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Exotische Vornamen liegen im Trend

Auch in Backnang wählen viele Eltern außergewöhnliche Namen für ihr Kind – Abgelehnt werden diese vom Standesamt nur sehr selten

Jungs hießen Stefan, Thomas oder Andreas, Mädchen Tanja, Sandra oder Nicole – vor 50 Jahren war der Vorname für das Kind meist schnell gefunden. Heute ist die Auswahl größer und die Eltern sind kreativer geworden. Das bekommen auch die Mitarbeiterinnen im Backnanger Standesamt zu spüren, die immer häufiger exotische Vornamen beurkunden dürfen.

Das Kind braucht einen Namen, aber welchen? Bei der Wahl des Vornamens sind manche Eltern sehr kreativ. Foto: Adobe Stock/Jasmin Merdan

© Jasmin Merdan - stock.adobe.com

Das Kind braucht einen Namen, aber welchen? Bei der Wahl des Vornamens sind manche Eltern sehr kreativ. Foto: Adobe Stock/Jasmin Merdan

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die Beurkundung von Geburten gehört zu den erfreulicheren Aufgaben im Berufsleben einer Standesbeamtin. Deshalb haben es die Mitarbeiterinnen in Backnang bedauert, als vor sechs Jahren das hiesige Krankenhaus mit seiner Geburtsstation geschlossen wurde. Weil jeweils das Standesamt am Geburtsort zuständig ist, ging die Zahl der Beurkundungen dadurch rapide zurück, von über 1000 auf ein paar wenige Hausgeburten pro Jahr. Nach der Eröffnung des Geburtshauses vor drei Jahren sind es wieder etwas mehr geworden: Im vergangenen Jahr wurden immerhin 75 Babys in Backnang geboren.

Bei der Namensgebung stellt Sachgebietsleiterin Anita Proppe zwei Trends fest. Erstens: Alte Namen feiern ein Comeback. Mädchen heißen heute wieder Emma oder Charlotte, Jungs werden Oskar oder Emil genannt. Der zweite Trend: „Die Bandbreite ist größer geworden. Die Eltern sind heute sehr einfallsreich.“ Auf der Suche nach einem möglichst individuellen Vornamen greifen auch deutsche Eltern auf ausländische und teils exotische Namen zurück.

Für Anita Proppe und ihre Kolleginnen ist das grundsätzlich kein Problem. „Die Namensgebung ist nicht unsere Entscheidung, sondern die der Eltern“, sagt die Beamtin. Ob eine Chantal Schäufele mit ihrem Namen glücklich wird, spielt bei der Beurkundung deshalb keine Rolle. Nur in zwei Fällen interveniert das Standesamt: Wenn es Zweifel gibt, ob es sich überhaupt um einen Vornamen handelt, oder wenn der Name das Geschlecht des Kindes nicht eindeutig bestimmt.

Um zu klären, ob ein Vorname überhaupt ein solcher ist, hat das Standesamt verschiedene Möglichkeiten. Der erste Blick geht dabei in das „Internationale Handbuch der Vornamen“, das von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden herausgegeben wird und immerhin 65000 Namen aus verschiedenen Sprachen auflistet. Taucht der Name dort nicht auf, kann man bei der GfdS auch eine Einzelfallprüfung beantragen. Falls die Sprachexperten bescheinigen, dass es den Namen gibt, wird er vom Standesamt akzeptiert. Bei Namen aus anderen Kulturen, etwa aus Afrika oder Asien, kann dies auch das Konsulat des jeweiligen Landes bescheinigen.

Wird kein solcher Nachweis erbracht, kann das Standesamt den Namen ablehnen. Gegen eine solche Ablehnung können die Eltern allerdings klagen und manche Gerichte sind auch bei eigenwilligen Namenskreationen großzügig. So erlaubten deutsche Gerichte unter anderem Birkenfeld als Namen für einen Jungen und Emelie-Extra für ein Mädchen. In Backnang habe es solche Streitfälle bisher noch nicht gegeben, berichtet Anita Proppe. Die Frage, ob der Name das Geschlecht klar bestimmt, sorgt aber auch hier immer mal wieder für Diskussionen. Proppe erinnert sich an einen Fall, in dem die Eltern als dritten Vornamen für ihren Sohn einen eindeutig weiblichen Namen ausgewählt hatten: „Nach vielen Gesprächen waren sie am Ende bereit, einen Buchstaben hinzuzufügen, sodass ein männlicher Vorname daraus wurde.“ Bei ausländischen Namen, die für hiesige Ohren nicht eindeutig sind, empfehlen die Standesbeamtinnen den Eltern, noch einen zweiten Vornamen hinzuzunehmen, aus dem das Geschlecht hervorgeht. „Bisher haben wir immer ein Einvernehmen erzielt“, berichtet die Sachgebietsleiterin.

Ist ein Name erst einmal beurkundet, kann er nicht mehr so leicht geändert werden. Dies ist dann nur noch aus einem wichtigen Grund möglich, etwa wenn jemand unter seinem Namen massiv leidet und dies auch durch psychologische Gutachten belegen kann. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein Kind wegen seines Namens ständig gehänselt wird oder wenn ein Sohn denselben Namen wie sein gewalttätiger Vater trägt. Die Tatsache, dass einem der Name nicht gefällt, sei hingegen kein ausreichender Grund, erklärt Anita Proppe.

Relativ einfach ist es neuerdings hingegen, die Reihenfolge der Namen zu ändern und beispielsweise den zweiten Vornamen zum ersten zu machen. Dafür genügt eine einfache Erklärung auf dem Standesamt. Eltern mit einem Hang zu extravaganten Namen rät Proppe deshalb, ihrem Kind noch einen zweiten, gebräuchlicheren Namen zu geben. Dann kann es später selbst entscheiden, ob es lieber einen außergewöhnlichen oder einen gängigen Vornamen haben will.

Info

In Backnang leben derzeit laut Statistik des Standesamts 375 Kinder, die im Jahr 2019 geboren wurden.

Der beliebteste Mädchenname ist dabei Sofia beziehungsweise Sofie: Er wurde in unterschiedlichen Schreibweisen achtmal vergeben. Dahinter folgen Mia (6), Mila (5) und Marie/Maria (4).

Bei den Jungennamen gibt es in Backnang keinen eindeutigen Favoriten. Jeweils viermal wurden die Namen Noah und David/Dawid vergeben, dahinter folgen Felix, Jonas, Jonathan, Maxim, Lenni/ Lenny, Oskar und Simon (jeweils 3).

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Erstellt:
4. Mai 2020, 11:30 Uhr

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