Erster Baustein eines Vorreiterprojekts in Backnang

Der Showroom der Wasserstoff-Lernwerkstatt an der Gewerblichen Schule in Backnang ist fertig gestellt. Bei einer Feierstunde zur Einweihung des Hylabs betonten die Gäste um Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut den Stellenwert des Zukunftsprojekts.

Im Hylab erkunden die Gäste die Informationsinseln. Zum Thema Klimawandel kann man die Statements von Fachleuten und Politikern anhören.Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Im Hylab erkunden die Gäste die Informationsinseln. Zum Thema Klimawandel kann man die Statements von Fachleuten und Politikern anhören.Fotos: Alexander Becher

Von Lorena Greppo

Backnang. In den jeweiligen Gremien sitzen sie in verschiedenen Fraktionen, an diesem Tag ziehen sie an einem Strang, um möglichst viel regenerative Energie zu erzeugen: Ralf Nentwich, Landtagsabgeordneter der Grünen, pustet auf die drei kleinen Windräder. Armin Mößner, Murrhardter Bürgermeister und CDU-Kreisrat, kurbelt das Schaufelrad für die Wasserkraft an. Und schließlich tippt Daniel Lindenschmid, der für die AfD im Landtag und im Kreistag sitzt, auf einem Bildschirm die Wolken weg, sodass die PV-Anlage Sonnenlicht in Strom umwandeln kann. Von allen drei Stationen führt eine leuchtende Verbindung in die Mitte des Tisches, in der sich eine Wassersäule befindet. Durch den Einsatz der drei Männer entstehen darin Blasen. Sie symbolisieren: Die Herstellung von grünem Wasserstoff (H2) ist geglückt.

Der Bogen wird zum Klimawandel und der Energiewende gespannt

Mit diesem und weiteren interaktiven Elementen wird im Wasserstoff-Showroom, dem sogenannten Hylab, an der Gewerblichen Schule in Backnang veranschaulicht, wie verschiedene Technologien ineinander greifen können, um nachhaltig Energie zu gewinnen. Die Infoinsel „Vernetzt denken“ ist nur ein Baustein dessen. Im Mittelpunkt des Raums findet sich ein Modell des Rems-Murr-Kreises im Höhenprofil, auf das Bilder und Texte projiziert werden, die über die Wasserstoffstrategie des Landkreises informieren. An zwei weiteren Fachinseln wird unter den Überschriften „Kein Grad weiter“ und „Wasserstoff-Basics“ über die Notwendigkeit einer Energiewende und Wissenswertes rund um die Wasserstofftechnologie informiert. Was hat beispielsweise Wasserstoff mit Traubenzucker zu tun? Wenn man die Süßigkeit unter den Scanner schiebt, erfährt man die Antwort.

Lesen Sie hier: Wie fährt sich ein Wasserstoffauto?

Die Objekte im Showroom seien bewusst auf eine sehr heterogene Besucherschaft ausgelegt worden, sagt Schulleiterin Isolde Fleuchaus. Von Schulklassen bis zu Pensionärsgruppen sollen sich hier alle für die Zukunftstechnologie Wasserstoff begeistern können. Dass die Strategie aufgeht, zeigt sich bei der feierlichen Eröffnung, als nach Festreden und Talkrunden endlich der rundum verglaste Anbau betreten werden darf. „Ich entdecke das Kind in der Frau“, ruft Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut aus. „Das macht richtig Spaß!“ Sie lässt es sich auch nicht nehmen, gemeinsam mit Landrat Richard Sigel und Backnangs Oberbürgermeister Maximilian Friedrich mit den H2-Hanteln für ein Foto zu posieren.

Die Fachkräfte von morgen müssen die neuen Technologien kennen

Weitere Themen

Auch geizt die Ministerin in ihrer Ansprache nicht mit Superlativen, um das Projekt der „Lernwerkstatt Zukunftstechnologie Wasserstoff und Brennstoffzelle“ in Backnang zu beschreiben. Ein Meilenstein, ein Vorzeigeprojekt und ein Alleinstellungsmerkmal der Region sei die Lernwerkstatt, deren erster wichtiger Baustein der Showroom ist. Weitere Bestandteile werden ein Erlebnisparcours zur nachhaltigen Mobilität sowie eine moderne Wasserstoffwerkstatt sein (wir berichteten). Die Wasserstofftechnologie soll so in den verschiedenen Schularten in Unterrichtseinheiten eingebunden und durch praktische Erfahrungen aus der Lernwerkstatt ergänzt werden.

Die Auftaktveranstaltung zur Einweihung des Showrooms inklusive zweier Podiumsdiskussionen stößt auf großes Interesse. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (zweite von links) spricht über die Chancen der Wasserstofftechnologie.

© Alexander Becher

Die Auftaktveranstaltung zur Einweihung des Showrooms inklusive zweier Podiumsdiskussionen stößt auf großes Interesse. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (zweite von links) spricht über die Chancen der Wasserstofftechnologie.

Wie wichtig es ist, dass die Fachkräfte von morgen mit innovativen Technologien umzugehen wissen, betonen viele der Rednerinnen und Redner. „Es liegt in unserer Verantwortung, dass wir Kindern und Jugendlichen zeigen, wie sie wichtige Technologien nutzen, um die Probleme der Zukunft lösen zu können“, sagt Staatssekretär Volker Schebesta, der kurzfristig die erkrankte Kultusministerin Theresa Schopper vertritt. „Unsere Partner und Firmen brauchen das Know-how“, weiß auch Isolde Fleuchaus. Mit der Lernwerkstatt könne das Thema Wasserstofftechnologie und nachhaltige Mobilität an der Schule umfänglich bearbeitet werden. Werkstattleiter Heribert Gantner betont, dass man Kinder dafür begeistern müsse. Es sei trotz aller Liebe zum Verbrennungsmotor klar erkennbar: „Das Rauchen, Knattern und Stinken der Autos wird weniger werden.“ Nicole Hoffmeister-Kraut betont, dass Deutschland nur so zu den Vorreitern gehören könne. Bei der E-Mobilität habe man dies verpasst. Sie forderte daher: „Wir müssen Wasserstoff-ready sein!“ Schließlich sei H2 nicht nur im Mobilsektor relevant, sondern werde als Energieträger und -speicher benötigt.

„Wir investieren in die Zukunft und in Innovation“, hebt Landrat Richard Sigel hervor. Für die Lernwerkstatt hat der Kreistag ein Budget von knapp zehn Millionen Euro bewilligt, der Anteil des Landes beträgt dabei etwa 2,7 Millionen Euro.

Das Hylab Interessierte können ab 1. März das Hylab erkunden. Für weitere Informationen und die Anmeldung wurde eine Webseite eingerichtet: https://hylab.gsbk.de

Zum Artikel

Erstellt:
25. Januar 2024, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Stadt & Kreis

Backnanger Tagesstätte ermöglicht psychisch Erkrankten Struktur und Kontakte

Seit mittlerweile über zehn Jahren gibt es in Backnang mit der Tagesstätte einen Anlaufpunkt für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Für die Besucherinnen und Besucher geht es nicht nur um Struktur in ihrem Alltag, sie profitieren auch von den entstehenden Freundschaften.