubaugebiet gefasst hat. Die drei weiteren Punkte beziehen sich auf die Gestaltung der Wohnwege und das Verkehrskonzept sowie die Wohnformen und auf die Gestaltung des zentralen Platzes.

Der Beschluss, keinen Kreisverkehr auf der Burgstaller Straße (K1906) vorzusehen und auch keine Abbiegespur, sondern die vorhandenen Straßen für die Erschließung zu nutzen, fiel einstimmig, ohne Enthaltung. Trotzdem dankten mehrere Gemeinderäte den engagierten Anwohnern, die sich in den vergangenen Monaten kritisch zu Wort gemeldet, Unterschriften gesammelt und alternative Lösungen vorgeschlagen hatten. Dadurch habe sich der Gemeinderat sicherlich noch ausführlicher mit der Problematik auseinandergesetzt, als er es ohnehin schon gemacht hätte. So sei auch folgendes Zugeständnis zustande gekommen, das die Gemeindeverwaltung in den Beschlussvorschlag mit aufgenommen hatte: Für die Erschließungsarbeiten wird eine Baustraße im Bereich des bestehenden Feldweges hergestellt. Diese Baustraße muss auch in der ersten Bauphase von den beteiligten Firmen und Zulieferern als Zufahrt benutzt werden. Danach wird diese Baustraße in einen Geh- und Radweg beziehungsweise Wirtschaftsweg umgewandelt.

Auch wenn sich unter den rund 25 Zuschauern etliche Anwohner des angrenzenden Wohngebiets Brühl befanden, wurden die Diskussion und die Abstimmung von ihnen ohne sichtliche Regungen zur Kenntnis genommen. Wohl auch deshalb, weil das Abstimmungsergebnis nach der Bürgerbeteiligung im April und der sogenannten Bürgerwerkstatt im Mai (wir berichteten) jetzt für niemanden mehr eine Überraschung war.

Klaus Jenne aus Erbstetten, einer der aktivsten Kritiker der nun beschlossenen Erschließungslösung, verfolgte am Donnerstag auch die Sitzung in der Gemeindehalle Burgstall als Zuschauer. Auf Anfrage sagte er, dass er die Entscheidung akzeptiert, weil sie demokratisch gefallen sei. Andererseits bedauert Jenne den Umstand, dass aus seiner Sicht für zahlreiche Anwohner keine zufriedenstellende Lösung auf dem Tisch liegt.

Beschlossen wurde ebenfalls einstimmig, dass das Planungsbüro möglichst noch zwei weitere Plätze für Einfamilienhäuser beziehungsweise Doppelhausplätze im städtebaulichen Entwurf unterbringt, und zwar im unteren (südlichen) Bereich in der Mitte. Zwar sieht der Plan bereits eine gute Durchmischung verschiedener Wohnformen vor, wie Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz feststellte, aber in der Bürgerwerkstatt sei der Wunsch nach einer Einfamilienhausbebauung oft genannt worden.

Wie breit sollen die Straßen sein? Darum ging es bei einem weiteren Punkt. 5,50 Meter, sagt die Gemeinde, 5 Meter sind für Hannes Ludwig (FWV) ausreichend, der Planer gab mindestens 5 Meter vor. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung beschloss das Gremium, die Straßen mit einer Breite von 5,50 Metern sowie als verkehrsberuhigte Zone – sogenannte Spielstraße – auszuführen. Somit soll es auch keine Gehwege geben. Das Planungsbüro soll aber noch weitere öffentliche Parkplätze ermöglichen.

Nicht ganz zufrieden waren sowohl die Räte wie auch die Gemeindeverwaltung mit der Platzierung des zentralen Platzes. Leise Kritik wurde geäußert, ob sich der Planer mit den schwierigen Geländeverhältnissen ausreichend vertraut gemacht habe. Angeregt wird, den Platz nach Süden in die Brühlwiesen zu verlegen und zum Beispiel mit Treppen an das nördliche Gelände anzuschließen. Vorteil: Der Platz wäre dann nicht mehr von Verkehrsflächen umgeben, aber trotzdem noch im Mittelpunkt des Wohngebiets.

Kommentar
Zähneknirschend

Von Florian Muhl

Der Beschluss, das Neubaugebiet über die bestehenden Straßen anzubinden, war vorhersehbar. Jede andere Entscheidung des Gemeinderats wäre eine Überraschung gewesen. Zu deutlich hatten sich im Vorfeld das Planungsbüro und ein Verkehrsgutachter für diese Variante ausgesprochen. Zähneknirschend werden die Anwohner, die lange für eine Erschließung über die Burgstaller Straße (K1906) gekämpft haben, die Entscheidung hinnehmen müssen. Sie sehen sich in ihrer Ansicht bestätigt, dass meist der Recht bekommt, der ein Gutachten in Auftrag gibt. Auf der anderen Seite akzeptieren wohl die meisten Kritiker, dass die Entscheidung demokratisch gefallen ist und ein extra Kreisverkehr auf der K1906 oder wenigstens eine Abbiegespur zusätzlich hohe Kosten verursacht hätte. Jetzt aber schauen sie der Gemeindeverwaltung und den Gemeinderäten umso genauer auf die Finger. Machen die ihr Versprechen wahr, dafür zu sorgen, dass die Alte Backnanger Straße nicht zur abkürzenden Rennstrecke verkommt?

f.muhl@bkz.de

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Erstellt:
26. Juni 2021, 06:00 Uhr

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