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Erstmals Geld vom Kreis für Refugio

Stuttgarter Einrichtung kümmert sich um traumatisierte Geflüchtete aus der ganzen Region

Symbolbild: Stock Adobe

© magele-picture - stock.adobe.com

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Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Der Verein Refugio Stuttgart erhält für seine Arbeit erstmals eine finanzielle Zuwendung vom Rems-Murr-Kreis. Die Einrichtung leistet psychosoziale und therapeutische Hilfe für traumatisierte Geflüchtete. Der Zuschuss beläuft sich einmalig auf 20000 Euro. Darüber hinaus hat der Sozialausschuss des Kreistags in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, das Projekt Flügel – Beratung für Frauen und Männer, die von sexueller Gewalt betroffen sind – ab 2020 mit 32500 Euro zu unterstützen. Der Zuschuss an Pro Familia wird auf drei Jahre befristet gewährt. Zurzeit beträgt die Summe 23000 Euro.

Refugio-Geschäftsführerin Ute Hausmann berichtete im Ausschuss, dass etwa zehn Prozent der Klienten aus dem Rems-Murr-Kreis kommen. Das psychosoziale Zentrum des Vereins, dessen Einzugsgebiet die ganze Region Stuttgart umfasst, widmet sich Geflüchteten, die unter den psychischen Folgen ihrer Flucht schwer leiden. Erlebnisse von Folter, Gewalt und Krieg sowie Gewalterfahrungen, sexuelle Übergriffe auf der Flucht, Ängste und das Gefühl des Ausgeliefertseins werden immer wieder von Neuem erlebt, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme, aber auch Passivität, Rückzug und Erstarrung sind möglicher Ausdruck eines Traumas, wie Hausmann schilderte. Hohe Selbstgefährdung und Schwierigkeiten in Ausbildung und Beruf oder beim Erlernen der Sprache seien die Folge. Refugio bietet Beratung, Diagnostik, Krisenintervention und Therapie – wobei alle Angebote dolmetschergestützt erfolgen.

Während der Großteil der Kreisräte die Arbeit von Refugio als wichtig und wertvoll einschätzte, äußerte sich Frank Kral (AfD) skeptisch: „Warum sollen wir in die Finanzierung einsteigen?“ Hausmann begründete den Antrag, der auch an die Nachbarlandkreise und die Landeshauptstadt gegangen ist, damit, dass Rücklagen aus guten Spendenjahren aufgebraucht seien. Die Geschäftsführerin hofft, dass es weiterhin Hilfen von der EU und künftig auch eine Unterstützung vom Land gibt. Darüber besteht jedoch noch keine Klarheit. Der Zuschuss wurde bei zwei Gegenstimmen bewilligt.

Der Antrag von Pro Familia in Waiblingen zielte darauf ab, für das Projekt Flügel eine 50-Prozent-Stelle dauerhaft einrichten zu können. Daher war es Wunsch der Einrichtung, den Zuschuss unbefristet zu erhalten. Eine Reihe von Kreisräten unterstützte dies. So äußerte sich Alexander Bauer (SPD) überzeugt, dass das Problem in Zukunft sicher nicht kleiner oder gar verschwinden werde. Unterstützung für den ursprünglichen Antrag signalisierten auch Julia Goll (FDP/FW) und Bernd Messinger (Grüne). Dagegen wollte etwa Gudrun Wilhelm (Wi/Kli) auf die von der Kreisverwaltung vorgesehene Befristung nicht verzichten, die Landrat Richard Sigel damit begründet hatte, dass man die Freiwilligkeitsleistung im Blick behalten möchte. Sie fragte ferner nach, ob die Klientel aus der Stadt oder auch aus dem ländlichen Raum stamme. Oranna Keller-Mannschreck, die Leiterin der Beratungsstelle, hielt dagegen, das Einzugsgebiet erstrecke sich auf den ganzen Kreis. Zugleich wies sie darauf hin, dass zu den stark gestiegenen Fallzahlen auch mit einem riesigen Dunkelfeld zu rechnen sei. Der Landrat unterstrich unterdessen: „In der Wertschätzung sind wir gar nicht weit auseinander.“ Am Ende votierte eine knappe Mehrheit für die Befristung.

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Sozialausschuss des Kreistags bewilligt Zuschüsse

Folgende Zuschüsse hat der Sozialausschuss des Kreistags ebenfalls bewilligt:

Der Zuschuss für die Fachberatungsstelle der Erlacher Höhe für Menschen mit Hilfebedarf in Backnang wird um 17800 Euro auf 230900 Euro erhöht.

Der Hilfsverein für psychisch Kranke Rems-Murr erhält für seine Tagesstätte für psychisch kranke Menschen in Backnang künftig 306600 Euro Zuschuss und damit 600 Euro mehr als bisher.

Für die Fachberatungsstelle Gewaltprävention Rems-Murr gewährt der Landkreis dem Verein Sozialberatung Stuttgart einen Zuschuss von 90300 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 10300 Euro. Die Stelle kümmert sich um Gewalt ausübende Männer und Frauen bei häuslicher Gewalt.

Für einen Erweiterungsbau am Tierheim in Großerlach erhält der Tierschutzverein Backnang einen Zuschuss in Höhe von acht Prozent der Nettobaukosten, maximal jedoch 40000 Euro.

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Erstellt:
26. November 2019, 11:30 Uhr

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