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„Europa ist für uns Deutsche die wichtigste Zukunftsaufgabe“

Nach 32 Jahren an der Spitze der Carlo-Schmid-Stiftung hat sich Siegmar Mosdorf zurückgezogen – Mannheims OB Peter Kurz folgt auf den früheren Staatssekretär

Nach 32 Jahren an der Spitze der Carlo-Schmid-Stiftung hat sich Siegmar Mosdorf zurückgezogen – Mannheims OB Peter Kurtz folgt auf den früheren Parlamentarischen Staatssekretär in Berlin.

Stuttgart „Ich bin immer wieder gerne hier“, sagt Siegmar Mosdorf. Für die SPD ist er einst mit dem Direktmandat in Esslingen in den Bundestag eingezogen. In der ersten Kanzlerschaft von Gerhard Schröder zählt Mosdorf („Ich verstehe mich als liberaler Sozialdemokrat“) von 1998 an zum engen Kreis, wird Parlamentarischer Staatssekretär beim ­Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.

2002 kandidiert er nicht wieder für den Bundestag. Mosdorf gründet ein zunächst in München und Berlin aktives Unternehmen für strategische Kommunikationsberatung mit. Die Verbindung zur Region Stuttgart und zu Baden-Württemberg aber bleibt. Im Mittelpunkt: Der Vorsitz der Carlo-Schmid-Stiftung. 1987 gegründet, ­erinnert die Stiftung mit Sitz in Stuttgart an das Lebenswerk des Staatsrechtlers Carlo Schmid. Der Sozialdemokrat, von 1949 bis 1972 für den Wahlkreis Mannheim Mitglied des Bundestages, ist vor allem durch seine Mitarbeit bei der Ausgestaltung des am 24. Mai 1949 verabschiedeten Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bekannt. Schmid, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, versteht sich schon in den 1920er Jahren als Europäer und tritt nach dem Ende Hitler-Deutschlands für einen engen Schulterschluss der europäischen Staaten ein. In den späten 1940er Jahren gilt er zudem als herausragender Übersetzer für Werke von Charles Baudelaire und ­André Malraux ins Deutsche.

„Das hat mich früh fasziniert“, sagt Siegmar Mosdorf. Und was verbindet aus seiner Sicht die Sozialdemokratie heute mit dem europäischen Gedanken? „Die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit erst recht jetzt im Zeitalter der Globalisierung.“ Ist aber Europa gerade auch im aktuellen Ringen wirklich mehr als eine Idee? „Europa ist unser Schicksal und für uns Deutsche die wichtigste Zukunftsaufgabe“, sagt Mosdorf.

Dafür stehe auch die Vergabe des Preises der Carlo-Schmid-Stiftung. Als „besonders wichtig“ bewertet Mosdorf die Preisvergabe „1998, im Wahljahr, als wir Helmut Schmidt aus­gezeichnet haben“. „Aber aus heutiger Sicht“, ergänzt er, „die Auszeichnung von Jacques Delors anlässlich des 100. Geburtstags von Carlo Schmid 1996 im Bonner ­Wasserwerk, weil er in seinem Engagement für Europa vorbildlich war.“ Mosdorf sagt das Wort „vorbildlich“ mit Nachdruck. Geht es also gerade auch bei der Carlo-Schmid-Stiftung um diese Qualität? „Diese Stiftung“, sagt Mosdorf, „ist wichtig, „weil man im Leben Orientierung, Vorbilder und ,Autorität der Erfahrung‘ braucht.“

Am vergangenen Samstag hat Siegmar Mosdorf, als Partner von Kekst-CNC nach wie vor national und international aktiv, „den Staffelstab an der Spitze der Carlo-Schmid-Stiftung übergeben“ – an Mannheims SPD-Oberbürgermeister ­Peter Kurz. Mosdorf agiert nun im Kuratorium der Stiftung – ebenso wie Bundesjustizministerin Katarina Barley.

„Der Intellektuelle Carlo Schmid“, sagt Siegmar Mosdorf mit Blick auf seinen Nachfolger, „vertrat die Arbeiterstadt Mannheim im Bundestag. Peter Kurz, der bisher schon dem Kuratorium der Stiftung angehörte, steht für diesen Typ von Brückenbauer zwischen den sozialen Schichten“.

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Erstellt:
11. April 2019, 03:12 Uhr

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