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„Es wird tatsächlich langsamer gefahren“

Seit etwa einem Monat gilt auf der B14 in Oppenweiler Tempo 30. Die Geschwindigkeitsreduzierung soll helfen, den Lärmpegel zu senken. Die ersten Erfahrungen sind positiv, auch wenn noch keine verlässlichen Daten vorliegen.

Auf der Ortsdurchfahrt in Oppenweiler gilt inzwischen Tempo 30. Das Feedback der lärmgeplagten Anwohner ist laut Bürgermeister positiv. Sie nähmen eine merkliche Verkehrsberuhigung wahr. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Auf der Ortsdurchfahrt in Oppenweiler gilt inzwischen Tempo 30. Das Feedback der lärmgeplagten Anwohner ist laut Bürgermeister positiv. Sie nähmen eine merkliche Verkehrsberuhigung wahr. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

OPPENWEILER. In Kürze sollen an der Hauptstraße in Oppenweiler Displays den Auto- und Lastwagenfahrern anzeigen, wie schnell sie unterwegs sind. Ein grüner Smiley erscheint, wenn die Geschwindigkeit bei 30 Kilometern pro Stunde oder darunter liegt. Denn dieses Tempolimit gilt seit gut einem Monat auf der Ortsdurchfahrt. Fahren die Verkehrsteilnehmer zu schnell, erscheint dann ein rotes, trauriges Gesicht. „Die Gerätschaften sind schon da, aber wir haben sie bisher noch nicht installiert“, erklärt Bürgermeister Bernhard Bühler. Wenn es so weit ist, erfüllen die Anlagen noch einen weiteren Zweck: Sie zeichnen die Messungen auch auf. Somit kann die Kommune auswerten, inwieweit das Tempolimit eingehalten wird. „Wenn die Verstöße überhandnehmen sollten, könnten wir beispielsweise über einen stationären Blitzer nachdenken“, so Bühler. Von stationären Blitzern hatte aber Ingenieur Gert Braunstein bei der Vorstellung des Lärmaktionsplans im Gemeinderat abgeraten, mit dem Hinweis auf die geringe Wirksamkeit. Eine gleichmäßige Fahrweise werde man dadurch nicht erreichen, außerdem seien solche Anlagen teuer, hatte er angemerkt.

Theoretisch könne man die Messdaten der Displays täglich auswerten, aber hierzu habe die Gemeinde sich noch kein Konzept überlegt. Interessant würden laut Bühler vor allem die Nachtwerte. Denn tagsüber, das hat der Bürgermeister selbst schon erlebt, ist die Geschwindigkeitsbegrenzung schon spürbar. „Wir beobachten, dass tatsächlich langsamer gefahren wird. Auch von den Anwohnern haben wir die Rückmeldung erhalten, dass es spürbar ruhiger geworden ist.“

Die Gemeinde dreht an mehreren Stellschrauben.

Um bis zu drei Dezibel könne die Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 den Lärmpegel senken, hatte es im Lärmaktionsplan geheißen. Für Verwaltung und Gemeinderat stand daher außer Frage, dass man die Maßnahme umsetzt. Denn mehr als 200 Anwohner der Hauptstraße sind massiv durch Lärm belästigt. Inwiefern sich die Lage bei der nächsten Fortschreibung des Lärmaktionsplans anders darstellt, hängt laut Bühler von vielen Faktoren ab. Beispielsweise sei mit entscheidend, wie sich der Lkw-Verkehr entwickelt. Steigen die Zahlen? Gibt es womöglich bauliche Veränderungen an den Fahrzeugen, die den Lärm verringern? All das spiele im neuen Betrachtungszeitraum bis zur Fortschreibung eine Rolle. Etwa 20400 Fahrzeuge passieren täglich die Dauerzählstelle in Backnang-Strümpfelbach (Stand 2019), 1240 davon werden dem sogenannten Schwerverkehr zugerechnet. Ähnlich dürfte sich das Verkehrsaufkommen auf der Ortsdurchfahrt in Oppenweiler darstellen. Bei einer Veranstaltung der Gemeinde zur Bürgerbeteiligung ist auch zur Sprache gekommen, dass die Schachtdeckel so laut klapperten. „Das war nicht Teil des Lärmaktionsplans, aber die Bürger haben vor Ort wahrgenommen.“ Folglich hat die Gemeinde kürzlich auch dieses Problem behoben und zwölf Kanaldeckel ausgetauscht, die sich im Lauf der Jahre abgesenkt hatten.

Ein Austausch der Fahrbahnbeläge mit dem Einbau von lärmoptimiertem Material ist laut Bühler derzeit nicht geplant. „Die Fahrbahnbeläge sind auf acht bis zehn Jahre ausgelegt“, erklärt er. Derzeit seien sie noch relativ gut in Schuss, sodass man womöglich erst in drei bis vier Jahren aktiv werden müsse.

Weitere Vorschläge im Rahmen des Lärmaktionsplans zielen auf den Rückgang des Verkehrsaufkommens ab. Das hieße, dass die Gemeinde den Radverkehr und den öffentlichen Nahverkehr fördert, damit weniger Autos durch den Ort rollen. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde im April gegangen, als der Gemeinderat darüber beriet, mietbare Fahrradboxen für Pendler am Bahnhof in Oppenweiler aufzustellen. Ein entsprechender Interessensantrag an das Regierungspräsidium Stuttgart sei bereits gestellt worden, berichtet Bühler. „Wir warten auf ein Signal, ob das Projekt förderfähig erscheint.“ Er gehe davon aus, im Laufe des Jahres eine entsprechende Rückmeldung zu bekommen. Sollte diese wider Erwarten negativ ausfallen, geht die Angelegenheit zurück in den Gemeinderat.

Lärmpegel von mehr als 70 Dezibel

Lärmaktionspläne sind laut Landesverkehrsministerium grundsätzlich für alle kartierten Gebiete aufzustellen, in denen die Umgebungslärmkartierung Lärmbetroffene ausweist. Bereiche mit Lärmbelastungen über 65 Dezibel tagsüber und 55 Dezibel in der Nacht liegen in einem gesundheitskritischen Bereich und sind daher auf jeden Fall zu berücksichtigen. Vordringlicher Handlungsbedarf besteht demnach in Bereichen mit sehr hohen Lärmbelastungen, also mehr als 70 Dezibel tagsüber und/oder mehr als 60 Dezibel in der Nacht.

Laut des Lärmaktionsplans Oppenweiler 2018/19 sind 79 Anwohner der Ortsdurchfahrt tagsüber einem Lärmpegel von 70 bis 75 Dezibel und mehr ausgesetzt, 25 Einwohner müssen demnach sogar Verkehrsgeräusche von mehr als 75 Dezibel ertragen. Nachts sind 88 Einwohner einem Lärmpegel zwischen 60 und 65 Dezibel und mehr ausgesetzt, für 43 Einwohner liegt die Belastung gar zwischen 65 und 70 Dezibel. „Die hohen Pegel kommen einer Enteignung dieser Gebiete gleich“, hatte Ingenieur Gert Braunstein bei der Vorstellung des Lärmaktionsplans im Gemeinderat erklärt. Bei betroffenen Einwohnern könne die Lärmemission ernsthafte physische als auch psychische Beeinträchtigungen hervorrufen, darunter beispielsweise Schlafstörungen. Maßnahmen zur Lärmminderung seien daher „nahezu unumgänglich“.

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Erstellt:
20. Juli 2020, 06:00 Uhr

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